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Indisches Horn wird in Stans zu Brillen

Heute lernen Optiker nicht mehr, Brillen zu fertigen. Michael Hofer macht als einer von ganz wenigen seiner Branche in der Schweiz seine eigenen Modelle. Damit erfüllt er sich einen Traum.
Marion Wannemacher
Optiker Michael Hofer beim Feilen eines Horngestells. (Bild Marion Wannemacher (Stans, 26. Juli 2018))

Optiker Michael Hofer beim Feilen eines Horngestells. (Bild Marion Wannemacher (Stans, 26. Juli 2018))

Wer heute zum Optiker geht und eine Brille braucht, kauft meistens eine aus dem Programm des Geschäfts, gefertigt vom Hersteller. Optiker lernen heutzutage standardmässig nicht mehr, selbst Brillen zu fertigen. Das war früher anders. Michael Hofer hat in seiner Ausbildung Anfang der Neunziger selbst noch eine Brille gefertigt. «Die war jedoch aus ganz einfachem Material, aus Kunststoff.» Zufälligerweise lernte der Sohn vom Nachbarn den gleichen Beruf und durfte eine Brille aus echtem Horn herstellen. Die hatte es Hofer angetan.

«Horn ist warm in den Fingern und wenn man eine Hornbrille anzieht, ist sie wie ein Schuh, der passt. Der Tragekomfort ist sehr hoch», schwärmt er. Selbst trägt er natürlich auch eine Hornbrille, aus eigener Hand gefertigt.

Spezielle Weiterbildung im süddeutschen Franken

Auf der Optikermesse in München vor zwei Jahren stiess Hofer auf das Angebot für Optiker, den Hornbrillenbau zu erlernen. Er ging in die süddeutsche Region Franken, um in einer Woche Eins-zu-Eins-Betreuung zu lernen, wie man eine Hornbrille anfertigt.

«Zunächst war das sehr technisch», erinnert sich Hofer. Wenn er schildert, wie er seine Brillenmodelle am Computer designt und dieses Design in einzelnen Schritten auf die CNC-Maschine überträgt, wird schnell klar, warum. «Jede einzelne Fräsbahn muss angelegt werden», erklärt der 49-Jährige das Liniengewirr auf dem Bildschirm innerhalb der Umrisse des Gestells. Aus der 16 mal 6 Zentimeter grossen Platte, die 8 Millimeter stark ist, wird der Rohling gefräst. Er erscheint völlig flach. «Dieser muss nun von Hand abgerundet werden. Das dauert am längsten am ganzen Herstellungsprozess. Am Ende muss die Oberfläche glatt und ohne Feilspuren, Riefen und Kratzer sein», erklärt Michael Hofer.

Insgesamt ein halbes Jahr brauchte es vom Prototyp zum verkaufsfertigen Modell. Eigentlich ist es schon ein Kunsthandwerk, bei dem exaktes Arbeiten auf Bruchteilen von Millimetern, ein sehr gutes Augenmass und viel Geduld gefragt sind. Acht bis neun Stunden braucht Hofer für eine Brille, die er als Geschäftsinhaber aus Zeitgründen nicht am Stück bearbeiten kann.

Material sorgt für Überraschungen

Das edle Material Wasserbüffelhorn und die Handarbeit haben ihren Preis: Rund 1000 Franken kostet eine solche Brille. Jede Brille ist ein Unikat, denn das Horn fällt farblich unterschiedlich aus. «Selbst für mich ist es eine Überraschung, wie es herauskommt», erklärt Hofer. Was antwortet der Optiker bewussten Kunden im Hinblick auf den Naturschutz? «Wir beziehen das Horn aus Indien. Dort sind die Wasserbüffel Arbeitstiere. Dafür mussten keine Tiere sterben», ist er überzeugt.

Die meisten seiner Kunden schätzten am Nidwaldner Produkt den Tragekomfort und die Leichtigkeit der Gestelle, die ausserdem allergiefrei seien, und zeigten sich begeistert, erzählt Hofer. Sein Geschäft City Optik befindet sich in der Nähe der Stanserhorn-Bahn, seine Brillen-Linie nennt er schlicht und mit Augenzwinkern «Stanser Horn». Jedes Modell hat einen Namen von hier: «Muigg» für Murmeltier, «Akèrraad» für akurat oder «Aichoor» für Eichhörnchen.

Die Zielgruppe liegt beim anspruchsvollen Brillenträger, der bereit ist, für ein wertiges Produkt auch tiefer in die Tasche zu langen. Insgesamt 20 Brillen hat Michael Hofer bislang verkauft. Seine eigene Designlinie ist kein Standbein, eher eine Nische. «Eigentlich ist es mehr ein Hobby», sagt er.

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