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Inder sorgen für Schrecksekunde am Bahnhof Stans

Aufregung diese Woche am Bahnhof Stans. Der Zug Engelberg-Luzern ist schon abgefahren, da wollen ein paar Bahnpassagiere noch aussteigen – und öffnen die Tür. Möglich ist dies wegen des angejahrten Rollmaterials.
Matthias Piazza
Die Ersatzkomposition der Zentralbahn kurz vor dem Zwischenfall bei der Einfahrt in den Bahnhof Stans. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 19. Juni 2018))

Die Ersatzkomposition der Zentralbahn kurz vor dem Zwischenfall bei der Einfahrt in den Bahnhof Stans. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 19. Juni 2018))

Bahnhof Stans am vergangenen Montagabend. Es ist schon nach 19.34 Uhr – Zeit zur Abfahrt des Interregios Engelberg-Luzern. Der Zug wird von der Zugbegleiterin abgefertigt, die Türen werden verriegelt. Soweit nimmt eigentlich alles seinen gewohnten Lauf. Doch unmittelbar nach der Abfahrt wird eine Tür des Zugs von innen aufgestossen. Eine Gruppe indischer Touristen beginnt auszusteigen, weil sie glaubt, in Luzern angekommen zu sein. Der Lokführer muss einen Sicherheitshalt einlegen. Nach einer Schrecksekunde – auch für die umstehenden Zugpassagiere – kann der Sachverhalt geklärt werden. Die Inder steigen wieder in den Zug und setzen ihre Reise nach Luzern fort.

Thomas Keiser, Mediensprecher der Zentralbahn, bestreitet auf Anfrage erst, dass ein Zug bei offener Türe fahren kann. Doch dann bestätigt er nach weiteren Nachfragen, dass der Lokführer wenige Sekunden nach der Abfahrt einen sogenannten Sicherheitshalt eingelegt und richtig gehandelt habe. «Er bemerkte, dass einige Fahrgäste noch einsteigen wollten, nachdem die Zugführerin den Zug abgefertigt und den Abfahrtsbefehl erteilt hatte.» Den Vorfall habe der Lokführer vorschriftsgemäss dem Vorgesetzten gemeldet.

Ein Problem der angejahrten Wagen

Stellt sich die Frage, warum sich eine Tür eines fahrenden Zuges öffnen lässt. Die Antwort liegt im Rollmaterial begründet. Am Montagabend kam zwischen Engelberg und Luzern eine Ersatzkomposition mit rund 40-jährigen Wagen zum Einsatz. «Zwar wurden sie in den 2000er-Jahren modernisiert und mit einem automatischen Türschliessungssystem ausgerüstet. Doch lassen sich die Türen aufdrücken, wobei ein Mechanismus ein Öffnen während der Fahrt grundsätzlich verhindert», klärt Thomas Keiser auf. Das Problem sollte aber in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören. Die Zentralbahn beabsichtigt, diese angejahrten Wagen demnächst durch moderne Züge ersetzen.

Bei modernem Rollmaterial besteht das Problem nicht

Christoph Kupper, Bereichsleiter Bahnen und Schiffe bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), hatte gestern keine Kenntnis von diesem Vorfall. Eine Meldung an die Sust sei jedoch auch nur bei Schwerverletzten, Toten oder bei Sachschäden nötig. Die Stelle ist zuständig für die Untersuchung von Bahn-, Seilbahn-, Flug- und Schiffsunfällen. Abfahren bei offener Tür sei bei modernen Zügen nicht möglich, wegen der Abfahrtssperre, sagt Kupper. «Bei älterem Rollmaterial fehlt aber eine solche Sperre. Das heisst, das System verhindert dann nicht eine Abfahrt des Zuges bei geöffneter Tür.»

Bei der Abfahrt eines Zuges müsse der Lokführer die genaue Zeit und die Signale beachten, die Türen schliessen und die Rückmeldung der geschlossenen Türen feststellen sowie in Kontakt mit dem Zugführer sein und den Zug im Rückspiegel behalten. «Gut möglich, dass nach Inbewegungsetzen des Zuges jemand die Türe wieder geöffnet hat», vermutet auch er. Dank dem Blick in den Rückspiegel habe der Lokführer aber die offene Tür bemerkt und den Zug rechtzeitig anhalten können.

In den vergangenen zwei Jahren seien ihm nur zwei solcher Vorfälle bekannt, nicht nur, weil die Sust nicht immer davon Kenntnis bekomme, sondern auch, weil immer moderneres Rollmaterial mit höherem Sicherheitsstandard unterwegs sei.

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