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Interview

Im «Chuchichäschtli» in Hergiswil ist es fast wie im Brocki

Allerlei Altertümliches ziert das neue Restaurant Chuchichäschtli in Hergiswil. Einzelne Stücke der Innendekoration stammen gar aus einem Museum. Der Wirt setzt ganz auf Altbewährtes.
David von Moos
Gastgeber im Restaurant Chuchichäschtli in Hergiswil sind Charles Wüest (links) und Nils Mauritz. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)Gastgeber im Restaurant Chuchichäschtli in Hergiswil sind Charles Wüest (links) und Nils Mauritz. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
Teamwork: Nils Mauritz (links) unterstützt seinen Partner Charles Wüest in allen Bereichen. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)Teamwork: Nils Mauritz (links) unterstützt seinen Partner Charles Wüest in allen Bereichen. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
Den rustikalen ehemaligen «Schlosskeller» im alten Brünig haben die neuen Gastgeber augenzwinkernd in «Irrenhaus» umbenannt: «Unser Lokal ist alles andere als normal.» (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)Den rustikalen ehemaligen «Schlosskeller» im alten Brünig haben die neuen Gastgeber augenzwinkernd in «Irrenhaus» umbenannt: «Unser Lokal ist alles andere als normal.» (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
«Wir fühlten uns von Anfang an wohl hier»: Wirt Charles Wüest (51) ist mit seinem «Chuchichäschtli» von Reussbühl nach Hergiswil gekommen, weil das alte Gasthaus an der Ruopigenstrasse 15 einem Neubau weichen muss. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)«Wir fühlten uns von Anfang an wohl hier»: Wirt Charles Wüest (51) ist mit seinem «Chuchichäschtli» von Reussbühl nach Hergiswil gekommen, weil das alte Gasthaus an der Ruopigenstrasse 15 einem Neubau weichen muss. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
Der Name ist Programm: Auch im neuen «Chuchichäschtli» ist alles rustikal – vom Teller bis zur Deko sollen sich die Gäste in Grossmutters Zeiten wähnen. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)Der Name ist Programm: Auch im neuen «Chuchichäschtli» ist alles rustikal – vom Teller bis zur Deko sollen sich die Gäste in Grossmutters Zeiten wähnen. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
Nils Mauritz (47) hilft als Co-Gastgeber im Service mit und erledigt die Einkäufe. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)Nils Mauritz (47) hilft als Co-Gastgeber im Service mit und erledigt die Einkäufe. (Bild: Corinne Glanzmann, Hergiswil, 24. September 2019)
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Fast wie im Brocki: Zu Gast im neuen Restaurant Chuchichäschtli in Hergiswil

Im Hergiswiler Brünig tut sich wieder etwas. Wir betreten das Restaurant an einem Nachmittag kurz vor 15 Uhr. Auf der Terrasse nimmt ein letzter Gast noch eine Mahlzeit zu sich. Ansonsten ist es ruhig im Lokal. An der Wand hängen allerlei Sachen von früher. In der Luft hängt noch der Duft der Mittagessen, die kurz zuvor noch aufgetischt worden waren. Wirt Charles Wüest (51) und sein Partner Nils Mauritz (47) nehmen Platz, um über ihren Start im Lopperdorf zu erzählen.


Seit Juni 2019 ist das Chuchichäschtli im ehemaligen Hotel-Restaurant Brünig in Hergiswil offen. Wie ist der Betrieb angelaufen?

Charles Wüest: Erstaunlich gut. Wir konnten schon viele Hergiswiler bei uns begrüssen. Was uns besonders freut: Ein grosser Teil unserer bisherigen Stammgäste im Chuchichäschtli in Reussbühl ist uns hierher gefolgt. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man an einem anderen Ort neu anfängt. Unser vorheriges Lokal in Reussbühl mussten wir verlassen, weil das alte Gasthaus einer Überbauung weichen muss. Bei der Suche nach einer neuen Bleibe für unsere Beiz wurden wir hier in Hergiswil fündig. Die Räumlichkeiten haben uns angesprochen und wir fühlten uns von Anfang an wohl hier.

Was ist in Hergiswil anders als vorher?

Wir haben von Anfang an mehr Essen serviert als in Reussbühl. Da trifft es sich gut, dass wir nun eine grössere Küche haben als vorher. In Hergiswil scheint der Appetit also grösser zu sein (lacht). Allerdings – so zumindest bis jetzt der Eindruck – sind die Hergiswiler keine «Party-Füdle». Von den bisher eingegebenen Verlängerungen machten sie bis jetzt noch nicht gross Gebrauch.

Apropos Party, welches Zielpublikum sprechen Sie mit dem neuen Chuchichäschtli an?

Wir wollen ein Ort sein für Jung und Alt. Alle sollen sich bei uns willkommen und wohl fühlen. So, wie das in einer richtigen Beiz halt eben so ist.

«Chuchichäschtli, das ist die gute alte Schweizer Küche, serviert in einer guten alten Gaststube, vollgepackt mit Gegenständen und Erinnerungen von früher. Leute, die genau das schätzen, wird es bei uns gefallen.»

Warum eigentlich der Name Chuchichäschtli?

Schon das Ur-Chuchichäschtli beim alten Hotel Flora in Luzern war ein Platz für alle, wo sich jede und jeder willkommen fühlte, von morgens früh bis abends spät warm essen und auch mal auf den Putz hauen konnte. Dafür war das Lokal bekannt. Auch bei uns soll immer etwas laufen. Deshalb haben wir auch immer offen – mit durchgehender Küche von 11 bis 23 Uhr.

