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Kolumne

Jahr der Wespe

Franziska Ledergerber erzählt in ihrem «Ich meinti» über eine kleine Odyssee nach Wespenstichen.

2018 ist das Jahr der Wespe. Überall, wo im Freien Lebensmittel angeboten oder konsumiert werden, sind diese lästigen Biester anzutreffen. In Gartenrestaurants, an Marktständen, bei der Weinlese oder auf dem eigenen Balkon. Die Grundlage für dieses Wespenhoch legte bereits der April, es war der heisseste seit Messbeginn und die Schafskälte im Juni, die in anderen Jahren die Wespenpopulation dezimierte, konnte ihr nichts anhaben. Im Gegensatz zu den Bienen verhalten sich Wespen häufig aggressiv und stechen spontan.

Franziska Ledergerber. (Bild: Corinne Glanzmann)

Franziska Ledergerber. (Bild: Corinne Glanzmann)

So auch an einem heissen Augusttag in den Sommerferien im Tessin, als sich mein Mann aufmachte, hinter unserer Loggia das wuchernde Gestrüpp aus Efeu, Ästen und Dornenranken auszulichten. Plötzlich hörte ich einen Schrei, unmittelbar danach sprintete er hinter der Mauer hervor, gefolgt von Wespen. Eine hing noch in seinem T-Shirt. Am ganzen Körper zählten wir daraufhin zwölf Stiche. Es juckte ihn überall und ein Ausschlag breitete sich über Arme und Rücken aus.

Sogleich stiegen wir ins Auto und suchten die Apotheke im Nachbardorf auf. Diese befindet sich unten in der Ebene, gleich bei einem Kreisel. Im oberen Stock im selben Gebäude ist eine Arztpraxis eingemietet. Wunderbar, dachten wir, sehr praktisch. Falls es die Apothekerin als nötig erachten würde, müssten wir für eine weitere ärztliche Versorgung nur einen Stock höher steigen.

Leider sei dies nicht möglich, versicherte sie uns sogleich bedauernd, denn die Praxis schliesse jeweils um drei Uhr nachmittags. Es war bereits vier Uhr, deshalb orderte sie eine Ambulanz, die fünfzehn Minuten später eintraf. Beim Einbiegen in den Kreisel erscholl noch drei Mal kräftig das Martinshorn. Mein armer, inzwischen an Hals und Oberlippe stark geschwollener Freund stieg ins grüne Ambulanzfahrzeug, wo er von drei Sanitätern auf einem Schragen liegend betreut wurde. Der Vierte kontaktierte die umliegenden Spitäler.

Die Apothekerin und ich standen draussen neben dem Ambulanzfahrzeug. Ich sagte Augen zwinkernd, dass mein Gatte mit seinem geschwollenen Mund und dem dicken Hals langsam aussähe wie «Homer Simpson». Auf ihren Lippen formte sich ein gequältes Lächeln. Entweder kannte sie Homer Simpson aus der amerikanischen Zeichentrickserie nicht oder sie fand meine Bemerkung nicht lustig.

«Moncucco», sagte schliesslich der telefonierende Sanitäter, ein Spital in Lugano. Dort würden sie ihn hinfahren. «Moncucchetto?», fragte ich. Jetzt lächelte die Apothekerin, denn Moncucchetto ist ein Weingut, das qualitativ hochstehende Weine keltert. Die Kellerei liegt hoch über Lugano mit Blick auf den Lago di Muzzano. Für dieses Mal ging es aber nicht zum Weingut, sondern direkt ins Spital. Am späten Abend traf ich den Patienten im Bett liegend, gespickt mit Infusionsnadeln, gewappnet für den Fall eines allergischen Schockes. Anderntags, als ich ihn wieder abholte, begaben wir uns in die nahe gelegene Kellerei Moncucchetto und kauften für die Apothekerin eine gute Flasche Merlot.

Einen Schock erlitt mein Angetrauter allerdings etwas später, als er die Rechnungen erblickte. «War dieser Aufwand wirklich nötig?», fragten wir uns. «Ein Ambulanzfahrzeug mit vier Sanitätern, Ärztinnen und Pflegepersonal plus Zimmerbelegung für eine Nacht?». Eine Hausarztpraxis, sofern geöffnet (!), wäre doch für solche Fälle bestens ausgerüstet und würde unser Gesundheitswesen finanziell wesentlich weniger belasten.

Franziska Ledergerber, Hausfrau und ausgebildete Lehrerin, Hergiswil, äussert sich in der Kolumne Ich meinti abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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