Ich meinti
Wie kommt jetzt der Phoenix wieder aus der Asche?

Zu träge in Sachen Impfen, zu kompliziert bei der schnellen finanziellen Hilfe: Die Schweizer Regierung macht in den Augen von «Ich meinti»-Kolumnist Dolf Stockhausen nicht die beste Falle. Trotzdem ist er optimistisch, dass es vorerst zu keinem grossen Firmensterben kommt – zumindest in Nidwalden nicht.

Dolf Stockhausen
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Dolf Stockhausen.

Dolf Stockhausen.

Bild: PD

Während in Israel, Grossbritannien, in den Emiraten und auf den Seychellen erfolgreiche Impfkampagnen die Infektionsraten drücken, sucht man solche Erfolge in der Schweiz vergeblich. Während Ende letzter Woche Israel die Hitliste der Impfungen pro 100 Einwohner mit 78 anführte, lag die Schweiz mit 6,35 noch hinter Serbien, der Türkei und Rumänien auf dem 17. Platz.

«Die Schweizer Behörden sind zu träge», titelte Francesco Benini in dieser Zeitung. Daran, dass die Impfstoffe überall fehlen, ist vor allem die Zulassungsbehörde Swissmedic schuld, die bei Moderna bummelte und Astrazeneca gar nicht erst zuliess, obwohl auch deren Impfstoff zuverlässig schwere Verläufe verhindert. Sie muss sich doch fragen lassen, welchen Mehrwert für die Schweiz sie denn überhaupt stiftet, der ihre Existenz neben der European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam rechtfertigt. Hinzu kommen Knauserigkeit und Zögerlichkeit des Bundes bei der Impfstoffbestellung und auch bei der Bereitstellung von Tests, die bei der Eindämmung der Pandemie unerlässlich sind und erst jetzt tropfenweise erhältlich werden.

Der Kanton Nidwalden tut, was er kann, liegt mit etwa 12 Impfdosen pro 100 Einwohner weit vorne, und die Organisation klappt reibungslos. Aber gegen ständigen Impfstoffmangel ist auch er machtlos.

Der Bundesrat wird mitunter für Zurückhaltung beim Lockdown gelobt. Dennoch haben seine Bestimmungen mit den realen Ansteckungsgefahren nur zufällig etwas zu tun. Hier hätten empirische Studien wie die der Technischen Universität Berlin mehr Treffsicherheit gebracht. Die Gefahr mit Maske und Abstand im Konzertsaal liegt gerade bei der Hälfte des Risikos im Supermarkt, und beim Shopping und im Restaurant kaum darüber. Konzertverbote und Restaurantschliessungen erscheinen da eher willkürlich. Dass sich Nidwalden jetzt im Streit um die Restaurantterrassen widersetzt, ist ein Lichtblick.

In der 7-Tage-Inzidenz liegt Nidwalden zwischen 54 und 75 und damit unter dem Durchschnitt der Schweiz. In seinen produzierenden Unternehmen greifen die Sicherheitskonzepte. Und der Lebensmittelhandel profitiert von mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Aber die Veranstaltungsbranche, die Gaststätten, der Einzelhandel und die Reise- und Tourismusbranche sind schwer getroffen. Kurzarbeit ist eine wertvolle Hilfe, und das erste Hilfsprogramm hat zumindest vorübergehend Liquidität gebracht, aber für viele Unternehmen sind die Mieten kaum zu tragen. Dass der Bund hier keine Regelung fand, etwa eine Drittelung zwischen Vermieter, Mieter und Staat, ist ein weiteres Armutszeugnis.

Unmut erregt auch das zweite Hilfsprogramm. Im Gegensatz zum ersten ist es ein bürokratisches Monstrum mit komplizierten Bedürftigkeitsprüfungen und mehrstufigen Genehmigungsprozessen, durch die für manche Unternehmen Hilfe zu spät kommen könnte. Eine typische Ausgeburt der Bürokratie, die wirtschaftliche Notlagen allenfalls vom Formularblatt kennt.

Dennoch herrscht ein gewisser Optimismus, dass es nicht zu einem grossen Firmensterben kommen wird, weil die mittelständische Nidwaldner Wirtschaft (noch) solide finanziert ist. Auch gehen viele Betriebe energische Schritte zur Anpassung an die neue Situation, etwa durch veränderte Lieferwege, auch mit Hilfe der Nidwaldner Wirtschaftsförderung, durch Digitalisierung und vieles mehr. Ob das auch über den Tag hinaus reicht, um den durch die Pandemie dauerhaft veränderten Lebens-, Konsum- und Reisegewohnheiten Rechnung zu tragen, wird sich weisen.

Dolf Stockhausen, Unternehmer aus Hergiswil, äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.