Nidwaldner Regierung zweifelt an Wirkung der Entlastungsstrasse Stans West

Der Landrat soll das Projekt für die Umfahrung Stans West sistieren und vorerst das Gesamtverkehrskonzept abwarten.

Philipp Unterschütz
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Der Verkehr rund um den Kreisel Karliplatz sollte entlastet werden.

Der Verkehr rund um den Kreisel Karliplatz sollte entlastet werden.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 8. August 2019)

Die lange Geschichte einer Verkehrsentlastung in Stans wird um ein Kapitel reicher. Der Regierungsrat verschickte am Mittwoch die überraschende Mitteilung: «Regierungsrat von Wirkung der Entlastungsstrasse nicht überzeugt.» Die Kosten von fast 15 Millionen Franken und der Landverbrauch seien hoch, die Entlastungswirkung dagegen klein, argumentiert die Regierung. Der alleinige Nutzen einer Entlastungsstrasse Stans West werde vom Regierungsrat als zu tief eingestuft. Dazu hätten vertiefte Analysen und eine Gesamtabwägung der Vor- und Nachteile geführt.

Eine ziemliche Kehrtwende. Bis im Juni hatte Baudirektor Josef Niederberger immer wieder verkündet, dass der Nutzen sehr wohl da sei. Daran halte er grundsätzlich fest, sagt er jetzt auf Anfrage. «Es braucht aber auch flankierende Massnahmen. Und diese werden erst im kommenden Gesamtverkehrskonzept behandelt.»

Technischer Bericht sieht nur geringe Entlastung

Grundsätzlich kommt die Regierung dem Auftrag nach, den sie im Mai 2016 vom Landrat erhielt. Dieser hatte explizit ein Vorprojekt für die Umfahrungslinie Müller-Martini verlangt – ohne ein Studium weiterer Varianten. Dieses Vorprojekt hat die Baudirektion erarbeitet und im Juli 2018 aufgelegt. Dagegen gab es Einsprachen, die bis heute im Raum stehen. Insbesondere von der Gemeinde Stans. Die Regierung wird noch vor Ende Jahr das Projekt dem Landrat vorlegen, aber gleichzeitig beantragen, dieses zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter zu verfolgen.

Die Argumentation der Regierung in ihrem Bericht an den Landrat gibt letztlich der Einsprache der Gemeinde Stans recht. Diese hatte die Entlastungswirkung der Strasse in Frage gestellt. Die Regierung bezieht sich nun auf einen verkehrstechnischen Bericht vom Juni 2018. Danach betrage die Entlastungswirkung auf der Ennetmooser- und Stansstaderstrasse zwischen 10 und 25 Prozent und im Zentrum von Stans lediglich 5 Prozent. «Dies rechtfertigt im Endeffekt den grossen Landverbrauch und die voraussichtlichen Gesamtkosten von total 14,7 Millionen Franken nicht», lässt sich Josef Niederberger in der Mitteilung zitieren.

Der Nidwaldner Regierungsrat Josef Niederberger.

Der Nidwaldner Regierungsrat Josef Niederberger.

Falls der Landrat den Antrag der Regierung, das Projekt Stans West vorerst zu sistieren, annimmt, würde es bis nach Vorliegen des Gesamtverkehrskonzepts schubladisiert. Für diesen Fall hat der Baudirektor bereits Überlegungen angestellt. «Würde man im Gesamtverkehrskonzept zum Schluss kommen, dass es die Umfahrung braucht und man sie vorziehen kann, bin ich überzeugt, dass ich die Regierung im Frühling 2022 überzeugen kann, zum jetzt vorliegenden Projekt Ja zu sagen.»

Sollte der Nidwaldner Landrat sich gegen den Antrag der Regierung und für das Projekt entscheiden, würde er damit laut Niederberger nicht nur Linienführung und Regelquerschnitte genehmigen, sondern gleichzeitig auch die offenen Einwendungen abweisen. Die Baudirektion müsste dann mit den restlichen 340'000 Franken aus dem landrätlichen Planungskredit von 560'000 Franken das Bauprojekt planen.

Landräte erwarten Schiffbruch der Regierung

Ob sich die Regierung mit ihrem Antrag im Landrat durchsetzen kann, ist fraglich. Immerhin erreichte 2016 der Planungskredit und damit auch die Variante Müller-Martini eine Zweidrittelmehrheit im Landrat. «Ich bin überzeugt, dass eine Mehrheit der FDP und SVP die Westumfahrung jetzt durchziehen will», sagt Landrat Remo Zberg (FDP, Hergiswil). Zberg, der mit einer Motion das Gesamtverkehrskonzept erst ins Rollen brachte, ist selber der Meinung, dass Stans West jetzt realisiert und nicht weiter zugewartet werden sollte. «Ich wüsste nicht, was in diesem Fall das Gesamtverkehrskonzept anderes vorschlagen könnte.»

Markus Walker, Landrat SVP Ennetmoos.

Markus Walker, Landrat SVP Ennetmoos.

Enttäuscht vom Antrag der Regierung zeigt sich auch Landrat Markus Walker (SVP, Ennetmoos). Er hatte im Januar 2015 mit seiner Motion den Antrag eingereicht, eine Umfahrungsstrasse Stans West in Angriff zu nehmen. «Der Baudirektor hat seine Meinung jetzt um 180 Grad geändert und die Regierung ist eingeknickt vor der Einsprache des Gemeinderats Stans. Dabei geht es bei Stans West nicht nur um Stans, sondern um den ganzen Grossraum Stans, zu dem auch die Nachbargemeinden gehören.»

Markus Walker ist überzeugt, dass das vorliegende Projekt die richtige Linienführung und Entlastungswirkung hat und auch in 40 Jahren noch am rechten Ort ist. Der gescheiterte Stanser Teil-Einbahnversuch habe klar gezeigt, dass Verkehrsmodelle und Realität sehr weit auseinander liegen können. Für ein solches Zukunftsprojekt seien auch die Kosten von knapp 15 Millionen Franken gerechtfertigt. Walker nimmt ebenfalls an, dass die Mehrheit des Landrats sich für die Umsetzung des Projekts entscheidet. «Die Verkehrssituation im Grossraum Stans ist ein grosses Problem, das jetzt gelöst werden muss.» Auch er unterstütze das Gesamtverkehrskonzept. Es gebe keinen Grund, ein so wichtiges, fortgeschrittenes Projekt jetzt unnötig zu verzögern.

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