Interview
Warum wird keine vierte Reinigungsstufe für die Abwasserreinigung in Buochs eingeplant?

Die Pläne für die Sanierung der ARA Aumühle lösten Fragen bei den Bürgern aus. Verbandspräsident Adolf Scherl erklärt.

Matthias Piazza
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Adolf Scherl, Präsident des Abwasserverbands Aumühle.

Adolf Scherl, Präsident des Abwasserverbands Aumühle.

Bild: PD

Für 7,1 Millionen Franken soll die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Aumühle in Buochs saniert und erweitert werden, dies um dem Bevölkerungswachstum im Einzugsgebiet (Buochs, Ennetbürgen, Beckenried und Emmetten) Rechnung zu tragen. Im Wesentlichen soll das Biologiebecken vergrössert werden. Dort sind Milliarden von Mikroorganismen am Werk, welche die Schmutzfracht abbauen (wir berichteten). Bis auf Ennetbürgen, welche am 13. Juni an der Urne über den Gemeindeanteil befindet, haben die anderen drei Gemeinden ihrem Anteil an ihren Gemeindeversammlungen bereits zugestimmt – allerdings nicht ohne kritische Fragen. Adolf Scherl, Präsident des Abwasserverbands Aumühle und Buochser Gemeinderat, nimmt Stellung.

Die ARA Aumühle in Buochs.

Die ARA Aumühle in Buochs.

Bild: Urs Hanhart (6. Mai 2021)

Verschiedentlich tauchte in der Bevölkerung, auch ausserhalb des Einzugsgebiets, die Frage auf, warum in der ARA Aumühle keine vierte Reinigungsstufe eingeplant wird, welche Mikroverunreinigungen wie Medikamente oder hormonaktive Stoffe, beispielsweise Antibabypille, herausfiltern kann. Warum verzichten Sie auf diese vierte Stufe?

Adolf Scherl: Anlagen mit einem Einzugsgebiet von mehr als 24'000 Einwohnern im Einzugsgebiet von Seen müssen solche organischen Spurenstoffe eliminieren. Zudem auch Anlagen ab 8000 Einwohnern, die das gereinigte Abwasser in einen Fluss oder Bach einleiten, mit einem Anteil von mehr als 10 Prozent solcher Spurenstoffe. So steht es im Gewässerschutzgesetz. Für die ARA Aumühle ist damit diese Reinigungsstufe noch nicht vorgesehen.

Und warum haben Sie sie nicht «freiwillig» eingeplant?

Der Bund zieht pro angeschlossenen Einwohner einen Beitrag von neun Franken ein. Damit wird der Einbau dieser vierten Stufe bei den ersten 100 Anlagen subventioniert, welche vom Bund bis 2035 dazu verpflichtet wurden. Die ARA Aumühle gehört nicht dazu. Würden wir vor 2035 aufrüsten, könnten wir darum von diesem Topf nicht profitieren. Die Abklärungen mit dem Amt für Umwelt Nidwalden ergab, dass für die ARA Aumühle aktuell keine Forderung für diese Elimination besteht. Das macht Sinn bei einer ARA, welche Abwasser von Spitälern oder Chemieverarbeitern reinigen muss. Dies trifft auf die ARA Rotzwinkel in Stans zu, mit dem Abwasser des Spitals Nidwalden. Auch die ARA Sarneraatal in Alpnach, die auch das Abwasser des Kantonsspitals Obwalden reinigt, muss bis 2035 diese vierte Reinigungsstufe einbauen. Auch weil die Technologie neu ist, macht es für uns Sinn, zuzuwarten. Bei Bedarf können wir später jederzeit nachrüsten.