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Jedermanns Bühne auch für Amateure

Das Freilichtspektakel «Ein Luzerner Jedermann» auf dem Jesuitenplatz ist ein in vielen Teilen ganz ausserordentliches Ereignis. Ganz einmalig wird es für die Laienspielerinnen Helena Steffen, Tina Frank und Soley Tobler aus Ob- und Nidwalden.
Romano Cuonz
Drei Ob- und Nidwaldnerinnen spielen beim «Jedermann» in Luzern mit. Die Laienspielerinnen Tina Frank, Helena Steffen und Soley Tobler (von links). Bild: Romano Cuonz (Luzern, 18.Mai 2018)

Drei Ob- und Nidwaldnerinnen spielen beim «Jedermann» in Luzern mit. Die Laienspielerinnen Tina Frank, Helena Steffen und Soley Tobler (von links). Bild: Romano Cuonz (Luzern, 18.Mai 2018)

«Einmal mit den Grossen des Luzerner Theaters aufzutreten, und dies erst noch auf einer Freilichtbühne vor der Jesuitenkirche, das muss eine tolle Sache sein», sagte sich die Alpnacherin Helena Steffen und meldete sich voll Zuversicht fürs Casting an. Natürlich brachte die Obwaldnerin eine gute Portion Erfahrung mit: Beispielsweise hatte sie im vergangenen Jahr beim Sachsler Visionsgedenkspiel mitgewirkt.

Auch Tina Frank aus Oberdorf war dem Aufruf gefolgt. «Ich stand in den vergangenen 20 Jahren mit grosser Begeisterung auf vielen Bühnen», sagt sie. Und schmunzelt: «Zuletzt tanzte ich vor einem Saloon im Engelberger Winnetou, ja gar eine Indianerin war ich da, die ein Kanu ruderte.» Hugo von Hofmannsthals «Jedermann» und erst noch in der genial frechen Luzerner Inszenierung von Thomas Schulte-Michels, sei da nochmals eine andere Herausforderung.

Riesige Begeisterung für professionelle Theaterarbeit

Übrigens: Zum Casting nahm Tina Frank gleich noch ihre Tochter Soley Tobler nach Luzern mit. Sie gesteht, dass sie als bisherige Praxis nur einen Kurs beim Schultheater aufweisen konnte. «Dass ich dann diese Prüfung, bei der ich singen und wie ein Zombie rumlaufen musste, trotzdem gleich auf Anhieb bestanden habe, ist für mich ein Riesending», freut sie sich. Und erzählt voll Stolz: «Im Stück trete ich erst einmal in der Festgemeinschaft auf und später darf ich sogar noch ein ‹Nönnchen› mimen.»

Was haben diese drei Unterwaldner Laienspielerinnen gemeinsam? Eine riesige Begeisterung für die professionelle Theaterarbeit, die der erfahrene Meister Thomas Schulte auch mit den Gastspielern aus Landschaft und Stadt leistet. Da würden keine Bewegung, kein Schritt, kein Zwischenruf und schon gar kein Gesang dem Zufall überlassen. «Ich habe beim ersten Spieltraining mehr gelernt als früher an ganzen Wochenenden», schwärmt Tina Frank. Und Helena Steffen ergänzt: «Der Regisseur arbeitet stark mit Bildern und dabei unterstreichen wir die Haltungen der Hauptfiguren.»

Kleine, aber wunderbare Rollen

Die imposante Tribüne erhebt sich über der Reuss, als mächtige Kulisse die Jesuitenkirche. Davor agieren Theaterprofis wie Matthias Schoch als Jedermann oder Miriam Joya Strübel als Buhlschaft. Doch sie alle könnten diesem Spektakel aus Text und Musik nicht den nötigen Glanz verleihen, wenn da nicht noch grosse Zahl verschiedenster Laienspieler mittun würde. Besonders dabei: Alle haben sie zwar kleine, aber doch stets herausfordernde Rollen. Tina Frank und Helena Steffen spielen im Umfeld der Buhlschaft eine Art Partygirls. «Geradezu wunderbar ist das freche, vielversprechende Kostüm, das Tanja Liebermann für uns entworfen hat», erzählt Tina Frank. Ein Hauch von Leichtigkeit aus Tüll und Chiffon, elegant und sinnlich, verführerisch und glamourös sei es. Und später tragen beide noch ein zweites, ganz anderes Kostüm. Helena Steffen beschreibt es voll Begeisterung: «Wenn Zuschauer uns in diesem surrealen, ein wenig an Zirkusartisten erinnernden Kostüm mit komischen Haaren am Kopf sehen, fragen sie sich bestimmt sofort, ob wir nun tot oder lebendig seien.» Genau solche Effekte beleben den nun schon 107-jährigen Jedermann, den viele nur zu gut kennen, in der Luzerner Freilichtaufführung. «Ich habe noch nie eine ähnliche Aufführung erlebt, die ist ganz einmalig», stellt Helena Steffen mitgerissen fest. In der Tat: Auch, dass das Luzerner Theater und die Freilichtspiele Luzern zusammenspannen und eine alte Tradition gemeinsam neu beleben, ist erstmalig.

Wenn Gott mit dem Luzerner Jedermann hadert, weil dieser Unsummen für seine Buhlschaft ausgibt und keine Nächstenliebe kennt, wenn der Allmächtige gar den Tod (Christian Baus) entsendet, den Prasser zur Rechenschaft zu ziehen, wenn dieses Spiel in vollem Gange ist, kann ja – wie bei der Hauptprobe – durchaus auch ein Gewitter einsetzen. Auch für diesen Fall hat das fünfköpfige Produktionsteam vorgesorgt: Es gibt nämlich eine zweite, in vielen Teilen ganz andere Regenversion, die im Theatersaal gespielt wird. Helena Steffen dazu: «Wenn wir im Haus spielen, geht es um die kleinen Töne und die feinen Bewegungen.» Und Tina Frank ergänzt: «Diese Saalversion ist genauso faszinierend wie die im Freien, eigentlich müsste man gleich zwei Mal ins Theater gehen, einmal bei Schönwetter und einmal bei Regen.»

«Ein Luzerner Jedermann» – Freilichtspektakel dem Jesuitenplatz Luzern. 21 Abende bis zum 24. Juni. www.freilichtspiele-luzern.ch

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