Juiz, Kläuse und ein Abschied bei den Stanser Jodlerbuebe

Das Konzert der Stanser am Samstag war geprägt von abwechslungsreichen Programmpunkten.

Kurt Liembd
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Sepp Mathis (rechts) verabschiedet Theo Odermatt nach 53 Jahren als Mitglied der Stanser Jodlerbuebe.

Sepp Mathis (rechts) verabschiedet Theo Odermatt nach 53 Jahren als Mitglied der Stanser Jodlerbuebe.

In Nidwalden gibt es wohl nicht viele Konzerte, an denen über 600 Zuhörer teilnehmen. Doch so geschehen am vergangenen Samstag am Konzert der Stanser Jodlerbuebe unter der Leitung von Thomas Wieland. Bis auf den letzten Platz war die Tur- matthalle besetzt und es herrschte eine beeindruckende Stille, als die Jodlerbuebe mit dem Jodellied «Bärgkristall» von Edy Gasser und dem Stanserhorn-Juiz von Adolf Zimmermann eröffneten. Es war vom ersten Ton an beeindruckend, wie sicher der 25-köpfige reine Männerklub intoniert und mit einem urtümlichen Chorklang ausgestattet ist.

Eine Sonderleistung zeigten die beiden Vorjodler Toni Odermatt und Daniel Blättler. Vor allem die Juiz hatten es in sich und so folgten im Verlaufe des Abends noch weitere wie etwa der «Bätruf-Juiz» mit Pirmin Zrotz als Solist. Weshalb diese Juiz das Publikum so in den Bann zogen, kann nur erahnt werden. Liegt es daran, dass diese text- und inhaltslose Juiz ideologiefrei sind? Vielleicht können sich die Zuhörer damit auch besser als mit den «Heile-Welt-Texten» vieler Jodellieder identifizieren.

Geprägt von den rauen Walliser Bergen

Das Bedürfnis nach dem «Urtümlichen und Urchigen» wurde ebenso mit dem Auftritt des Jodlerklubs Safran aus der Gemeinde Mund (VS) gestillt. Mit Titeln wie «Chäli-Jütz» oder «Güggisgratjütz» bewiesen die Walliser Gäste viel Leidenschaft für diese urchige, bisweilen archaische Form des Jodelns. «Wir Walliser sind halt geprägt von der Rauheit der Berge», sagte Dirigentin Dayana Pfammatter (27) gegenüber unserer Zeitung. Ihre Vorträge waren der beste Beweis dafür.

Die vier Frauen und 14 Männer aus dem Bergdorf Mund beeindruckten mit ihren kernigen Juiz ebenso wie mit wohlklingenden Liedern wie etwa «Bärg- erläbnis» von Emil Wallimann. Dayana Pfammatter ist nicht nur Dirigentin des Jodlerklubs, sondern singt auch in dessen «Jodlerquartett Bärgzona 4», zusammen mit Astrid Herren, Marco Gunten und Adrian Pfammatter. Lupenrein, kräftig und mit einer vorbildlichen Vokalisation präsentierte sich dieses im Jahr 2016 gegründete Quartett. Was Insider nicht mal gross erstaunt, denn Dayana Pfammatter studierte Jodelgesang bei Nadja Räss, Dozentin und Fachverantwortliche für Volksmusik an der Hochschule Luzern.

Gegensätzlich dazu, aber nicht minder beeindruckend, erwies sich der Auftritt der Silvesterkläuse aus Bühler (AR). Die Präsentation dieses Brauchtums aus dem Appenzellischen gefiel nicht nur optisch dank Masken und Schellen, sondern auch durch den mysteriösen Gesang in Form von Zäuerlis. Durch die teils schräg klingenden Töne wurden die Zäuerlis zu einem tiefen Erlebnis und zeigten die Modulationsfähigkeit der menschlichen Stimme eindrücklich.

Toni Niederberger, Präsident der Stanser Jodlerbuebe, zeigte sich in seiner Ansprache überwältigt vom grossen Publikumsaufmarsch und dankte den beiden jungen Ansagerinnen Stefanie Zimmermann und Tamara Businger, welche unterhaltsam durchs Programm führten. Ebenso unterhaltsam erwies sich an diesem Abend das Ländlertrio «Zingelgruss» aus Ennetmoos, das urchige und lüpfige Volksmusik vom Feinsten bot. Ausserdem wurde Theo Odermatt nach 53 Jahren als Mitglied der Stanser Jodlerbuebe herzlich verabschiedet.

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