Kolumne
«Ich meinti»: Jeder Tag ist ein guter Tag

Rechtsanwalt Karl Tschopp aus Stans über gute und schlechte Tage.

Karl Tschopp
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Karl Tschopp. (Bild: PD)

Karl Tschopp. (Bild: PD)

Dieser Spruch hängt vielleicht auch bei Ihnen in der guten Stube irgendwo an einer Wand. Für das eigene Wohlbefinden ganz sicher eine gute Motivation, dies jeden Tag kurz zu lesen und daran zu glauben. Jeden Abend müsste man sich zwar fragen, ob dies für den vergangenen Tag zutreffend gewesen ist.

Der Leitsatz ist wirklich gut, Kontrolle hingegen wäre besser. Wann ist denn ein Tag «gut», und wann ist er «schlecht» im Sinne des Gegenteiles von «gut»? Nein, dieses Mal hat es nichts mit dem Wetter zu tun. Dieser Spruch ist ein Motto, das bei Buddhisten häufig zu hören ist und dem man gerne zustimmen möchte. Die immerwährende Frage dazu ist aber, ob dies die Beschreibung einer Tatsache ist, oder ob dieser Spruch einfach ein frommer Wunsch ist. Es gibt sie doch auch, die «schlechten Tage».

Wenn man so die aktuellen Medienberichte liest, und das sogar während des Sommerlochs, dann finde ich eigentlich fast gar nichts, das mich an einen guten Tag glauben lässt. Natürlich darf man nicht nur an sich selbst denken, denn mit Kopfweh kann es ja keinen guten Tag geben, oder wenn anderweitig die Gesundheit angeschlagen wäre, zwischenmenschliche Turbulenzen anstehen oder andere Sorgen einen bedrücken, ebenso nicht. Also schalten wir die persönliche Ebene aus. Jetzt verbleibt noch alles, was um uns herum passiert. Das macht es auch nicht einfacher, denn jeder Mensch reagiert wieder anders in derselben Situation.

Nur schon eine Schlagzeile bringt mannigfache Reaktionen: «In Stans fährt man im Uhrzeigersinn» ist das lokale Reizwort der Stunde. Und schon geht es los: Von Un- oder Blödsinn bis hin zu «Abwarten und mal schauen» gehen die Meinungen auseinander. Nur schon dieses «schöne» Beispiel zeigt auf, dass die Dinge also nicht «an sich» gut oder schlecht sind. Es sind wir Betroffenen selbst, die einer Situation jeweils Wert oder Unwert zuschreiben. Viel weiter weg von uns bestehen auch Probleme. Wenn die «dicken Sturen» der Weltpolitik wieder einmal wortgewaltig aufeinander losgehen oder in Hongkong überlegt wird, mit Gewalt gegen die Demonstranten vorzugehen, um damit den Abzug der Investoren und Firmen zu riskieren.

Der Wohlstand ist nicht nur dort in Gefahr, sondern vielleicht auch in Nidwalden, zum Beispiel wenn die Frage, ob der PC-21 inklusive Unterhalt Kriegswerkzeug ist oder nicht, unpassend beantwortet wird. Monetäre Interessen spielen sicherlich auch im Hintergrund des Aufstandes der Jugend im Rahmen der Klimadiskussion eine grosse Rolle.

Ich meinti, nicht jeder Tag ist ein guter Tag. Vielleicht benötigt es mehr Gelassenheit der Menschen, um allem Blödsinn dieser Welt, aber auch allem Tragischen, das passiert, angemessen zu begegnen. Viel zu oft wird sofort hyperventiliert und überhitzt ans Werk gegangen und es werden Massnahmen vorgeschlagen, die einen in Staunen versetzen. Gegen die Überhitzung schalte ich heute im Büro den Ventilator ein und schaue mal, ob heute ein guter Tag ist.

Karl Tschopp äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren in der Kolumne «Ich meinti» zu einem selbst gewählten Thema.