Corona bremst Jubiläumsanlässe in Stansstad und Kloster Engelberg aus

Zwei grosse Jubiläen in Engelberg und Stansstad fallen der Coronakrise zum Opfer. Die Verantwortlichen bleiben trotzdem am Ball.

Florian Pfister
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Noch keine Corona-Sorgen bei der Anfertigung der Sprayerwand zum Neujahrsapéro Stansstad.

Noch keine Corona-Sorgen bei der Anfertigung der Sprayerwand zum Neujahrsapéro Stansstad.

Bild: PD

Für die Organisatoren der grossen Jubiläen «900 Jahre Kloster Engelberg» (siehe auch Artikel unten) und «600 Jahre Stansstad» hätte das Coronavirus zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. «Olympische Spiele kann man verschieben, die finden dann halt im Jahr 2021 statt. Ein Jubiläum aber ist an ein bestimmtes Jahr gebunden, daher tut es doppelt weh», sagt Rafael Schneuwly, Mitglied des OK «600 Jahre Stansstad». «Auch Veranstaltungen an Feiertagen wie dem Tag der heiligen Mönche kann man nicht einfach ein paar Monate später durchführen», sagt Beat Christen, Koordinator der Jubiläumsfeierlichkeiten vom Kloster Engelberg.

Das Coronavirus zwingt die Veranstalter, viele Anlässe zu streichen oder zu verschieben. In Engelberg wurden vier weitere Anlässe bis Mitte Mai abgesagt, in Stansstad werden alle Anlässe bis Ende Juni sistiert (siehe Kasten).

Jubiläumsanlässe

900 Jahre Kloster Engelberg

Sa, 25. April: Vernissage der Ausstellung «Ein Kloster in Gepäck» im Historischen Museum Sarnen (V)*
Mo, 27. April: Gesprächsrunde im Herrenhaus (A)*
So, 3. Mai: Festtag der Heiligen Mönche (A)
Sa, 9. Mai: Quaimarkt in Buochs (A)
So, 17. Mai: Begegnungstag und Festgottesdienst in Lungern (V)

600 Jahre Stansstad
Sa/So, 18./19. April: Die Stansstader Jugend sagt Danke (V) Monat Mai: Stansstad bewegt sich (V)
Sa, 2. Mai: Einweihung Hütte und Feuerstelle (V)
Sa/So, 16./17. Mai: Jahreskonzert Musikgesellschaft Stansstad (V)
Fr, 29. Mai: Vernissage Jubiläumsbuch von Christian Hug (V) Fr, 29. Mai: Open-Air-Frühjahrsgemeindeversammlung (V)
Sa, 6. Juni: «Musikalische Zeitreise» – Konzert der Musikschule Stansstad (V)
Mo, 8. Juni: «Stansstader Geschichten» – zwei Vorträge (V)
Sa, 14. Juni: Ökumenische Feier mit Abt Christian Meyer (V)
So, 14. bis So, 28. Juni: Sonderausstellung zu Pater Emmanuel Wagner (V)
So, 21. Juni: Geburtstagsfest in Kehrsiten (V). (fpf)

*Hinweis: V=verschoben, A=abgesagt

Die meisten der Anlässe sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. «In viele Projekte investierten die Menschen extrem viel Herzblut. Es wäre schade, diese Anlässe ganz abzusagen», sagt Beat Christen. Wann mögliche Nachholtermine fixiert werden, ist derzeit noch offen.

Aus Jubiläumsjahr wird Jubiläums-Eineinhalbjahr

Auch wenn das Versammlungsverbot momentan noch bis zum 19. April besteht, befürchtet Beat Christen, dass auch spätere Anlässe nicht durchgeführt werden können. «Wenn man sich die Prognosen anschaut, denke ich nicht, dass wir dann vom einen zum anderen Tag zur Normalität zurückkehren können.» Die eigentlich demnächst anstehenden Veranstaltungen werden verschoben. «Es wäre schade, wenn die Veranstalter jetzt noch grosse Anstrengungen in der Planung vornehmen und der Anlass dann doch nicht stattfinden kann», so Christen weiter. Auch externe Veranstalter haben von sich selbst aus abgesagt. «Das verstehen und respektieren wir natürlich», sagt Christen.

