Jetzt gehts im Cabrio aufs Stanserhorn

Die Schweizer Seilbahngeschichte ist um ein Kapitel reicher: Am Stanserhorn ist die neue Seilbahnkabine mit offenem Oberdeck ab Freitag offiziell in Betrieb. Es ist weltweit die erste dieser Art.

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Endlich ist es soweit: Die neue Cabrio-Bahn mit offenem Oberdeck geht in Betrieb. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Endlich ist es soweit: Die neue Cabrio-Bahn mit offenem Oberdeck geht in Betrieb. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Urs Bloch, Stanserhorn

Wenn in der Innerschweiz eine Seilbahn eingeweiht wird, dürfen Alphornklänge und Einsegnung durch den Pfarrer nicht fehlen. Doch was am Donnerstag in Stans geboten wurde, war nicht verklärter Kitsch, sondern Ausdruck ehrlicher Freude aller Beteiligten der Stanserhornbahn. Und was den Medienschaffenden präsentiert wurde, war schon gar nicht rückwärtsgewandt, sondern der Vorstoss in eine neue Seilbahn-Dimension: Künftig fahren die Besucher des Ausflugsbergs von der Zwischenstation Kälti mit einer doppelstöckigen Pendelbahn, die ein offenes Oberdeck aufweist, auf den Gipfel.

Neues Fahrgefühl

Die Reisenden können sich also entscheiden, ob sie die Fahrt auf den Berg aus dem grosszügig verglasten unteren Bereich oder auf dem über eine Wendeltreppe erreichbaren Oberdeck ohne Dach geniessen wollen. Oben finden 30 Personen Platz, dank einer verglasten Wand können auch Kinder den Panoramablick Richtung Luzern oder Innerschweizer Berge geniessen.

Das Fahrgefühl ist mit nichts vergleichbar, das man bis jetzt aus der Welt der Seilbahnen kennt. Weil Trag- und Zugseile zu beiden Seiten der Kabine angebracht sind, bietet sich den Fahrgästen ein unverstellter Blick Richtung Berg, Tal oder gegen den Himmel. Stabilisatoren im Bodenbereich der Kabine sorgen dafür, dass das Pendeln bei den vier imposanten, 24 Meter breiten, Masten rasch wieder ausgeglichen wird. Ansonsten verläuft die Fahrt sehr ruhig und in ansehnlicher Geschwindigkeit. Und wie bei einem Cabrio auf vier Rädern, zerzaust einem auch hier der Fahrtwind die Haare.

Von Grund auf neu

Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhornbahn sagte am Donnerstag nicht ohne Stolz, dass 90 Prozent der gesamten Anlage «Swiss made» seien. Für die Seilbahntechnik zeichnete die Firma Garaventa verantwortlich, die Seile stammen von Fatzer und die Berner Firma Gangloff baute die Kabinen, die wiederum von einem Schweizer Industriedesigner entworfen worden waren. Weil es weltweit noch keine solche Cabrio-Seilbahn gibt, war die Entwicklung der neuen Stanserhornbahn auch für Garaventa eine Herausforderung, welche die beteiligten Ingenieure und Techniker nicht nur einmal an die Grenzen des Möglichen brachten. Probleme im Bereich der Bergstation, ein dreimonatiger Zweischichtenbetrieb sowie Arbeiten während des Winters verteuerten die Arbeiten, die sich schliesslich auf gut 28 Millionen Franken beliefen.

