Interview
Nidwaldner Steueramtsleiter Raphael Hemmerle: «Über 90 Prozent haben ihre Steuererklärung elektronisch eingereicht»

Schon zum zweiten Mal können die Nidwaldner ihre Steuererklärung mit E-Tax ausfüllen. Raphael Hemmerle, Leiter des Steueramts Nidwalden, ist von der webbasierten Lösung überzeugt – auch wenn diese zu Beginn nicht überall auf Akzeptanz stiess.

Matthias Piazza
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Raphael Hemmerle, Leiter des Steueramts Nidwalden.

Raphael Hemmerle, Leiter des Steueramts Nidwalden.

Bild: PD

Wie ist das zweite E-Tax-Jahr gestartet?

Raphael Hemmerle: Sehr gut. Im vergangenen Jahr haben über 90 Prozent der Nidwaldner ihre Steuererklärung elektronisch eingereicht. Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen. Dieses Jahr dürfte der Wert nach den ersten Erfahrungen mindestens so hoch sein. Für eine genauere Auswertung ist es allerdings noch zu früh, da das Schreiben zur Steuererklärung mit dem Aktivierungscode erst in der zweiten Februarwoche im Briefkasten lag und erst 1500 der rund 28'000 Steuererklärungen schon eingetroffen sind.

Es gab bei der Einführung im vergangenen Jahr viel Kritik: Das Programm sei nicht benutzerfreundlich, unübersichtlich, kompliziert. Was haben Sie bisher unternommen?

Wir haben die Kritiken und Rückmeldungen ernst genommen und analysiert, eliminierten technische Kinderkrankheiten und vereinfachten beispielsweise das Deklarieren von Geschäftswertschriften. Die Übernahme der Daten aus der letztjährigen Steuererklärung klappt jetzt auch problemlos, da die letztjährigen Daten ja auch auf E-Tax basieren. Gewöhnungsbedürftig war für viele Steuerpflichtige auch die Umstellung von der Formular- auf die kachelförmige Anordnung. Auch damit finden sich immer mehr Anwender zurecht.

Wie ist die Resonanz im Jahr zwei von E-Tax?

Vor einem Jahr, als E-Tax neu eingeführt wurde, wurden wir mit Anfragen stark eingedeckt. Dieses Jahr ist es bisher deutlich ruhiger. Was ich immer wieder höre: Leute mit sehr umfangreichen Wertschriftenbeilagen finden das digitale Erfassen mit der App mühsam. Ihnen empfehlen wir, die Daten digital aus dem E-Banking zu holen. Alternativ können sie uns bei sehr umfangreichen Wertschriftenverzeichnissen die Belege auch per Post zustellen.

Angepriesen bei E-Tax wurde ja die Möglichkeit, die Steuererklärung von jedem mobilen Endgerät auszufüllen, auch vom Smartphone aus. Wird das geschätzt?

Aus Datenschutzgründen erheben wir nicht, welche Geräte die Leute für ihre Steuererklärung benutzen. Ich kann mir aber gut vorstellen, die jüngere Generation oder Steuerpflichtige mit einfachen finanziellen Verhältnissen ihre Steuererklärung ganz mit dem Smartphone oder dem iPad ausfüllen können.

Bezeichnen Sie die Umstellung auf E-Tax als Erfolg?

Ja, wir erhalten viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Aber es ist zu beachten, dass wir mehr als 28'000 Steuerkunden mit unterschiedlichen Bedürfnissen haben. Wir können nicht jedem Steuerkunden eine massgeschneiderte Lösung bieten. Zudem ist das Schweizer Steuersystem sehr kompliziert und es gibt unzählige Konstellationen, die in der Steuererklärung abgebildet werden müssen.

Man muss keine Software mehr herunterladen

680'000 Franken hatte der Landrat im September 2018 für E-Tax und das Steuerportal bewilligt. Mit der Umsetzung war die Ringler-Informatik AG beauftragt. Das Baarer Unternehmen, das sich als einziges um den Auftrag beworben hatte, hat auch Obwalden ins papierlose Steuerzeitalter geführt. Gleichzeitig mit Nidwalden hat auch Solothurn auf E-Tax gewechselt. Schwyz hat dieses Jahr auf die webbasierte Steuererklärung umgestellt. 

Im Gegensatz zur Vorgängerversion NW-Tax kann man bei E-Tax mit jedem Gerät mit Internetzugang die Steuererklärung ausfüllen; egal, ob PC, Tablet oder Smartphone. Eine Software muss nicht mehr heruntergeladen werden. Anstelle der Formular-Eingabemasken treten nach Themen gegliederte Assistenten auf, welche durch die Fragen führen und auf Abzüge hinweisen. Wegen der Datensicherheit durchlaufen die Anwender eine Zwei-Faktor-Authentifizierung mit SMS-Code, um sich anzumelden. 

Neu kann man beim Steuerportal E-Tax Einblick in das Steuerkonto nehmen und den aktuellen Saldo, aber auch Zahlungen und Umbuchungen für die jeweilige Steuerperiode einsehen. Zudem wird der Zugriff auf Dokumente wie Steuerverfügungen oder Rechnungen gewährt. Erstmals haben die Nidwaldner zusammen mit den Aktivierungsschreiben einen Einzahlungsschein für die Kantons- und Gemeindesteuern erhalten. Damit kann man neu das ganze Jahr über Vorauszahlungen leisten, die mit 0,1 Prozent verzinst werden. Die provisorische Steuerrechnung ist nach einer Revision des Steuergesetzes neu per 31. Dezember fällig – nicht mehr wie bis anhin in zwei Raten per 31. Juli und 30. November. (map)