Hier schreibt der Automat

Redaktor Martin Uebelhart macht sich in seinem «Blitzlicht» Gedanken über computergenerierte Newstexte.

Martin Uebelhart
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Martin Uebelhart. (Bild: Corinne Glanzmann)

Martin Uebelhart. (Bild: Corinne Glanzmann)

Am vergangenen Abstimmungssonntag hat ein Verlagshaus im Internet die Möglichkeit geboten, sich aus jeder Gemeinde der Schweiz die Abstimmungsresultate in individuellen Texten zusammenstellen zu lassen. Wenn man sein eigenes Abstimmungsverhalten eingegeben hatte, wurde das Resultat der Gemeinde damit verglichen. Das Besondere daran: Die Texte hat ein Computer «verfasst». Angemerkt hat man das den Artikeln auf den ersten Blick nicht.

Angesichts der Tatsache, dass derzeit für «richtige» Journalisten die Zahl der Arbeitsplätze nicht steigt, könnte einen eine leise Panik beschleichen, dass man über kurz oder lang nicht mehr gebraucht wird in der Medienwelt.

Ganz so grob wird es wohl nicht kommen. Der automatische Redaktionskollege – er hört auf den Namen Tobi – ist bestimmt unschlagbar, wenn es darum geht, viele Daten schnell zu verarbeiten und zu vergleichen. Und er kann seine menschlichen Mitarbeiter vielleicht sogar auf Besonderheiten wie überdurchschnittlich viele Ja-Stimmen hier und eine kellertiefe Stimmbeteiligung dort aufmerksam machen. Diese Resultate dann aber am Ende des Tages einzuordnen, zu analysieren oder zu kommentieren, dazu braucht es uns Journalistinnen und Journalisten bestimmt noch für längere Zeit.

Und eines kann ich Ihnen auf jeden Fall versichern: Die Kolumne, die Sie soeben gelesen haben, ist vollständig ohne die Unterstützung irgendwelcher künstlicher Intelligenz zustande gekommen.