Kolumne

«Ich meinti»: Eine echte Herausforderung

Corona-Virus überall: Die Krankheit ist für alle eine Herausforderung. Jetzt ist Eigentverantwortung gefragt.

Karl Tschopp
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Karl Tschopp, Rechtsanwalt

Karl Tschopp, Rechtsanwalt

Es gibt bereits sehr viel zu lesen über die aktuellen dramatischen Umstände der rasanten Auswirkungen des Corona-Virus, dass Sie vielleicht gar keine Lust mehr haben, die folgenden Zeilen zu lesen. Ich kann das durchaus verstehen. Die Ausbreitung des Corona-Virus kommt denn auch deutlich näher und hat aktuell auch Nidwalden erreicht. Welches Virus kümmert sich denn schon um topografische Grenzen? Es ist nicht ganz einfach, sich mit den Umständen, die zurzeit herrschen so auseinanderzusetzen, dass man sich irgendwo zwischen völligem Verharmlosen und Heraufbeschwören einer globalen Katastrophe einordnen kann.

Das Corona-Virus legt zwischenzeitlich Italien lahm. Katastrophale Umstände im fast hoffnungslos überforderten Gesundheitswesen. Ausnahmezustand pur, wie im Krieg. Österreich schliesst die Grenzen zu Italien, Zugang haben nur noch Menschen mit ärztlichem Attest. Im Tessin herrscht Notstand und die ersten Grenzübergänge nach Italien sind geschlossen. Sie wissen es ja alle schon, die Medienberichte sind unübersehbar und man hat das ohnmächtige Gefühl, es werde von Tag zu Tag schlimmer und sowohl das ökonomische als auch das soziale Zusammenleben werden auf immer grössere Proben gestellt. Eine echte Herausforderung für alle Entscheidungsträger.

Richtig ist immer noch, dass «normale» Grippefälle zu mehr Todesfällen führen, als dieses Corona-Virus weltweit bisher angerichtet hat, wenn man den Statistiken Glauben schenken kann. Die Mortalität sei aber 10- bis 30-mal höher als bei üblicher Grippe. Das ist die Kehrseite der Medaille. Deshalb machen die zahlenmässigen Angaben aus Italien Angst und Bange. Italien hat sich abgeschottet und die Nachbarn um Italien herum versuchen, die Ausbreitung auf ihre Länder zu verhindern und die bisherigen inländischen Fälle zu isolieren. Alle Staaten, die relativ wenige Fälle zu verzeichnen haben, sagen von sich aus, dass sie über ein gut funktionierendes Gesundheitssystem verfügen und die angeordneten Massnahmen gut durchdacht seien. Eine echte Herausforderung für alle Entscheidungsträger.

Ich meinti, die Bevölkerung macht mit, Eigenverantwortung ist gefragt und Hygienemassnahmen sind selbstverständlich geworden. Das soziale Zusammenleben muss wohl oder übel eingeschränkt werden, Sport findet faktisch ohnehin nicht mehr statt. Was bleibt denn anderes übrig? Wo der Mensch selbst aktiv etwas beitragen kann, sei es privat oder am Arbeitsplatz, geht das ordentlich gut. Die medizinischen Befürchtungen der Menschen sind damit aber noch lange nicht aus dem Weg geräumt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ganze Wirtschaftszweige nicht mehr funktionieren dürfen, die Börse bachab geht und die Existenzängste grösser werden als die Ängste vor einer Ansteckung.

Eine echte Herausforderung für alle Menschen, die aufzeigt, wie zerbrechlich doch unsere Wohlfühlgesellschaft in Krisensituationen ist.