Indische Luftwaffe kauft 75 Trainingsflugzeuge

Für den Stanser Flugzeugbauer Pilatus laufen die Geschäfte derzeit gut. Ein Deal mit Saudi-Arabien über 55 Maschinen steht kurz vor dem Abschluss. Und die indische Luftwaffe bestellt 75 Trainingsflugzeuge des Typs PC-7 Mk II.

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Solche Trainingsflugzeuge des TYps PC 7 MK II kauft die indische Luftwaffe. (Bild: PD)

Solche Trainingsflugzeuge des TYps PC 7 MK II kauft die indische Luftwaffe. (Bild: PD)

Solche Trainingsflugzeuge des TYps PC 7 MK II kauft die indische Luftwaffe. (Bild: PD)

Solche Trainingsflugzeuge des TYps PC 7 MK II kauft die indische Luftwaffe. (Bild: PD)

Der Vertrag mit einem Volumen von gut 500 Millionen Franken wurde am Donnerstag in Indien unterzeichnet. Nach Angaben von Pilatus umfasst er neben den Flugzeugen Simulatoren sowie Ausrüstung für den Unterhalt. Der PC-7 Mk II habe sich nach einer gründlichen Evaluation durch die indische Luftwaffe gegen harte Konkurrenz durchgesetzt, schreibt Pilatus.

Bei dem Flugzeugtyp wurden der Rumpf und die Elektronik der PC-9 mit der Propellerturbine der PC-7 kombiniert, um die Unterhaltskosten zu senken. Die Auslieferung soll gegen Ende 2012 beginnen. Für den Unterhalt der Flugzeuge in Indien wird Hindustan Aeronautics Limited verantwortlich sein.

Option für 30 Maschinen

Zu den 75 Maschinen hinzu hat die indische Luftwaffe einen Optionsvertrag für 30 weitere Flugzeuge unterzeichnet. Im Gegenzug hat sich Pilatus zu Kompensationsgeschäften in Indien über 30 Prozent der Vertragssumme verpflichtet.

Pilatus beziehe bereits heute Ingenieurleistungen in Indien, sagte Pilatus-Chef Oscar Schwenk auf Anfrage. Zudem benötige die indische Luftwaffe insgesamt 200 Trainingsflugzeuge. Würden zusätzliche Maschinen bei Pilatus bestellt, würden diese dann wohl in Indien gebaut, sagte Schwenk.

In Endverhandlungen

Er bestätigte zudem, dass sich Pilatus in Endverhandlungen mit Saudi-Arabien über die Lieferung von 55 PC-21-Trainingsflugzeugen befindet. Details dazu wollte Schwenk noch nicht bekannt geben. Er hofft aber, dass der Vertrag in den nächsten Tagen unterzeichnet werden kann.

Die Royal Saudi Air Force ist eine der grössten Luftwaffen in der ganzen Region. Sie verfügt bereits über 47 PC-9-Trainingsflugzeuge, die in den 1990er-Jahren im Auftrag von British Aerospace geliefert worden waren. Auch die neue Bestellung läuft über das Rüstungsunternehmen, das heute BAE Systems heisst: Die PC-21 sind Teil eines Pakets, das auch 22 BAE Hawk-Trainingsflugzeuge umfasst.

Kritik an Flugzeug-Deal

Die Kritik am Flugzeug-Deal mit Saudi-Arabien liess nicht auf sich warten: Die Grünen und die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) verlangten am Donnerstag vom Bundesrat umgehend, das Geschäft zu stoppen. Sie erinnerten an die schlechte Menschenrechtslage in dem Land und die Einsätze der saudischen Armee gegen Demonstranten in Bahrain und im Jemen.

Der Bundesrat selber hatte wegen der Menschenrechtslage Kriegsmaterial-Exporte nach Saudi-Arabien 2009 gestoppt. Sofern Pilatus-Trainingsflugzeuge in der Schweiz weder bewaffnet noch für die Waffenaufnahme vorbereitet werden, gelten sie jedoch nicht als Kriegsmaterial. Die Bedingungen des Güterkontrollgesetzes für den Export sind wesentlich weniger streng.

«Wir verlangen eine sogenannte Endverwendungserklärung des Empfängers, in der festgehalten ist, dass die Flugzeuge für die Pilotenausbildung verwendet werden», sagte Simon Plüss, Leiter des Ressorts Exportkontrollen/Kriegsmaterial beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), der sda.

Für Adi Feller, Vorstandsmitglied der GSoA, sind diese Erklärungen «das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind». Er verweist auf Kampfeinsätze von Pilatus-Flugzeugen in Darfur, Mexiko, Nordirak oder Burma - meist gegen Zivilisten.

Ein Export nach Saudi-Arabien beurteilt Feller als besonders problematisch. Zwar habe das Land eine Luftwaffe mit hochmodernen Kampfflugzeugen. Gerade für die Aufstandsbekämpfung seien diese schnellen Jets aber ungeeignet. «Für den Einsatz gegen grössere Menschenmengen braucht es langsamere Flugzeuge», sagte Feller.

Missbrauch unwahrscheinlich

Diese Überlegungen hat man sich auch im SECO gemacht. Entschieden wird am Schluss aufgrund einer so genannten Plausibilitätsprüfung, wie Plüss sagte. Saudi-Arabien habe eine der grössten Luftwaffen der Region, die auch über Kampfhelikopter verfüge. Dass die Pilatus- Flugzeuge zur Aufstandsbekämpfung umgebaut würden, wird im SECO darum als höchst unwahrscheinlich beurteilt.

Zumal dies nach Angaben von Plüss nur mit viel Aufwand möglich ist. Er erinnert daran, dass bisher noch nie ein PC-21 zweckentfremdet worden sei. Die Komplexität von Elektronik und Avionik mache dies schwierig. Zudem erschwere es die Aerodynamik des Flugzeugs, zusätzliches Gerät unter den Flügeln oder am Rumpf anzubringen.

Aus diesen Gründen hat das SECO nach Angaben von Plüss das Ausfuhrgesuch Ende April bewilligt, im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen von EDA und VBS.

sda