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Der Stansstader Lauro Alves wurde im falschen Körper geboren

Seit einem Jahr weiss Lauro Alves, dass er transsexuell ist. Der Weg dahin war schwer, doch er hat erkannt, was es bedeutet, zur eigenen Identität zu stehen und das Leben zu leben, das ihn glücklich macht.
Carina Odermatt
Lauro Alves sitzt an seinem Lieblingsplatz, dem Quai in Stansstad. (Bild: Carina Odermatt (Stansstad, 11. September 2018))

Lauro Alves sitzt an seinem Lieblingsplatz, dem Quai in Stansstad. (Bild: Carina Odermatt (Stansstad, 11. September 2018))

«Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich zwei verschiedene Menschen: Ich sehe den Körper einer Frau und die Seele eines Mannes», so beschreibt Lauro Alves (35) die Diskrepanz zwischen seinem Aussehen und seiner gefühlten Identität, die er schon sein ganzes Leben spürt. «Nun bin ich bereit, in der Gesellschaft als das aufzutreten, was ich wirklich bin: ein Mann.»

Wer ihn heute auf der Strasse sieht, hat wohl keinen Zweifel an seiner Männlichkeit. Der Stansstader trägt eine lässige Kurzhaarfrisur, hat eine tiefe, rauchige Stimme, markante Augenbrauen und kaum Oberweite. Nur wer ihn von früher kennt, sieht die Veränderung, die er durchlaufen hat. Denn bis vor einem Jahr hat Alves noch versucht, seine Rolle als Frau zu spielen.

Aus dem Elternhaus geflüchtet

Bereits in der frühsten Kindheit hat Lauro Alves festgestellt, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Er wuchs als Laura Alves auf der portugiesischen Insel Madeira in einem kleinen, konservativen Dorf auf. «Ich habe gemerkt, dass ich nicht ich selbst bin, ohne zu wissen, woher dieses Gefühl stammt», erzählt er rückblickend. Er war immer mit Jungs unterwegs, war leidenschaftlicher Fussballer, baute gerne Hütten und hatte eine Abneigung gegen alles, was als typisch weiblich gilt. Wenn er zu Hause richtig wütend wurde, hat seine Mutter ihn intuitiv stets «Lauro» genannt.

In der Pubertät hat sich das Gefühl der falschen Identität noch verstärkt. Sein Essen warf Alves damals heimlich weg, in der Hoffnung, sein Körper würde dadurch keine weiblichen Formen annehmen.

Lauro Alves hat sich vor seinem Coming-out nie wohl gefühlt in der Rolle als Frau. (Bild: PD)

Lauro Alves hat sich vor seinem Coming-out nie wohl gefühlt in der Rolle als Frau. (Bild: PD)

Mit 18 Jahren hielt er die schwierigen Verhältnisse im Elternhaus nicht mehr aus. Die Flucht führte zuerst ins Militär und bald darauf in eine heterosexuelle Ehe, die nach fünf Jahren wieder zu Ende ging. «Ich habe mich immer in Frauen verliebt. Doch ich versuchte, dem Klischee zu entsprechen und ein Leben zu führen, wie man es von mir verlangte», erinnert sich Lauro Alves. «Ausserdem habe ich mir immer Kinder gewünscht.» Aus dieser Ehe stammt seine 15-jährige Tochter, mit der er vor zehn Jahren in die Schweiz einwanderte. Inzwischen arbeitet Alves als Pflegehelfer in einem Altersheim in Nidwalden mit dem nächsten Ziel, eine Lehre als Fachmann Gesundheit zu beginnen.

Bis vor gut einem Jahr hat Lauro Alves noch nicht gewusst, dass er mit seinem Problem nicht alleine ist. Das Wort «Transsexualität» war ihm unbekannt. Dann lernte er im Restaurant Winkelried in Stansstad die Transfrau Claudia Sabine Meier kennen, die selber 40 Jahre lang einen Kampf gegen ihren männlichen Körper geführt hat. «Durch die Begegnung mit ihr habe ich plötzlich erkannt, warum ich all die Jahre so gelitten habe. Ich wurde im falschen Körper geboren.»

Nach dieser Erkenntnis ging alles sehr schnell. Lauro Alves besuchte bald darauf eine Psychotherapeutin, wie es für den Prozess einer Geschlechtsangleichung unerlässlich ist. Sie diagnostizierte ihn nach wenigen Sitzungen als transsexuell, und im Dezember 2018 konnte Alves mit seiner Hormonersatztherapie, bei der dem Körper durch eine Spritze künstlich Testosteron zugefügt wird, beginnen.

«Zu Beginn fürchtete ich die gesellschaftlichen Folgen meines Coming-outs sehr», erinnert er sich. «Ich hatte Angst, alles zu verlieren, insbesondere meinen Arbeitsplatz und mein Umfeld.» Doch der Wunsch, die eigene Identität zu leben, war stärker.

Inzwischen geht es Lauro Alves besser denn je. Er fühlt sich selbstbewusster, kommunikativer und ausgeglichener. Er ist überrascht: «Am Anfang habe ich gedacht, auf meine Persönlichkeit hätte die Geschlechtsangleichung keinen Einfluss. Doch auch mein Charakter hat sich verändert, ich bin zielstrebiger und direkter geworden.»

Der Prozess geht weiter

An seinem Arbeitsplatz erfährt er volle Unterstützung, und seine Freunde akzeptieren seine Entscheidung. «Und meine Tochter liebt mich, egal wie ich aussehe. In der Öffentlichkeit nennt sie mich ‹Papi› und zu Hause ‹Mami›. Das ist eben auch Gewohnheit», erzählt Lauro Alves lachend.

Als nächster Schritt steht die offizielle Namensänderung an. Im Moment müsse er sich jedes Mal erklären, wenn er jemandem seine ID oder sein GA zeige, sagt Alves. Dann folgt, sobald er sich bereit fühlt, eine Brustentfernung. «Dann kann ich auch wieder in einer Badehose schwimmen gehen», freut er sich.

Ob er jedoch eine vollständige Genitalangleichung machen wolle, sei noch unklar, denn diese Operation birgt viele Risiken, besonders bei der Anpassung vom weiblichen zum männlichen Geschlecht. «Das ist mir schlussendlich aber nicht so wichtig. Denn was mich zum Mann macht, ist nicht das Geschlechtsorgan, sondern das Lebensgefühl, das Auftreten und die Stimme in meinem Herzen.»

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