Kandidaten diskutieren politisch fair

Die Themen EU und Armee dominierten das Wahlpodium der Neuen Nidwaldner Zeitung. Die Nationalratskandidaten gaben sich keine Blösse.

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Podium zu den Nationalratswahlen im Restaurant Engel in Stans: Conrad Wagner (Grüne), Heinz Risi (FDP), Markus von Rotz, Redaktionsleiter der Neuen Nidwaldner Zeitung und Peter Keller (SVP). (Bild: Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Podium zu den Nationalratswahlen im Restaurant Engel in Stans: Conrad Wagner (Grüne), Heinz Risi (FDP), Markus von Rotz, Redaktionsleiter der Neuen Nidwaldner Zeitung und Peter Keller (SVP). (Bild: Corinne Glanzmann/Neue NZ)

Eine Pizza mit Rösti ist eine Konkordanzpizza. Peter Keller (SVP) antwortete auf die Frage, ob er lieber Pizza oder Rösti habe, dass es hierzulande sogar Pizza mit Rösti darauf gebe – eben typisch schweizerische Konkordanz. Peter Keller und seine Herausforderer um den Nidwaldner Nationalratssitz, Conrad Wagner (Grüne) und Heinz Risi (FDP), diskutierten am Mittwochabend im Hotel Engel vor knapp 200 Zuhörern über politische Themen, welche die Schweiz bewegen. Die Gesprächsleitung hatte der Redaktionsleiter unserer Zeitung, Markus von Rotz. Zur Europäischen Union sowie zur Armee hatten die drei Landräte am meisten zu sagen. Bei der Frage, welche Armee die Schweiz brauche, zeigten sich die bekannten Positionen der SVP, FDP und der Grünen. Heinz Risi strich den Leistungsauftrag der Armee heraus, zu dem auch die Landesverteidigung gehöre. «Deshalb sind wir auf eine gut ausgerüstete Luftwaffe angewiesen», sagte er, als am Podium auch der Entscheid des Nationalrates angesprochen wurde, neue Kampfflugzeuge zu kaufen. «Der Leistungsauftag ist dem Wandel unterworfen», hakte der Grüne Conrad Wagner ein. Die Armee sei heute mehr bei der Bewältigung von Katastrophen und zum Schutz vor Terrorgefahren gefragt. «Ich spreche mich eindeutig für die Armee, aber gegen neue Kampfflugzeuge aus.»

Kampfjets: Irgendwer muss sparen

Peter Keller machte sich für eine gut ausgerüstete Armee stark. Er mahnte, historisch zu denken, und nannte Ereignisse wie die Terroranschläge in den USA oder den Zusammenbruch des Ostblocks, die niemand erwartet habe. «Wenn etwas passiert, kann man nicht erst damit beginnen, die Kampfflugzeuge zusammenzuschrauben.»

Wo das über das ordentliche Budget gesprochene Geld wieder eingespart werden soll, darüber waren sich die Kandidaten uneins. Keller ortete Möglichkeiten in der Bundesverwaltung. Christoph Blocher habe es damals in seinem Departement bewiesen. Heinz Risi sagte, es könnte die Landwirtschaft, Bildung oder Infrastrukturbauten betreffen. Conrad Wagner fürchtete gar, der Schwarze Peter könnte bis zu den Gemeinden weitergereicht werden.

Übliche Argumente bei der EU

Bei der Europafrage bedienten sich die Kandidaten der von ihren Parteien her bekannten Argumente. Gegenüber einem Freihandelsabkommen mit der EU gab sich Heinz Risi sehr kritisch. «Der volle Freihandel ist für die Schweiz mit ihrer Agrarstruktur schwierig zu übernehmen.» Ähnlicher Meinung waren auch Keller und Wagner. Der grüne Politiker sah jedoch auch eine Chance, weil der Aussenhandel zunehmen werde. «Die Schweizer Diplomatie ist geübt beim Aushandeln von Verträgen mit der EU. Sorgfältige Lösungen beim Freihandel sind möglich.» Als es im Nationalrat um die Verschärfung des Güterkontrollgesetzes gegangen sei, hätten dies die Grünen unterstützt. Dies wäre für die Pilatus-Flugzeugwerke nachteilig gewesen, setzte Peter Keller zu einem Seitenhieb in Richtung Conrad Wager an. Die Grünen seien aus humanen Gründen dafür gewesen, räumte Wagner ein. Das Nein zur Kriegsmaterialexport-Initiative der GSoA sei in Nidwalden aber sehr deutlich ausgefallen. «Wir akzeptieren das. Pilatus ist sehr wichtig für den Kanton Nidwalden.» Hier schimmerte ein Dilemma durch, in dem sich Nationalräte befinden können, wenn sich ihre Kantonsinteressen mit denen der Mutterpartei beissen.