Zuletzt war das im Brünig gar nicht so einfach. Es gab in kurzer Zeit viele Wechsel. Der vorherige Pächter hörte mit seiner Pizzeria noch vor der Eröffnung wieder auf. Wie lautet ihr Erfolgsrezept? Was machen Sie, um erfolgreicher zu sein als Ihre Vorgänger im Haus?

Wir wollen anders sein. Nicht ohne Grund hängt über dem Eingang zum alten Schlosskeller ein «Irrenhaus»-Schild. Unser Lokal ist alles andere als normal (lacht). Das geht vom Angebot über die Preise bis zur Innenausstattung.

Auf der Speisekarte finden sich etwa eine Militärkäseschnitte, Gehacktes mit Hörnli aus der Gamelle und wortwörtlich eine Extrawurst.

Die Ernst-Zgraggen-Wurst kommt direkt vom benachbarten Darmhändler, der diese nach einem Rezept seines Grossvaters zubereitet. Auf diese Extrawurst sind wir stolz, sie steht nicht nur für eine solide Küche mit ausgewählten Produkten aus der Region, sondern auch für das Miteinander, das wir in unserer Beiz pflegen wollen.

Aber ja, mit Essen und Trinken ist es in unserer Branche noch nicht getan. Die Gastronomie ist ein hartes Pflaster, das kennen wir aus eigener Erfahrung und das sind wir uns auch nach über drei Jahren Chuchichäschtli in Reussbühl noch bewusst. Die Startbedingungen waren auch dort nicht ganz einfach, als wir aus der verruchten Liberty-Bar ein gemütliches Heimetli gemacht haben. Das hat funktioniert und an unserem Konzept wollen wir deshalb nichts ändern. Wenn wir uns auch hier Mühe geben, wird das auch hier wieder funktionieren. Klar, ein Neuanfang und dazu noch an einem anderen Ort ist schwierig. Man merkt auch, dass nach den vielen Wechseln im Brünig ein gewisses Misstrauen da ist. Aber wir sind auf gutem Wege. Das zeigen auch die vielen positiven Rückmeldungen, die wir bekommen. Das neue Chuchichäschtli kommt gut an – und das notabene ohne grosse Werbung. Und zwischen dem Pächter und uns stimmt die Chemie, auch das ist wichtig.

Welche Beziehung pflegen Sie eigentlich zur Gemeinde Hergiswil und zum Kanton Nidwalden?

Bis zu unserem Neustart hier keine. Wir sind sozusagen gestrandet hier mit unserem Chuchichäschtli. Und wurden herzlich aufgenommen. Wohnen tun wir zwar noch in Horw, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Uns gefällt es in Hergiswil jedenfalls ganz gut. Auf den ersten Blick war alles ein bisschen anonym hier. Aber wenn man die Leute erst mal kennenlernt, fühlt man sich schon richtig zuhause.

Sie haben sieben Tage in der Woche von morgens bis halb eins nachts geöffnet, Preise, die auch auf dem Land keine Selbstverständlichkeit mehr sind (Mittagsmenu ab 15.50 Franken), ausserdem gibt’s ab und zu Livemusik. Wie schaffen Sie das?

Es muss einfach! Wir sind Wirte, keine Angestellte. Wir müssen um jeden einzelnen Gast kämpfen, wenn wir Erfolg haben wollen. Da steckt enorm viel Herzblut drin. Und wir sind überzeugt, dass der Gast das merkt. Ausserdem sind wir ja nicht alleine: In der Küche setzen sich drei und im Service mit Aushilfen insgesamt sechs Leute für das Wohl unserer Gäste ein.

Themawechsel: In der Region kennt man Sie nicht nur als Wirt, sondern auch als Eigentümer und Betreiber des inzwischen geschlossenen Militärmuseums. Verraten Sie uns, wie es damit weitergeht? Auf ihrer Internetseite finden sich dazu verschiedene Angaben.

Im Moment lasse ich das mit dem Museum mal ruhen. Seit der Schliessung ist die ganze Sammlung eingelagert. Momentan zählt einzig und allein das Restaurant. Vom Museum muss ich mal etwas Abstand nehmen. Einzelne Stücke finden vielleicht mal den Weg ins Chuchichäschtli.


Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten zeigen sich die Pläne des neuen Wirtepaars. Aus dem vorderen grösseren Teil des Saals wird demnächst ein Rauchersalon mit Bar, hinter der Trennwand fliegen die Dartpfeile. Wüest selbst mischelt in der überschaubaren Szene mit, auch ein Teil der Innerschweizer Dartmeisterschaft soll im Haus stattfinden. «Säle gibt es in Hergiswil genug, warum soll ich aus unserem hier nicht etwas anderes machen?», meint Charles Wüest, der die Lehre als Kellner im Hotel Palace Luzern gemacht hat.

Er zählt sogleich auf, welche Anlässe und Feste er hier und im ganzen Restaurant durchführen möchte. «Ländler, Jazz, Rock’n’Roll, Musik und Tanz», für alle soll etwas dabei sein. Zunächst komme jetzt dann aber ein Oktoberfest. Und dann Halloween. Bevor er an Weihnachten das Chuchichäschtli in neuen Glanz erstrahlen lasse.

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