«Ich meinti»

Neulich vor dem Beck: Corona-Gejammer und Verschwörungstheorien

Unser Kolumnist trifft vor dem Beck auf eine Kollegin, die zur Verschwörungstheoretikerin geworden ist. Ihm ist nur eines klar: Das Virus wird nicht so schnell verschwinden.

Christian Hug
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Christian Hug

Christian Hug

Als ich letzthin Brot einkaufen ging, traf ich vor der Bäckerei eine Kollegin. «Wie geht’s?», fragte ich fröhlich. Die Kollegin blinzelte besorgt hinter ihrer Gesichtsmaske und augenblicklich folgte eine lange Litanei. Im Sinne von: «Hou, dieses doofe Virus – hou, ich bin so erschöpft von diesen einschränkenden Massnahmen – hou, gopf!» Und dann sagte sie: «Da kann doch irgendwas nicht stimmen mit diesem Corona. Da hat sicher irgendein Staat seine Finger im Spiel. Das ist doch ein abgekartetes Spiel.» «Uups», dachte ich, «jetzt wird’s verschwörerisch». Aber es kam noch dramatischer. Die Kollegin sagte: «Hou, und die Reichen werden immer reicher und die armen Leute stehen auf der Strasse und verhungern und der Bundesrat hat ja keine Ahnung und wir werden alle ausgebeutet.»

«Okay», sagte ich, «ich muss jetzt dringend ein Brot kaufen, tschüss, war schön, dich zu sehen».

Genau genommen fand ich es aber nicht wirklich schön, sie gesehen zu haben. Beziehungsweise: Ihr Gejammer über die Coronakrise war ja schon schlimm genug. Aber dass sie dann auch noch völlig zusammenhangslos irgendwelche Weltverschwörungstheorien nachplapperte, fand ich sehr bedenklich.

In der Bäckerei konnte ich mich gar nicht richtig auf das wunderbare Angebot von frischen Broten und süssen Versuchungen konzentrieren. Weil mir nämlich klar wurde, dass sich solche Begegnungen in den letzten Wochen gehäuft haben. Immer mehr Leute zweifeln am Ernst der Lage, sie stellen die Kompetenz unserer Fachleute in Frage, sie glauben wirres Zeug, das sie im Internet gesehen haben. Mutieren die jetzt alle zu Weltverschwörern? Und vor allem: Warum zweifeln die jetzt alle?

Im Grunde ist die Coronalage ja sehr einfach: Wir wissen erst sehr wenig über das Virus, dieser lästige Käfer überrascht uns immer wieder. Deshalb muss die Lage laufend neu beurteilt werden. Und im Beurteilen sind Fachkräfte ganz bestimmt besser als wir Laien. Deshalb tun wir gut daran, den Profis und dem Bundesrat zu vertrauen. Oder zumindest zu gehorchen. Denn das einzige, was wir ganz bestimmt wissen, ist, dass wir dieses Virus so schnell nicht wieder loswerden. Da nützt alles Jammern und Müdesein nichts. Und ja: Glaubt nichts, was ihr auf irgendwelchen dubiosen Seiten im Internet gelesen habt!

Die Dame hinter dem Tresen riss mich aus meinen Gedanken. «Was darf’s denn sein, Herr Hug?», fragte sie. «Oh», antwortete ich, «ich hätte gerne was Altbackenes, etwas Vertrautes». Die nette Dame gab mir dann ein grosses Paket Zwieback. «Das ist garantiert krisensicher», sagte sie.