Der kurze «Arena-Moment»

Die Podiumsdiskussion verlief sachlich und fair. Heinz Risi wurde beim Thema Personenfreizügigkeit kurz etwas lauter und emotionaler. Und Conrad Wagner sorgte für einen Hauch «Arena»-Ambiance, als er Peter Keller einmal ins Wort fiel («jetzt rede ich»), nachdem dieser ihn kurz unterbrochen hatte. Jeder Kandidat musste sogar offenlegen, was er an einem Herausforderer schätzt. Heinz Risi sagte über Peter Keller, er sei ein gradliniger Politiker. Wie er selber versuche Keller, mit Argumenten zu überzeugen. Conrad Wagner schätzt Heinz Risis Erfahrung aus Parlament und Kommissionen. Und Peter Keller sagte, er würde «mit Coni jassen gehen und Heinz die Steuererklärung zum Ausfüllen geben».

Geri Wyss/ Neue NZ

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Trio hat sich gut geschlagen

Viele Besucher waren sich nach dem unterhaltsamen Podium im «Engel»-Saal einig: Das Trio Risi, Wagner, Keller hatte sich gut geschlagen, keiner fiel ab. «Alle drei vertraten Positionen, die durchaus nachvollziehbar sind», sagte German Galliker aus Dallenwil auf Anfrage unserer Zeitung. «Ich bin überzeugt, dass jeder von ihnen einen guten Job machen würde in Bern.» Seine Meinung blieb aber unverändert. «Ich werde Peter Keller wählen. Er ist geradlinig, ehrlich, kompetent und in der richtigen Partei.»

Noch unschlüssig ist Daniel Amstutz aus Stans. Er pendelt zwischen Risi und Keller hin und her. «Ich habe ja noch über zwei Wochen Zeit. Ich denke, es wird auf einen Bauchentscheid hinauslaufen.» An Risi gefällt ihm, dass er ein «bissiger Hund» sein kann, «der anzupacken weiss». An Keller schätzt er die Eigenschaften als guter und überlegter Redner. «Auch Conrad Wagner könnte nach Bern. Doch ist er aus meiner Sicht in einer zu kleinen Partei, um eine grosse Wirkung zu erzielen.»

Beeindruckt von Laufbahn

Ein klarer Favorit hat Seppi Blättler, gehört er doch der Jungen SVP an und kommt aus demselben Dorf wie Peter Keller. «Ich verfolge seine politische Laufbahn schon länger, ich bin beeindruckt von seiner bisherigen Arbeit.» Dennoch attestierte Blättler auch den beiden anderen Kandidaten «Punkte, bei denen sie gute Argumente gebracht haben».

Oliver Mattmann

Im Kanton Nidwalden kandidieren drei Männer für den Nationalrat. Es sind dies: (Bild: Keystone)
5 Bilder
Conrad Wagner, Nationalratskandidat der Grünen (51) aus Stans. (Bild: PD)
Peter Keller (Jahrgang 1971), Nationalratskandidat der SVP, aus Hergiswil. (Bild: PD)
Heinz Risi (Jahrgang 1955), Nationalratskandidat der FDP, aus Ennetbürgen. (Bild: PD)
Bereits in stiller Wahl gewählt: CVP-Ständerat Paul Niederberger, Jahrgang 1948, aus Dallenwil. (Bild: PD)

Im Kanton Nidwalden kandidieren drei Männer für den Nationalrat. Es sind dies: (Bild: Keystone)