Ich meinti
Kein zoologischer Garten, dafür «Guets vo hie»

Kolumnist Herbert Huber macht sich so seine Gedanken über Insekten auf dem Teller und saisonalen Produkten in der Küche.

Herbert Huber
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Doch, ich mag im Grunde genommen alle Tiere. Aber nicht unbedingt auf dem Teller. Ich tue mich schwer mit Krokodilbraten und mit Känguru-Ragout. Und ein Antilopensteak würde ich partout nicht essen.

Und wie ist es mit den Insekten? In einer Fernsehsendung wurden Gäste gefilmt mit einer frittierten Heuschrecke im Mund. Man hörte es deutlich «chröspelen». Das eher etwas verklemmte «mmhhh» vermochte mich nicht ganz zu überzeugen. Zum Nachtisch gab’s dann sautierte Bienchen auf einem Honigspiegel mit einem Stückchen Bienenwabe! Was man den Gästen als Amuse-Gueule vorsetzte, will ich lieber nicht im Detail beschreiben. Auf jeden Fall krabbelten die winzigen Dinger noch, und sie sollen sehr proteinhaltig sein.

Trotzdem hat sich seit geraumer Zeit der Insektenhype etwas verlangsamt. Als mit Heuschrecken, Mehlwürmern und Grillen hergestellte Burger bei Grossverteilern in die Ladenregalen kamen, weckte das grosse Aufmerksamkeit. Unterdessen steht den Konsumenten eine breite Palette an Insektenprodukten zur Verfügung. Googeln unter «Essento». Von Keksen und Chips über Pasta und Burger. Angepriesen werden diese (verführerisch) mit ihren Nährstoffen (Proteinen), ihrem Geschmack und ihrer angeblichen Klimafreundlichkeit.

Doch ja, probiert habe ich diese krabbelnden Wesen und dies auch bildlich dokumentiert. Sonst kann man sich ja keine Meinung darüber bilden. Auf einem Markt in Khao Lak (Thailand) raffte ich mich zu einem Degustationsversuch auf. Mein Fazit: Diese Nahrung passt in dieses Land, weil die Einheimischen schon lange Insekten & Co. verzehren, vor allem der Proteinhaltigkeit wegen. Mir persönlich sind knusprige Zweifel-Chips dagegen eindeutig lieber.

Themenwechsel: Wie steht es eigentlich bei uns mit der Saison? Da locken nämlich in den Regalen mitten im Winter Spargeln und knallrote Erdbeeren, die um die halbe Welt gekarrt und geflogen wurden. Trauben müssen her, das ganze Jahr über, Tomaten sowieso. Und vieles mehr, das bei uns weit entfernt von Saison ist.

Wie freuten wir uns damals auf die ersten «Beeri» aus dem Garten. Mit «Niidle» von der Molkerei und nicht aus der Dose mit Zuckerzusatz. Wenn ich beim Grossverteiler in die voll beladenen «Chäreli» schaue, frage ich mich manchmal, wer diese Beutel und Dosen-Food überhaupt isst. Und andererseits, wenn ich schon am Motzen bin: Nichts gegen Bio, das belebt die Auswahl, aber man wird heute fast dazu gedrängt, nur noch Bio zu kaufen, das oft doppelt so teuer ist wie «normales» Gewachsenes?

Ich meinti: Man sollte sich im Schlaraffenland der Exotik vielleicht wieder einmal auf kulinarische Traditionen besinnen. Auf Saisonales. Auf Frisches. Auf Düfte. Oder bei einer Einkehr in ein Nidwaldner Restaurant wo «Guets vo hie» angeboten wird. Das Culinarium Alpinum in Stans entdecken, wo Regionalität und einheimische Kost ein freudvolles, originell präsentiertes Essvergnügen sein können. Jetzt ist ja auswärts essen wieder erlaubt, auch drinnen. Wohl bekomm’s!.

Herbert Huber, Koch, dipl. Hotelier und Buchautor aus Stansstad, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.