Im Stanser Chäslager kommt «Voorigs» an

Lebensmittel, die nicht verkauft werden, landen im Abfall – meistens. Im Chäslager hingegen wird daraus ein Festmahl kreiert. Drei Jahre nach der Lancierung ist «Voorigs» für viele zum Dienstagsritual geworden.

Matthias Piazza
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Beim Projekt «Voorigs» verbessern viele Köche den Brei: Aus übrig gebliebenen Lebensmitteln werden Mahlzeiten zubereitet. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 22. September 2016))

Beim Projekt «Voorigs» verbessern viele Köche den Brei: Aus übrig gebliebenen Lebensmitteln werden Mahlzeiten zubereitet. (Bild: Romano Cuonz (Stans, 22. September 2016))

Am Dienstagabend geht es jeweils kulinarisch hoch zu und her im Stanser Chäslager. Es wird zusammen gekocht und gegessen. Das Spezielle an dem wöchentlichen Ritual sind vor allem die Zutaten. Der Biohof Wydacher in Oberdorf und der Bioladen Spycher in Stans liefern gratis Lebensmittel, die sie nicht mehr verkaufen können, weil sie zum Beispiel nicht mehr schön aussehen aber noch bedenkenlos geniessbar sind. Bevor das Essen auf den Tisch kommt, werden jeweils bei der Bäckerei Hug nach Ladenschluss nicht mehr verkaufte Backwaren abgeholt.

«Wir können mit unserem Projekt ganz direkt etwas gegen das verbreitete Wegwerfen von Lebensmitteln bewirken und ein Zeichen setzen», erklärt Lucia Oppermann, die zusammen mit Marlène Fretz und Erika Jaggi «Voorigs» leitet, die Idee dahinter. Gemäss dem Verein Foodwaste.ch geht rund ein Drittel der Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet.

Vom Kleinkind bis zum 80-Jährigen

Seit nunmehr drei Jahren bereiten im Stanser Chäslager zwei bis vier Freiwillige den Znacht zu, fast ausschliesslich mit Lebensmitteln, die sonst im Abfall landen würden, obwohl sie noch geniessbar sind. Der Gratis-Znacht komme an. Lucia Oppermann spricht von einer durchmischten Tischgemeinschaft. «Wir haben Gäste aus unterschiedlichsten Nationen und jeglichen Alters, vom Kleinkind bis zum 80-Jährigen.» Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad würden neben den Stammgästen auch immer mehr spontane Gäste vorbeischauen. «Natürlich spielen auch ideelle Motive eine Rolle, aber die Leute schätzen auch das Gesellige. Man geniesst gemeinsam ein feines Essen.» Für den Erfolg trage wohl auch die Unverbindlichkeit bei. «Man muss sich nicht anmelden, kann sich auch um zwei Minuten vor 19 Uhr noch dazu entschliessen, am Essen teilzunehmen», sagt Lucia Oppermann.

Das fordert die Kochmannschaft, die nie weiss, ob sie nun 5 oder 30 Gäste bewirten darf. Doch damit könne man umgehen. «Mit den Jahren haben wir ein Gespür entwickelt, in der ausreichenden Menge zu kochen. Übrig gebliebene Portionen geben wir den Gästen mit nach Hause» Auch wenn der Ansturm einmal grösser als erwartet sei, müsse niemand hungern. «Eine Gemüsesuppe mit Brot können wir immer auftischen»

Der Erfolg, auch dank des zentralen Standortes im Dorf, stimmt sie zuversichtlich, dass «Voorigs» zu einer langjährigen, nicht mehr wegzudenkenden Institution wird. Nur ein Wunsch hat sie: «Wir hätten gerne noch mehr Köche. Interessierte Köche können sich direkt über unsere Webseite melden. Wir freuen uns immer über neue Gesichter – beim Kochen wie auch beim Essen. Alle sind herzlich eingeladen.»

«Voorigs»: www.voorigs.ch