Kanton gibt nach Kranunfall in Beckenried Entwarnung

Die Ölsperren sind nach dem Kranunfall in Beckenried entfernt worden. Die Ermittlungen laufen noch.

Christian Glaus
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Gross war die Aufregung in Beckenried, als vor zweieinhalb Wochen ein insgesamt 80 Tonnen schwerer Pneukran in den See fiel. Gross war auch die Sorge um die Umwelt. Denn in der Maschine befand sich Treibstoff. Sehr viel sogar, die Rede war von insgesamt 1500 Litern. Wie gross die Auswirkungen auf die Umwelt waren, liess sich bis am Freitag noch nicht richtig abschätzen. Nun steht fest: Die Folgen sind weniger gravierend als ursprünglich befürchtet.

Am Freitag trafen die Proben vom Seegrund des Wabag-Areals in Beckenried beim Amt für Umwelt des Kantons Nidwalden ein. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Remo Kuster, Leiter Schadendienst, kurz und knapp: «Die Proben liegen unterhalb des Grenzwertes. Die Ölsperren werden abgebaut.» Die Erleichterung bei den Verantwortlichen dürfte gross sein. Denn der Aufwand, kontaminierten Seegrund auszubaggern wäre beträchtlich.

Die zuständigen Organisationen hatten alles daran gesetzt, um die Umweltbelastung so klein wie möglich zu halten. Weil befürchtet wurde, dass während der Bergung Treibstoff aus dem gesunkenen Kran auslaufen könnte, wurde dieser unter Wasser abgepumpt. Drei von vier Tanks konnten so geleert werden. Schon kurz nach der Bergung am vergangenen Montag, untenstehend ein Zeitraffer-Video sowie Bilder, stand fest, dass von den 1500 Litern Treibstoff insgesamt rund 50 Liter ausgelaufen sind.

Der 60 Tonnen schwere Pneukran, der Mitte Januar bei Beckenried von einer Naue kippte und im Vierwaldstättersee versunken war, ist am Montagmorgen aus dem Wasser gehoben worden.
10 Bilder
Die Bergung verlief ohne grössere Probleme.
Der Pneukran wird aus dem Wasser gezogen.
Die Bergung des Krans aus der Vogel-Perspektive.
Ölsperren verhinderten eine grössere Gewässerverschmutzung.
Auch die Feuerwehr Stansstad kam zum Einsatz.
Die Bergungsarbeiten begannen bei Tagesanbruch kurz vor 8 Uhr.
Zentimeter um Zentimeter hob ein Raupenkran den versunkenen Pneukran an.
Neu kostet der Kran 1,3 Millionen Franken, jetzt ist er nur noch abbruchreif.

Der 60 Tonnen schwere Pneukran, der Mitte Januar bei Beckenried von einer Naue kippte und im Vierwaldstättersee versunken war, ist am Montagmorgen aus dem Wasser gehoben worden.

Bild: Nadia Schärli (Beckenried, 27. Januar 2020)

Mit Entfernung der Ölsperren wird das Areal der Wabag Kies AG nun wieder zur normalen Nutzung freigegeben, wie Sprecherin Monika Ulrich auf Anfrage bestätigt. Sie spricht von einer «Erleichterung, nun wieder zum Tagesgeschäft übergehen zu können». Der Kran wird zerlegt und voraussichtlich am Mittwoch abtransportiert.

Wabag führt eigene Untersuchungen durch

Die betrieblichen Einschränkungen hätten sich allerdings in Grenzen gehalten. Die Kiesförderung und das Kieswerk auf dem Seebagger seien vom Vorfall nicht betroffen gewesen. Der Kies wurde zum grössten Teil in Horw abgeladen, kleinere Mengen in Weggis und Alpnachstad. In Beckenried befindet sich das Werksareal mit Werkstatt und Bürogebäude.

Noch nicht abgeschlossen sind die polizeilichen Ermittlungen. Die Schuldfrage ist bisher ungeklärt. Die Firma Wabag führt laut Ulrich selber Untersuchungen zum Unfallhergang durch, «um Erkenntnisse für den künftigen Betrieb gewinnen zu können».