In Stans fährt man schon bald im Uhrzeigersinn

Ab Donnerstag um 5 Uhr ist das Einbahnsystem im Nidwaldner Hauptort Realität. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Versuchsbetrieb.

Matthias Piazza
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Ab Donnerstag dürfen die Autos hier beim Karli-Kreisel nicht mehr in Richtung Dorfzentrum fahren. Bild: Dominik Wunderli (Stans, 24. Juli 2019)

Ab Donnerstag dürfen die Autos hier beim Karli-Kreisel nicht mehr in Richtung Dorfzentrum fahren. Bild: Dominik Wunderli (Stans, 24. Juli 2019)

Wie sieht die neue Verkehrsführung in Zukunft genau aus?

Auf der Robert-Durrer-Strasse nach der Einfahrt ins Parkhaus der Nidwaldner Kantonalbank bis zur Einfahrt zum Bahnhof Stans (Tottikonstrasse) gilt für Autos, Töffs, Lastwagen und Postautos Einbahnverkehr in Richtung Bahnhof. Auf der Stansstaderstrasse zwischen Dorfplatz und Karli-Kreisel fliesst der motorisierte Verkehr nur in Richtung Stansstad.

Warum fliesst der Einbahnverkehr im Uhrzeigersinn?

Damit wird das «Tellenegg», einer der verkehrstechnisch sensibelsten Bereiche im Stanser Dorf, entlastet. Zudem läuft die Zufahrt zum Bahnhof für die Postautos weiterhin über die Robert-Durrer-Strasse. Dies ist vor allem für die Fahrplanstabilität relevant. Neben der Einfahrt zum öffentlichen Parkhaus ist das Postauto auch ein Grund, warum die Einbahnsignalisation bei der Robert-Durrer-Strasse nicht schon ab der Verzweigung Buochserstrasse beim Coop gilt. Auch die Postautos, die von Ennetbürgen und Buochs kommen, können so den Bahnhof wie bisher direkt über die Robert-Durrer-Strasse anfahren.

Warum will die Gemeinde diesen Einbahnbetrieb testen?

«Ein attraktives Verkehrsnetz ist ein wichtiger Bestandteil einer hohen Lebens- und Wohnqualität einer Gemeinde und einer ganzen Region», sagt Gemeinderätin Sarah Odermatt. Stans habe hier noch Optimierungspotenzial, dies habe sich in Bevölkerungsumfragen der letzten Jahre und insbesondere rund um die geplante Sanierung der Robert-Durrer-Strasse gezeigt. Daher soll noch vor dieser Sanierung eine mögliche zukünftige Verkehrsführung ausprobiert werden. Dafür haben die Stanser an der Gemeindeversammlung im vergangenen November mit fast 70 Prozent einem Kredit über 125000 Franken zugestimmt.

Wann startet der Versuchsbetrieb?

Ursprünglich hätte der einjährige Versuch bereits Mitte Juli starten sollen. Drei Beschwerden verzögerten die Einführung. Nun startet der Versuch am Donnerstag, 8. August, 5 Uhr. Ab Montag werden Markierungs- und Signalisationsarbeiten durchgeführt, was zu Verkehrsbehinderungen führen kann.

Worum ging es bei den drei Beschwerden?

In den drei Beschwerden wurden unter anderem ein anderer Versuchsablauf mit kürzeren Einbahnabschnitten oder eine durchgängig im Gegenverkehr befahrbare Robert-Durrer-Strasse gefordert. Im Gespräch mit den Beschwerdeführenden konnte laut Sarah Odermatt aufgezeigt werden, dass der Versuch für die Gemeinde und den ganzen Kanton wichtig ist. Die aus dem Versuch resultierenden Erkenntnisse bilden die Grundlage für die kommenden Strassenerneuerungen. Dies anerkannten die Beschwerdeführer. Sie zogen die Beschwerden zurück.

Was ändert sich für die Fussgänger?

«Alle, die zu Fuss unterwegs sind, haben im Moment auf der Stansstaderstrasse mitten im Stanser Dorf einen schweren Stand», sagt Sarah Odermatt. Dort gibt es auf zwei Abschnitten Trottoirs, die nur 70 Zentimeter breit sind. Das ist unangenehm und insbesondere für Kinder ein Sicherheitsrisiko. Auch für das Kreuzen von zwei Fussgängern reicht der bestehende Platz nicht aus. Daher werden die Trottoirs auf der Stanserhornseite der Strasse mit einer provisorischen Markierung auf 1,5 Meter, die Mindestbreite für Trottoirs, verbreitert.

Was ändert sich für Velofahrer?

Sie können sich auf den Stanser Strassen wie gewohnt bewegen. Auch auf den beiden neuen Einbahnabschnitten dürfen Velofahrer weiterhin in beide Richtungen fahren. Auf der Gegenverkehrsspur wird ein 1,8 Meter breiter Velostreifen markiert. Die Velofahrer, die in Fahrtrichtung des motorisierten Verkehrs unterwegs sind, teilen sich die Fahrspur wie gewohnt mit Autofahrern.

Was ändert für die Postautos?

Die Haltestelle Kantonalbank in Fahrtrichtung Länderpark und Stansstad wird verschoben. Diese Postautos halten während des Versuchs nicht mehr bei der Kantonalbank, sondern an der Stansstaderstrasse vor dem NKB-Kreisel an. In Fahrtrichtung Stans Bahnhof halten sie wie gewohnt an der bestehenden Haltestelle Kantonalbank. Die Postautos der Linie Stans–Sarnen via Ennetmoos und Kerns fahren vom Bahnhof Stans ohne Halt zum Kantonsspital Nidwalden. Die bei der Kreuzung Robert-Durrer-Strasse/Buochserstrasse installierte Pförtneranlage erhält eine Busbevorzugung. Die Auswirkungen der geänderten Linienführung für den Postautobetrieb und insbesondere die Fahrplanstabilität der Kurse sind Bestandteil des Versuchsbetriebs.