Auch in Stansstad verschiebt man die Veranstaltungen lieber, als sie ganz abzusagen. «Zirka acht Anlässe werden wohl ein Jahr später durchgeführt. So wird aus dem Jubiläumsjahr halt ein Jubiläums-Eineinhalbjahr. Das sind wir den Stansstaderinnen und Stansstadern schuldig», sagt der Stansstader Gemeindeschreiber Lukas Liem. Einzelne Veranstaltungen wie die Vernissage des Jubiläumsbuches «Stansstad erzählt» von Christian Hug plant die Gemeinde aber schon im Sommer oder Herbst nachzuholen. Die Frühjahrsgemeindeversammlung wird – wenn es die Lage zulässt – im Juni in gewohnter Form durchgeführt. Im nächsten Jahr soll dann die Open-Air-Gemeindeversammlung auf dem Dorfplatz nachgeholt werden. «Der Gemeinderat glaubt fest an die Zukunft, dass wir die Events im zweiten Halbjahr wie geplant durchführen können», so Lukas Liem.

«Es ist nicht das Gleiche vom Emotionalen her, wenn die Jubiläumsanlässe erst im nächsten Jahr durchgeführt werden», bedauert Rafael Schneuwly. «Ich bin natürlich nur eine Person von Millionen in der Schweiz. Wir alle sind frustriert», beschreibt er seine Stimmungslage weiter. «Wir haben enorm viel Aufwand betrieben in den letzten eineinhalb Jahren. Das Konzept und die Veranstaltungen sind auch sehr gut durchdacht. Der erste Teil des Jubiläumsjahres war hervorragend», freut sich Schneuwly. Das Jubiläumsjahr war mit einem Neujahrsapéro und einer Lichtkunstperformance eingeläutet worden. Auch die Lichtshow Ende Januar mit Bildern von Stansstader Schülerinnen und Schülern sei einwandfrei verlaufen, so Schneuwly. «Wir sind frustriert, aber weiterhin motiviert.»

«Wir versuchen, das Beste daraus zu machen»

Für Beat Christen ist die Situation nicht vollkommen neu. «Ich war beim Hochwasser 2005 für die Kommunikation zuständig. Von einem Tag auf den anderen waren wir in einer völligen anderen Welt», erzählt er. «Mich kann momentan nicht viel erschüttern, aber es tut einfach weh.» Besonders für die Vereine, die passioniert geübt haben, zeigt Beat Christen Mitgefühl. Der Auftritt des für das Jubiläum gegründeten Chors Männerstimmen Obwalden soll wenn möglich noch nachgeholt werden. Die Gesangsgruppe werde weiter bestehen, das Jubiläum sei nur eine Initialzündung für die Gründung gewesen, so Christen. «Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Das haben wir mit der Liveübertragung des Gottesdienstes und einer Videobotschaft bezüglich der Vernissage des Engelberger Dokuments gezeigt», ergänzt Beat Christen. «Die Situation zwingt uns, kreativ zu werden.»

Die Verschiebungen sorgen nicht nur für Mehrarbeit in den Organisationskomitees. Rafael Schneuwly bedauert ebenfalls die Lage der Vereine. «Sie müssen finanzielle Verluste verkraften.» Das gilt zum Beispiel für den Handorgelklub Obbürgen, der wenige Tage vor dem 21. März das Akkordeonkonzert in Obbürgen absagen musste, als die Behörden die Zahl der Besucher einschränkte. Schneuwly bedauert auch die Schulkinder, die am 6. Juni im Rahmen der Musikschule eine musikalische Zeitreise präsentieren wollten. «Für sie ist es auch speziell. Sie hatten sich vorbereitet und plötzlich findet der Anlass nicht statt.»