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Journalisten unter sich

Die anderen Parteien konnten oder wollten keine Alternative zu Peter Keller (SVP) anbieten. Dafür stellt sich in Nidwalden nun ein Zürcher Journalist zur Wahl.
Andreas Fagetti (links) und Peter Keller am Wahlpodium unserer Zeitung in Stans. (Bild Roger Zbinden)

Andreas Fagetti (links) und Peter Keller am Wahlpodium unserer Zeitung in Stans. (Bild Roger Zbinden)

Markus von Rotz

Es ist schon erstaunlich, wie ruhig die Nationalratswahlen vier Jahre nach dem hitzigen Wahlkampf in Nidwalden hätten verlaufen können: Bis kurz vor Eingabeschluss am 31. August war kein Gegenkandidat zum SVP-Mann Peter Keller aus Hergiswil zu erkennen. Dabei war es 2011 heiss zu und her gegangen. Nachdem sich der heutige Regierungsrat und damalige Kronfavorit Alfred Bossard selber aus dem Rennen genommen hatte, musste die FDP erneut auf die Suche gehen. Sie kam dann auf jenen Mann zurück, der 2007 noch erfolglos gegen den amtierenden Nationalrat Edi Engelberger hatte antreten wollen: Heinz Risi aus Ennetbürgen.

Risi nur zu Hause vorn

Diesmal sollte er dessen Sitz für seine Partei retten. Doch die politische Konkurrenz war zu gross: Die SVP nominierte Peter Keller, die Grünen traten mit Conrad Wagner an. Risi holte nur 35 Prozent der Stimmen, Keller 45. Weil für Nationalratswahlen in Nidwalden nicht das absolute Mehr nötig ist, war Keller mit 8060 Stimmen gewählt, Risi holte 6273, Wagner 3487. Risi konnte ausser in seinem Wohnort in keiner Gemeinde gegen Keller punkten. Am ausgewogensten mit 31 bis 36 Prozent der Stimmen war das Ergebnis aller drei Kandidaten im Hauptort Stans.

Genau auf Finger schauen

Erstmals kandidiert und erstmals gewählt: Die SVP war im Freudentaumel. «Mein Kopf sagte, es reicht nicht, wenn CVP und FDP zusammenspannen. Mein Bauch sagte, es könnte doch reichen», sagte Kellers Bruder und Kantonalpräsident Christoph Keller. Die FDP machte auf Schadensbegrenzung: Keller sei nicht nur der Kandidat der SVP gewesen, nun müsse er einfach den Kanton in Bern gut vertreten, sagte Kantonalpräsident Ruedi Waser. Und alle versprachen, Keller in Bern dann sehr gut auf die Finger zu schauen.

Offensichtlich hat dieser seinen Job in Bern in den Augen der anderen Nidwaldner Parteien nicht so schlecht gemacht – zumindest konnte (Grüne) oder wollte (FDP, CVP) niemand gegen ihn antreten. So zeichnete sich bis zum Schluss eine stille Wahl ab.

In letzter Minute aufgestellt

Andreas Fagetti wusste das in letzter Minute zu verhindern. Der Journalist, der beruflich im Bundeshaus arbeitet und für die linke Zürcher Wochenzeitung WoZ schreibt, meldete seine Kandidatur an. Respektive seine Zeitung. Eine stille Wahl wolle «die WOZ verhindern», schrieb das Blatt selber: «Wir präsentieren deshalb mit Andreas Fagetti einen Gegenkandidaten.» Die SVP habe der politischen Konkurrenz «unverhohlen gedroht, wenn andere Parteien die SVP bei den Nationalratswahlen herausforderten, werde die Partei ihrerseits den Ständeratssitz angreifen. Soll so jede demokratische Auseinandersetzung ausgehebelt werden?», fragte das Blatt aus Zürich. Das passe nicht zu SVP und «Weltwoche», wo Keller als Journalist arbeitet, die sich immer gern auf den Volkswillen und Volksentscheide beriefen. «Deshalb hat sich die WOZ entschlossen, bei den Wahlen in Nidwalden eine stille Wahl von ‹Weltwoche›-SVP-Nationalrat Peter Keller zu verhindern.»

Keine Vorzugsbehandlung

Fagetti selber kennt den Kanton von einer Schulreise und einem kurzen Einsatz noch als Monteur. Er ziehe aber nach Nidwalden, falls er gewählt werde, liess er verlauten. Und selbstverständlich werde er den Job bei der WoZ an den Nagel hängen, man könne ja nicht das tun, was man Keller und der «Weltwoche» vorwerfe – Beruf und Politik zu vermischen: Kellers Arbeitgeber war im Wahlkampf vor vier Jahren ein gewichtiges Argument gegen ihn: Man befürchtete, der Nidwaldner würde sich nicht scheuen, allenfalls Kommissionsgeheimnisse in der Zeitung auszubreiten. Eine Kritik, die in den vergangenen Jahren verstummt ist. Für Fagetti gebe es bei einer Wahl keine Vorzugsbehandlung durch die WoZ. Im Übrigen war es eine Bedingung seiner Redaktion, dass er sich zurückzieht, sollte in letzter Minute ein anderer Kandidat auftauchen. Primäres Ziel war die Verhinderung einer stillen Wahl.

WoZ hilft auch der SVP

Der Politologe Michael Hermann twitterte, die Kandidatur Fagettis erhöhe den Stimmenanteil der SVP gesamtschweizerisch um etwa 0,4 Prozentpunkte. Seine Rechnung: Keller dürfte an die 10 000 Stimmen holen, welche der SVP bei einer stillen Wahl gefehlt hätten. Insofern helfe die WoZ mit der Kandidatur Kellers Partei im Kampf um den nationalen Spitzenplatz.

Keller wurde von den anderen Nidwaldner Parteien nicht offiziell in Frage gestellt, auch wenn es ihm in Bern an Einfluss mangelt, wie ein vom gleichen Michael Hermann für den «Sonntagsblick» erstelltes Rating ergab: Ist sein Obwaldner Kollege Karl Vogler (CSP) nach ebenfalls vier Jahren bei den einflussreichsten Parlamentariern in Bern auf Rang 39, schaffte es Keller nicht unter die ersten 150. Es wird sich zeigen, wie viele Fagetti oder dann einen leeren Wahlzettel als Alternative zu Keller sehen.

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