Kolumne
«Ich meinti»: Frauen auf Selbsterfahrung

Das erste Mal seit geraumer Zeit genoss unser «Ich meinti»-Kolumnist Christian Hug wieder einen Kaffee in einem Restaurant. Das emsige Treiben auf dem Dorfplatz ‒ vor allem jenes der fahrenden Frauen ‒ weckte alsbald sein Interesse.

Christian Hug
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Christian Hug, ist Journalist und wohnt in Stans

Christian Hug, ist Journalist und wohnt in Stans

Bild: PD

Vorgestern habe ich extra früher Feierabend gemacht, weil ich unbedingt in einer Beiz einen Kaffee trinken wollte. Die dürfen ja jetzt zumindest ihre Terrassen wieder öffnen, was mich als geselligen Auswärtstrinker riesig freut.

Da sass ich also in einer richtig echten Beiz in Stans mit einem richtig echten Beizenkaffee und meiner Liebsten, winkte allen freudig zu, die ich kannte, und manchen einfach so, ich war ganz überstellig vor lauter Glückseligkeit. Bloss dass erstaunlich viele Tische nicht besetzt waren, irritierte mich ein bisschen. Weil wenn da tatsächlich soooo viele Leute sind, die da lauthals nach Grundrechten schreien und ihre Bewegungsfreiheiten trotz tödlicher Pandemie einfordern, warum werden die Beizen jetzt nicht überrannt? Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls hatte ich von da, wo ich sass, einen herrlichen Überblick auf den Dorfplatz, weshalb ich aufmerksam das Kommen und Gehen von Autos und Menschen beobachtete. Das war toll, denn es war Feierabend, es herrschte ein regelrechtes Gewusel. Das sind wir uns seit den Lockdowns ja nicht mehr gewohnt.

Bemerkenswert fand ich, wie viele Frauen mit ihren Autos vorbeifuhren. Sie sassen meist alleine in ihren Kleinwagen, die wie Zweitautos aussahen, was mich zur Vermutung führte, dass sie grad von der Arbeit nach Hause kamen. Vielleicht, so dachte ich, folgen ihnen dann nach einer Stunde Überzeit die Männer in ihren Grosswagen nach. Zurzeit sassen die Herren meist noch in irgendwelchen Firmen-SUVs.

Irgendwann fiel mir auf, dass wesentlich mehr Frauen von rechts nach links fuhren als von links nach rechts. Also geografisch gesehen eher von Hergiswil kommend als von Dallenwil. Weil mir das sehr eigenartig vorkam, machte ich Strichlilisten, und tatsächlich: Die selbstfahrenden Frauen kommen von rechts! Meine Liebste fand das zwar irgendwie unglaubwürdig, aber es ist wahr. Sie können sich gerne selber vor Ort überzeugen.

Was will uns das bedeuten? Ich habe ehrlich gesagt nicht die leiseste Ahnung! Ich bin mir nicht mal sicher, ob man über diesen Umstand überhaupt diskutieren muss.

Ich bestellte noch einen zweiten Kaffee und winkte fleissig Fussgängern, Velo- und Autofahrern zu. Und natürlich sämtlichen -innen. Dann fuhr der Widmer Stephan mit seinem Firmenwagen vorbei, er ist der Chef der Blumen, die man in Wolfenschiessen und St.Jakob selber schneiden kann. Hinten auf seinem Camion steht geschrieben: «Die Tulpen-Saison findet statt!» Mit Ausrufezeichen. Und wo der Stephan recht hat, da hat er recht!