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Höhentraining für meisterhafte Schreiner auf dem Bürgenstock

Seit 75 Jahren gibt es die Höhere Fachschule Bürgenstock des Verbandes Schweizer Schreinermeister und Möbelfabrikanten schon. Jedes Jahr absolvieren dort Hunderte Schreiner ihr meisterliches Höhentraining.
Romano Cuonz
Schulleiter Bruno Krucker (Mitte) legt Wert darauf, dass künftige Meister wie Rico Steiner (links) und Josef Portmann auch das solide Handwerk beherrschen. (Bilder: Romano Cuonz (Bürgenstock, 5. April 2019))

Schulleiter Bruno Krucker (Mitte) legt Wert darauf, dass künftige Meister wie Rico Steiner (links) und Josef Portmann auch das solide Handwerk beherrschen. (Bilder: Romano Cuonz (Bürgenstock, 5. April 2019))

«In der glorreichen Ära unter der Familie Frey besassen die Bürgenstock-Hotelbesitzer auch eine produktive, hauseigene Schreinerei», erzählt Bruno Krucker, der die heutige Höhere Fachschule Bürgenstock (HF) seit 35 Jahren leitet. Und: Im sogenannten Schreinerhaus seien die ersten Meisterprüfungen durchgeführt worden. Im Jahr 1944 – mitten im Zweiten Weltkrieg – habe der Landesverband der Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) erkannt, dass er die Weiterbildung seiner Mitglieder selber an die Hand nehmen müsste. Krucker blättert in der Chronik. Dann stellt er, nicht ohne Staunen, fest:

Bruno Krucker,

Bruno Krucker,

«Schon verrückt, was da visionäre Schreiner vor 75 Jahren auf Initiative ihres weitsichtigen Zentralsekretärs Felix Huonder gewagt haben.»

In der Tat: Der Verband errichtete auf dem Aussichtsberg, mit Hilfe einer dafür gegründeten Stiftung, sein eigenes Schreinerhaus. Für nicht weniger als fast eine halbe Million Franken. Zu Beginn fanden im teuren Bildungszentrum nur gerade während sieben Wochen im Jahr Kurse statt. Im Mittelpunkt stand der «Schlusskurs für angehende Meister».

Solides Handwerk genügt heute nicht mehr

Einen Schreinermeisterlehrgang gab es da allerdings noch nicht, nur die Prüfung war geregelt. In den darauffolgenden Jahren aber wurde das Angebot «Meisterkurs», so nannte man es fortan, durch Fachkurse laufend ergänzt. Neue Themen kamen dazu: etwa Kalkulation, Buchhaltung, Werbung oder Geschäftsführung. «Ja, in unserer Schule sollten Berufsleute erkennen, dass das solide Handwerk allein nicht genügt, um eine Schreinerei erfolgreich führen zu können», bringt es Krucker auf den Punkt. Und dies habe seine Richtigkeit behalten. Bis heute.

Wie das Ausbildungsangebot hat sich auch das Schreinerhaus stetig verändert: 1982 wurde in Ober Trogen ein Anbau realisiert. 1993, zum 50. Geburtstag, erfolgte eine umfassende Sanierung. 2012 wurde der markante, kubische Anbau ganz aus Holz erstellt. Heute sind alle Klassenzimmer und der schöne Seminarraum mit einem Computer Netzwerk multimedial ausgestattet. Was 1944 mit Wochenend- und Ferienkursen sachte begann, ist im Verlauf der vergangenen 75 Jahre zu einem Weiterbildungsangebot in allen Facetten mutiert. Schulleiter Bruno Krucker dazu: «Ausbildungen mit Diplomabschluss sind noch heute wichtig, aber auch vielfältige branchenübergreifende Seminare und Firmenschulungen.»

Den eigentlichen Fokus richte man auf massgeschneiderte Ausbildung. «Und die ist immer auf betriebsnahe Umsetzung ausgerichtet», sagt Krucker. «Wir sprechen nicht nur Unternehmer und Kaderleute an, sondern stets auch Handwerker aller Altersstufen», betont er. Der Bürgenstock solle für Schreinerinnen und Schreiner eben ein Ort zum Auftanken von neuem Wissen oder zum Knüpfen vieler frischer Kontakte unter Berufskollegen sein. Ein Blick auf den aktuellen Betrieb belegt dies eindrücklich: An der Fachschule Bürgenstock bilden sich täglich zwischen 50 und 100 Leute weiter. Dies nebeneinander in Diplomausbildungen und Seminaren. Wer Schreinermeister werden will, bringt innerhalb von vier bis fünf Jahren jährlich vier bis fünf Wochen auf dem Bürgenstock zu. Dabei holt er sich Kompetenzen, die ihn zum Unternehmer machen. Das Team der Höheren Fachschule besteht aus zwölf Personen. Dazu kommen 250 Fachreferenten. Zusammen erteilen sie gegen 100000 Teilnehmerlektionen pro Jahr.

Das gute alte Handwerk in Ehren halten

Obwohl heute selbst der Schreiner an seinem Arbeitsplatz weitgehend ein gewiefter Computerfachmann ist, pflegt die HF Bürgenstock noch immer einen grossen Raum mit Maschinen, Werkzeugen und gar Hobelbänken. «Für den Einstieg in den Kurs», sagt der Urner Kursplaner Ywan Wyrsch. «Wer das Handwerk nicht beherrscht, weiss auch nicht, was er mit dem Computer fräsen muss.» Und so beobachtet man, wie angehende Meister – etwa Josef Portmann aus Salgesch oder Rico Steiner aus Ebnat-Kappel – von Hand aufwendige Teile für Möbel anfertigen. Beide absolvieren gerade jetzt den Schreinermeister-Lehrgang. In ihrer Freizeit und auf ihre Kosten. Beide mit demselben Ziel: Am Ende der Ausbildung möchten sie eigene Unternehmen führen und Lehrlinge auszubilden.

Weitere Infos zur Höheren Fachschule Bürgenstock und zum Jubiläum finden Sie online

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