Ist drin, was man erwartet?

Redaktor Philipp Unterschütz macht sich in seinem «Blitzlicht» Gedanken über den Lobbyismus.

Philipp Unterschütz
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Philipp Unterschütz. (Bild: Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz. (Bild: Corinne Glanzmann)

Dass in der Berner Zungenwurst, die seit wenigen Tagen die Schutzbezeichnung IGP tragen darf, keine Zunge drin ist, hat gar nichts mit Irreführung zu tun. Der etwas ungeschickte Name für die Brühwurst kommt daher, weil die Berner Metzger einst für die Patrizier eine Wurst machen mussten, die auf der Zunge zergehen sollte.

Nun käme es mir natürlich nie in den Sinn, Politiker mit Würsten zu vergleichen. Aber eine Parallele gibt es doch: das «Milizparlament». Wie dieser Name sagt, sollten hier doch Parlamentarier drin sein, die das Amt als Nebenjob ausüben und sonst einem Beruf ausserhalb des Politbetriebs nachgehen. Und immerhin erhalten Nationalräte zwischen 130'000 bis 150'000 Franken pro Jahr.

Doch vielen ist das zu wenig. Deshalb lassen sie sich von Firmen, Organisationen und wer sonst noch so zahlt, einspannen. «Wes’ Brot ich ess, des’ Lied ich sing», heisst es doch so schön. Und die leidige Geschichte mit den Krankenkassenprämien zeigt, wohin das dann führt. Wir obligatorisch Zahlenden sind die einzigen, die keine Lobby haben. Und die deshalb einfach immer mehr zahlen, während mögliche Lösungen von den Interessensvertretern blockiert werden.

Und Parteien wehren sich dagegen, Transparenz über ihre Finanzierung zu schaffen. Da steckt doch auch nicht die Offenheit und Ehrlichkeit drin, die vorgegeben wird.

Der Unterschied zur Berner Zungenwurst: Die ist auch bekömmlich, wenn der Inhalt anders als erwartet ist.