Was heisst das für Notfallfahrzeuge?

Diese haben im Strassenverkehr immer eine Sonderstellung. Sind sie mit Blaulicht und Martinshorn im Einsatz, sind alle anderen Personen verpflichtet, ihnen den Vortritt zu lassen, und sie dürfen mit der nötigen Vorsicht Einbahnabschnitte auch in Gegenrichtung befahren. Die Stansstaderstrasse ist im Versuchsbetrieb für Notfallfahrzeuge speziell signalisiert. Das kommt daher, dass diese Strasse insbesondere für den Rettungsdienst Nidwalden wichtig ist. Die vom Kantonsspital herkommenden Ambulanzfahrzeuge sollen den Notfallort schnell erreichen und die Stansstaderstrasse ist hierfür die Hauptzufahrt ins Engelbergertal.

Wie wird der Verkehrsfluss bei den Kreiseln und Strassenkreuzungen gewährleistet?

Dies wird in der Anfangsphase besonders gut beobachtet. Bei Bedarf werden Massnahmen ergriffen. Bei der Kreuzung Buochserstrasse-/Robert-Durrer-Strasse wird schon zu Beginn eine Pförtneranlage installiert, die sich bei starkem Verkehrsaufkommen einschaltet. Staut sich der Verkehr auf der Robert-Durrer-Strasse, schaltet die Ampel für den von Buochs herkommenden Verkehr auf Rot und ermöglicht so das Einbiegen von der Robert-Durrer- in die Buochser- und Bahnhofstrasse.

Im Juni wurden flächendeckende Verkehrsmessungen auf den Haupt- und Nebenstrassen in Stans durchgeführt. Was will man damit?

Sie sind darauf ausgelegt, die Veränderungen während des Versuchsbetriebs zu erfassen und zu dokumentieren. Nach Beginn des Versuchs werden die Verkehrsströme erneut gemessen und mit den früheren Ergebnissen verglichen. Darüber wird der Gemeinderat während des Versuchs informieren.

Wie wird das Einbahnsystem durchgesetzt?

Die Signalisation ist genau gleich wie jede andere Strassensignalisation zu beachten und es gelten die gleichen Regelungen. Da das Umgewöhnen in der Anfangsphase erfahrungsgemäss nicht einfach ist, hilft in den ersten Tagen ein Verkehrsdienst mit, den Verkehr im Dorf zu regeln. Nach einer Angewöhnungszeit wird gemäss Lorenz Muhmenthaler, Chef der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei, kontrolliert und allenfalls gebüsst. Wer eine Einbahn missachtet, riskiert eine Ordnungsbusse von 100 Franken.

Wie wird Schleichverkehr, etwa über die Nägeligasse, verhindert?

Der Verkehr auf allen Nebenstrassen wird gemäss Sarah Odermatt beobachtet. Zeigen sich negative Auswirkungen, werden Massnahmen geprüft, um die Verkehrsteilnehmer auf die Hauptverkehrsachsen zu leiten. Die Nägeligasse ist ein Spezialfall: Ab September wird der mittlere Abschnitt der Strasse während gut zehn Monaten erneuert, die Strasse ist daher für den Durchgangsverkehr gesperrt. Bewährt sich der Versuchsbetrieb, wird nach Abschluss der Strassenerneuerung die Situation weiter beobachtet.

Was bedeutet der Versuch für die geplante Sanierung der Robert-Durrer-Strasse?

Die Strasse samt den darunter liegenden Werkleitungen ist sanierungsbedürftig. Die Gemeindeversammlung hat im November 2017 für die Planung der Erneuerung 530000 Franken beschlossen. Das daraufhin ausgearbeitete Vorprojekt konnte unter den bestehenden Rahmenbedingungen den Bedürfnissen der Verkehrsteilnehmer nicht gerecht werden. Der Gemeinderat hat das Projekt darum vorerst sistiert. Mit dem nun anlaufenden Versuchsbetrieb sollen die Möglichkeiten für ein attraktives Verkehrsnetz im Dorf ausgelotet werden. Nach dessen Abschluss wird die Planung mit den neuen Erkenntnissen wieder aufgenommen und das Bauprojekt ausgearbeitet. Die weitere Ausarbeitung des Bauprojekts ist Bestandteil des Planungskredits vom vergangenen November.

Wird der Versuchsbetrieb unter allen Umständen durchgezogen?

«Nein», sagt Sarah Odermatt. «Wenn der Verkehr nicht mehr fliesst, ist niemandem geholfen. Während der einjährigen Versuchsphase kann der Versuch aufgrund von laufenden Erkenntnissen angepasst oder, falls nötig, abgebrochen werden.»

Was, wenn die Erfahrungen positiv ausfallen?

Wenn sie positiv sind, die Akzeptanz der Bevölkerung gegeben ist und das kantonale Amt für Mobilität und die Kantonspolizei diese Beurteilung ebenfalls teilen, wird der Gemeinderat beim Kanton die definitive Einführung der Signalisation beantragen und das Projekt für die Erneuerung der Robert-Durrer-Strasse wieder aufnehmen.

Wann ist die neue Verkehrsführung erfolgreich?

«Die neue Verkehrsführung ist dann erfolgreich, wenn sie für eine Mehrheit zu einer Verbesserung führt», sagt Gemeinderätin Sarah Odermatt. Zu Beginn des kommenden Jahres ist dazu eine Bevölkerungsbefragung geplant. Das Projekt wird fachlich von einem erfahrenen Verkehrsplanungsbüro begleitet.