Bild: Manuela Jans/Neue LZ
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Erste Fahrt am 27. Juni aufs Stanserhorn. (Bild: Keystone)
Park-Ranger bei der ersten offiziellen Fahrt. (Bild: Keystone)
Bild: PD
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Bild: Roger Zbinden/Neue NZ
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Testfahrt der Cabrio-Bahn am 11. Mai mit der neu montierten Aussichtsplattform. (Bild: Leser Richard Gander)
Im Schritttempo, Meter für Meter, zog eine kräftige Montagewinde die eine Kabine auf den Tragseilen vom Chälti zur Bergstation hinauf. (Bild: PD)
Im Schlepptau zog die Kabine dabei ihr definitives Zugseil hinterher. (Bild: PD)
Oben angekommen ist die Arbeit aber noch nicht getan: In den nächsten Tagen werden die beiden Zugseilenden zu einem einzigen Endlos-Seil verspleisst. (Bild: PD)
30.März: Ein Schwertransporter fährt mit der Gondel durch die Waldstrasse Richtung Talstatio n Chälti. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch
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Bild: Markus von Rotz / Neue NZ
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Bild: Markus von Rotz / Neue NZ
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Bild: Markus von Rotz / Neue NZ
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Zwischen dem 2. und 6. April soll die erste Kabine in Stans an das Tragseil gehängt werden. (Bild: Beat Christen, akomag)
23. März 2012: Das Goldauer Seilbahnunternehmen Garaventa baut das letzte der insgesamt vier Tragseile ein. (Bild: Beat Christen, akomag)
Die Tragseile wiegen rund 70 Tonnen... (Bild: Beat Christen, akomag)
... und haben einen Durchmesser von 66 Millimetern. (Bild: Beat Christen, akomag)
In Arth-Goldau finden derzeit die ersten Testfahrten der neuen Cabrio-Bahn statt. (Bild: Beat Christen, akomag)
15. März 2012: Die vier Bobinen reisen mit einem Spezialfahrzeug aufs Kälti - und das im Schritttempo. (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)
Die Ladung ist gewaltig, die das riesige Tiefladefahrzeug von der Fabrik in Romanshorn nach Dallenwil transportierte. Der Durchmesser der Kabeltrommel, der sogenannten Bobine, beträgt über 4 Meter. Auf ihr aufgerollt sind fast 2,5 Kilometer Tragseile. Gesamthaft wiegt die Ladung rund 70 Tonnen. (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)
Die aussergewöhnliche Fracht muss umgeladen werden... (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)
... vom riesigen Fahrzeug mit einem entsprechend grossen Wenderadius auf zwei kleine, gelenkige, aber ebenso robuste Fahrzeuge. (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)
29. Februar: Die Masten der alten Stanserhornbahn liegen auseinandermontiert beim Schützenhaus in Ennetmoos. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
16. Januar: Der Hasliberger Bruno Ming bedient mit dem Steuergerät den grossen Kran. Rechts Polier Zeno Spichtig. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Schönheit der Technik: Bereits sind die Rollen für das Zugseil in der neuen Bergstation montiert. Dieser Teil der Bergstation wird noch mit einer Stahlhalle gedeckt. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Die Freude an der harten, aber interessanten Arbeit auf dem Stanserhorn steht dem 23-jährigen Beckenrieder Peter Käslin, Maurer bei der Firma Gasser Felstechnik, ins Gesicht geschrieben. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Bereits sind die Rollen für das Zugseil in der neuen Bergstation montiert, so Amado De Giovanetti, Seilbahnmonteur der Firma Garaventa. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Blick in die Bergstation: Eine der Poller für die Tragseile, die einen Durchmesser von 66 mm aufweisen. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Eine der vier neuen Stützen (die erste unterhalb der Bergstation) für die Cabrio Bahn. Rechts eine Stütze der alten Luftseilbahn, die abgebrochen wird. Links verläuft die Transportseilbahn Richtung Kälti. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Schalungsarbeiten bei der neuen Bergstation. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Schalungsarbeiten bei der neuen Bergstation (von links): Die Maurer Marco Durrer, Peter Käslin und Polier Zeno Spichtig. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Der Hasliberger Bruno Ming bedient mit dem Steuergerät den grossen Kran. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Die beiden Transportbahnen: links Richtung Sulzmattli, Wiesenberg; rechts Richtung Kälti, Stans. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Ein angeseilter Mitarbeiter bei Demontagearbeiten im steilen Gelände unterhalb der Bergstation. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Sie sorgen im Drehrestaurant Rondorama für das leibliche Wohl der derzeit rund 15 Mitarbeiter auf der Baustelle Stanserhorn: Renate Kopp und André Ingold. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Ein Blick in die einfache Unterkunft im Untergeschoss des Drehrestaurants Rondorama. Die Cabriobahn ist auch dort präsent. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Ein Blick in die einfache Unterkunft im Untergeschoss des Drehrestaurants Rondorama. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Die Mitarbeiter werden bei guten Witterungsverhältnissen jeweils Montag früh mit dem Helikopter vom Wirzweli aufs Stanserhorn geflogen. Und am Freitag fürs Wochenende zurück. Bei schlechtem Wetter müssen sie bis zu 2 Stunden ins Tal oder auf den Berg marschieren. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Die Mitarbeiter werden bei guten Witterungsverhältnissen jeweils Montag früh mit dem Helikopter vom Wirzweli aufs Stanserhorn geflogen. Und am Freitag fürs Wochenende zurück. Bei schlechtem Wetter müssen sie bis zu 2 Stunden ins Tal oder auf den Berg marschieren. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Schöner Besprechungsort für (von links): Pierre Lehmann (CES Bauingenieur AG Sarnen). Alexander Sacchet (Bauführer Gasser Felstechnik AG Lungern) und Roland Odermatt (Bauleiter Waser Achermann Architektur Stans). (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
16. Januar: Im Kälti entsteht die neue Talstation (rechts) der Cabriobahn. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
Eingeschneit: Das Stanserhorn am 23. Dezember 2011 (Bild: Webcam)
Masten drei am 14. Dezember 2011 (Bild: PD)
14. Dezember 2011 (Bild: PD)
04.08.2011 (Bild: Martin Uebelhart/Neue NZ)

Bild: Manuela Jans/Neue LZ

Die Betreiber der Stanserhornbahn hätten aber ohnehin tief in die Kasse greifen müssen, war doch die Konzession für die alte Pendelbahn Ende 2011 ausgelaufen. Nun hat man einen Schritt über eine übliche Erneuerung hinaus gemacht und dürfte damit nicht nur unter Touristen für Aufsehen sorgen. Bereits haben sich Bahnbetreiber aus dem Ausland angemeldet, um das Cabrio ohne Benzinmotor vor Ort zu bestaunen.

Über Gäste aus dem Ausland freut man sich in Stans. Dennoch ist man sich bewusst, dass die Einnahmen weiterhin vor allem von treuen Schweizer Tagesausflüglern kommen werden, sie machen 80 Prozent der Gäste aus. Für sie soll die Fahrt auf den Panoramaberg auch künftig erschwinglich bleiben – der Fahrpreis wurde trotz neuem Bahnerlebnis nur um 4 Franken erhöht. Indes ist auch am Stanserhorn nicht alles neu: Die erste Sektion wird wie bis anhin in der Standseilbahn, die ursprünglich aus dem 19. Jahrhundert stammt, zurückgelegt.