Insieme Unterwalden unterwegs auf dem Töff und im Seitenwagen

Nach Monaten ohne Freizeitanlässe organisierte Insieme Unterwalden einen Ausflug für Menschen mit einer Beeinträchtigung: Auf dem Töff oder im Seitenwagen ging es auf eine Rundtour.

Irene Infanger
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Monika Zumbühl hat es sich im Seitenwagen von René Winkelmanns Goldwing bequem gemacht.

Monika Zumbühl hat es sich im Seitenwagen von René Winkelmanns Goldwing bequem gemacht.

Bild: Irene Infanger (Stans, 25. September 2020)

Laute Musik erklingt aus der schwarzen Goldwing von René Winkelmann. Sitzheizung, Klimaanlage, Airbag, der Maschine fehlt es an nichts. «Wie ein kleiner Mercedes», lacht Winkelmann nicht ohne Stolz. Im Seitenwagen nebenan hat es sich Monika Zumbühl bequem gemacht, der Helm sitzt, wie auch die hochgezogene Wolldecke – sie sorgt für zusätzliche Wärme an diesem herbstlichen Samstag. Das Duo ist parat und wartet geduldig, bis es um 10.30 Uhr endlich losgeht.

Während Monika Zumbühl schon mehrere Male an diesem von der Insieme Unterwalden organisierten Töffausflug teilnahm, ist Fahrer René Winkelmann zum ersten Mal dabei. Der Schwarzenberger engagiert sich aber seit Jahren bei Love Ride – einer jährlich stattfindenden Benefizveranstaltung von Bikern zu Gunsten muskelerkrankter und behinderter Menschen. «Als ich angefragt wurde, war für mich schnell klar, dass ich das mache. Die Menschen mit einer Beeinträchtigung freuen sich dermassen über diese Abwechslung, dafür komme ich gerne einen Tag hierher», erklärt der Schwarzenberger und ist überzeugt: «Irgendwie kommt alles wieder zurück, auch wenn ich nichts erwarte.»

Auf dem Trike von Josi Niederberger geht es Richtung Alpnach.

Auf dem Trike von Josi Niederberger geht es Richtung Alpnach.

Bild: Irene Infanger (Stans, 25. September 2020)

Der erste Freizeitanlass seit dem Lockdown

Dass dieser Anlass für beide Seiten ein Geben und Nehmen ist, davon ist auch Iris Flüeler überzeugt, die Präsidentin von Insieme Unterwalden. Der Verein führt den Anlass schon seit vielen Jahren durch, zusammen mit vielen freiwilligen Seitenwagen- und Töfffahrern aus Ob- und Nidwalden und mit finanzieller Unterstützung der Raiffeisenbank Obwalden. Insgesamt 23 Fahrer sorgten dafür, dass am vergangenen Samstag 26 Menschen mit einer Beeinträchtigung den Ausflug nach Alpnach unter die Räder nehmen konnten. Nach einer gut einstündigen Fahrt ging es an die Wärme, wo es ein feines Mittagessen gab. Danach durften diejenigen, die wollten, noch die eine oder andere Fahrt rund um Alpnach machen, während der ganze Tross sich schliesslich gegen 15 Uhr wieder im Weidli in Stans einfand.

Coronabedingt fielen in den vergangenen Wochen zahlreiche Anlässe von Insieme Unterwalden ins Wasser. Ganze drei Monate mussten die Klienten drinbleiben. «Für uns war deshalb klar, wenn irgendwie möglich wollten wir diesen Ausflug durchziehen», so die Präsidentin.

Seit Jahren immer im gleichen Töff unterwegs

Dass das Wetter just an diesem Tag kehrte und es windig und kalt war, das tat der Freude keinen Abbruch: «Wir sind ja geschützt, was will man mehr?», sagt Monika Zumbühl mit einem breiten Lachen. Sie sitzt geduldig in «ihrer» Goldwing und wartet, bis es losgeht. Auf die Frage, was an diesem Ausflug so toll ist, antwortet sie: «Es gibt einem einfach ein gutes Gefühl.»

Los geht die Fahrt nach Alpnach. Ein Töff nach dem anderen macht sich auf den Weg.

Los geht die Fahrt nach Alpnach. Ein Töff nach dem anderen macht sich auf den Weg.

Bild: Irene Infanger (Stans, 25. September 2020)

Direkt hinter ihr stehen drei weitere auffällige Gefährte, sogenannte Trikes. «Vor fünf Jahren hat mich Käru Abächerli angefragt, ob ich mitmachen wolle. Das ist doch eine super Sache, deshalb stehe ich nun gleich mit drei Gefährten hier», sagt Josi Niederberger aus Hergiswil und zeigt auf die weiteren Dreiräder. Die sind allesamt schon besetzt, wie auch der Seitenwagen von Fredi Mathis. Ein alter Bekannter hat Platz genommen. «Gäll Reto, du kommst wieder mit mir?», fragte Mathis kurz vorher. «Natürlich» lautete die Antwort von Reto Reiser und schon sitzt er im gelben Seitenwagen, der Helm aufgesetzt. Schon viele Male ist er genau mit diesem Töff und dem dazugehörenden Fahrer unterwegs gewesen. Ob er denn keine Angst habe? «Nein, sicher nicht», die deutliche Antwort. Fahrer Fredi Mathis aus Stansstad fügt mit einem Schmunzeln an: «Nur wenn ich den Wagen in der Kurve in die Luft hebe, wird es ihm etwas ungeheuer», meint er mit einem Schmunzeln. Er kennt seinen Mitfahrer mittlerweile gut und weiss, wo die Schmerzgrenze liegt. Seit 20 Jahren nämlich engagiert sich der Töfffahrer in seiner Freizeit für solche Anlässe. «Es ist einfach eine tolle Sache. Und wer weiss, vielleicht bin ich irgendeinmal auch froh, wenn ich mal mit jemandem mitfahren kann», sagt er und setzt sich ebenfalls auf den Töff. Und schon geht die Fahrt Richtung Alpnach los.

Unterwegs im Seitenwagen nach Alpnach.

Unterwegs im Seitenwagen nach Alpnach.

Bild: Irene Infanger (Stans, 25. September 2020)