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Jahrhunderte altes Handwerk lebt in Emmetten neu auf

Diesen Samstag zeigen die Bewohner von zwei privaten Wohnhäusern in Emmetten die Kunst des alten Holzbau-Handwerks: Die Wohnhäuser mit den Baujahren 1687 und 1789 wurden nach altem Wissen und Können saniert.
Christian Hug
In Emmetten wurden zwei sehr alte Häuser fachgerecht restauriert. Originale Wände von 1687 sind im Wohnhaus Hugenstrasse 15 harmonisch in die neu gebauten Bereiche integriert. (Bild: PD)

In Emmetten wurden zwei sehr alte Häuser fachgerecht restauriert. Originale Wände von 1687 sind im Wohnhaus Hugenstrasse 15 harmonisch in die neu gebauten Bereiche integriert. (Bild: PD)

Zuerst musste Stefan Amstad sichergehen, dass das Wohnhaus, in dem seine Grosseltern gelebt hatten, in guter Verfassung ist. Immerhin wurde das Gebäude auf der Liegenschaft Berggrind an der Hugenstrasse 15, direkt neben dem Pausenplatz des Schulhauses in Emmetten, bereits 1687 erbaut. Es ist heute 330 Jahre alt, doppelt so alt wie unser Bundesstaat. Die Bausubstanz erwies sich erfreulicherweise als beinahe einwandfrei. Und Stefan Amstad beschloss, das Haus zu sanieren und mit seiner Familie einzuziehen.

«Es wäre auch eine Variante gewesen, das Haus abzureissen und neu zu bauen», erzählt der Bauherr, «aber ich wollte, dass es in seiner Substanz erhalten bleibt und seinen einzigartigen Charakter behält. Der Umbau sollte deshalb stilgerecht nach alter Bauweise erfolgen, genau so, wie man vor 300 Jahren Wohnhäuser gebaut hat; aus unbehandeltem Holz.» Amstad schaute sich einige frisch renovierte Holzhäuser in der Umgebung an und kam bald auf die Firma A&L Holzbau in Dallenwil.

Inhaber und Geschäftsführer der Firma ist Ruedi Arnold, wenn man so will ein Visionär in Sachen Tradition und Innovation im Nidwaldner Holzbaugewerbe: 90 Prozent des Holzes, das er verarbeitet, bezieht er aus Nidwaldner und Engelberger Wäldern, meistens als Mondholz. Er und seine zehn Mitarbeiter beherrschen das alte Wissen des Holzbaus und wenden es konsequent an, die meisten Aufträge führt er denn auch in der Region aus. «Wir sind Nidwaldner mit Herz und Blut», sagt Ruedi Arnold, «und das wollen wir auch in unserer Arbeit sein.»

Der Dritte im Bunde war Gerold Kunz, kantonaler Denkmalpfleger und Heimatschutz-Beauftragter. Gemeinsam klärten Amstad, Arnold und Kunz das Mögliche und Machbare beim Wohnhaus Berggrind ab, und die Spezialisten der A&L Holzbau gingen ans Werk.

Sorgfältige Detailarbeit

Über die Dauer von etwas mehr als einem Jahr entstand schliesslich ein Wohnhaus, wie es in seiner Detailgenauigkeit wohl einzigartig ist: In jedem Raum sind Teile der 330 Jahre alten Holzwände sichtbar, mit Mondholz-Fichte aus Engelberg wurden neue Wände, Decken und Böden nach altem Handwerk verlegt, eingenutet und millimetergenau verarbeitet. Türen und Stauräume sind aus Massivholz leimfrei handgefertigt, sogar die Handläufe an den Treppen sind handgedrechselt. Einfache Schnitzereien zieren tragende Balken, so, wie man in Nidwalden vor Jahrhunderten Wohnräume geschmückt hat. Die Aussenwände sind aufwendig geschindelt – von Hand natürlich. Geheizt wird schon fast selbstredend mit Holz im neu gebauten Ofen, der von der guten Stube aus das ganze Haus erwärmt.

Das Wohnhaus Vorder Sonnwil (Bild: PD)

Das Wohnhaus Vorder Sonnwil (Bild: PD)

Seit diesem Sommer wohnen Stefan Amstad, seine Frau Cleide Oliveira Amstad und die gemeinsamen Kinder Aaron und Shayenne im alten neuen Wohnhaus. «Es ist wunderbar, in einem Haus zu wohnen, das so viel Charakter hat», schwärmt Amstad. Auch Planer und Holzbauer Ruedi Arnold ist vom Ergebnis begeistert: «Stefan und Cleide haben uns ihr Vertrauen entgegengebracht – und wir konnten konsequent altes Wissen mit traditionellem Handwerk zu einem schönen Haus umsetzen.»

Interessierte sind willkommen

Die Amstads sind so begeistert, dass sie ihr neues Zuhause beziehungsweise die alte Holzbauer-Handwerkskunst der Öffentlichkeit zeigen wollen. Als Zeichen dafür, dass es sich lohnt, alte Bausubstanz zu erhalten und in ihr zu leben (siehe Hinweis). Gleichzeitig ist an diesem Tag auch das sanierte und ausgebaute Wohnhaus an der Vorder Sonnwil, Baujahr 1789 und ebenfalls in Emmetten, für die Öffentlichkeit zugänglich: Heidi Würsch und Thomas Barmettler sind hier zu Hause. Hier haben die gleichen Holzbau-Profis altes Handwerk angewendet, aber in einigen Bereichen mit modernen Bauweisen kombiniert. Beide Häuser zusammen ermöglichen einen idealen Vergleich, was Holzbau heute leisten kann.

Tag der offenen Türen Samstag, 7. Oktober, in den beiden Wohnhäusern an der Hugenstrasse 15 und im Vorder Sonnwil in Emmetten an einem Tag der offenen Türen von 9 bis 16. Vorder Sonnwil steht für Besichtigungen offen, im Wohnhaus Hugenstrasse 15 wird für das leibliche Wohl gesorgt.

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