Jung öffnet Alt die Augen

Redaktor Oliver Mattmann in seinem «Blitzlicht» über Heimat, Naturschönheiten und wie die frische Bergluft zum Nachdenken anregen kann.

Oliver Mattmann
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Wie weit wir doch manchmal suchen, um das vermeintliche Paradies zu entdecken. Dabei liegt es nicht selten direkt vor der Haustüre! Dieser Tage führte mich mein Interesse am Schwingsport auf ein bekanntes Obwaldner Hochplateau. Mit im Schlepptau: mein Junior, inzwischen 4-jährig. Inmitten der unvergleichlichen Bergwelt den Athleten bei der Ausübung des Traditionssports zuzuschauen, untermalt von volkstümlichen, heimatvermittelnden Klängen, das hat schon was Erhabenes.

Oliver Mattmann.

Oliver Mattmann.

Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sich dieses Gefühl auch auf meinen Sprössling übertrug, auch wenn ich ihn nicht danach fragte. Seine leuchtenden Augen verrieten dies von alleine. Und selbst als sich nach mehreren Stunden Schwingfest seine Geduld verständlicherweise dem Ende zuneigte, blieb er standhaft und meinte, er wolle den Schlussgang nicht verpassen – als ob er diesen erhabenen Moment noch etwas festhalten wollte.

Klar, zwischendurch gab es etwas «Auslauf», einen Spaziergang an den See. Auch dort wurde mir wieder bewusst, wie wenig Kinder eigentlich brauchen, um glücklich zu sein: ein paar Steinchen, die lustige Kreise machen, wenn sie im Wasser aufprallen. Kurz: die Natur. Für mich, als von der Digitalisierung «verseuchten» Fastvierziger, alles keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch sein Strahlen im Gesicht, als er einer Kuh beim Abkühlen im See zuschaute, löste in mir etwas aus. Unsereins hätte darin bloss ein belangloses Nutztier gesehen, dabei hatte ihr Anblick mit dem Panorama im Hintergrund wirklich etwas Majestätisches.

Wir haben stets das Gefühl, die Kinder sind auf uns angewiesen, damit wir ihnen die Augen öffnen. Dabei ist es häufig genau umgekehrt...