KANTON NIDWALDEN: Entgegenkommen des Kantons nicht goutiert

Das Baugesetz: Gemeinden bangen um ihre Freiheiten, der Kanton will weniger Wildwuchs. In zehn Tagen entscheidet das Volk.

Drucken
Teilen
Das Bauen am Hang (wie hier am Bürgenberg) soll stärker reglementiert werden. (Archivbild Fabian Fellmann/Neue NZ)

Das Bauen am Hang (wie hier am Bürgenberg) soll stärker reglementiert werden. (Archivbild Fabian Fellmann/Neue NZ)

Raumplanung, Gestaltungsplan, Besitzstandgarantie, Energiebonus: All diese Begriffe waren am Dienstagabend an einem Podium zum neuen Baugesetz zu hören. Die komplexe Materie mag ein Grund sein, warum der Anlass nur mässig besucht war: Knapp 60 Leute kamen, davon gut ein Viertel Politiker oder Fachleute.

Das Bauen an Hanglagen stärker reglementieren?
Zu reden gab erneut, warum die Baugesetzgegner nicht das konstruktive Referendum ergriffen haben. Schliesslich sind es vorab die neuen Bestimmungen zum Bauen am Hang, welche ihnen Bauchschmerzen bereiten. «Das neue Gesetz schränkt als Ganzes zu fest ein», bilanzierte der Ennetbürger Gemeinderat und «Rädelsführer» des Referendums, Christof Tofaute.

Die Gretchenfrage: Soll das Bauen an Hanglagen stärker reglementiert und mit dem Bauen in der Talebene gleichgestellt werden? Nach aktuellem Gesetz kann in einer zweigeschossigen Wohnzone am Hang ein Haus mit bis zu sechs Geschossen gebaut werden. Im Tal ist das nicht möglich. «Das hat zu Ungleichheiten geführt: Wer am Hang baut, ist privilegiert», sagte Baudirektorin Lisbeth Gabriel. Dadurch seien Häuser entstanden, die baulich schlecht in die Landschaft eingegliedert seien.

«Da weiss der Bürger, was er hat»
Ein Nutzungsbonus sollte den Streit schlichten. Dieser würde es erlauben, auch im Tal höher zu bauen. «Dieser Bonus ist nicht der richtige Weg», entgegnete Eduard Christen, Landrat und Mitglied jener Kommission, die das Baugesetz entworfen hat. Wenn eine Gemeinde in einer zweigeschossigen Wohnzone mehr als zwei Geschosse bauen will, soll sie eine Zonenänderung erwirken. Etwa von der zwei- in eine dreigeschossige Zone. «Dann weiss der Bürger, was er hat.» 

Das tönt für den Laien logisch, für Tofaute jedoch ist es mit zu vielen Ungewissheiten behaftet. Er befürchtet, dass das Baudepartement bestimmte von der Gemeindeversammlung beschlossene Aufzonungen nicht bewilligt. Schliesslich sei es das Ziel des Kantons, die Gebäudehöhen zu reduzieren.

Der Ennetbürger Gemeindepräsident Albert Blum fasste schliesslich zusammen: «Wir haben in der Ebene kaum mehr Baureserven. Am Hang sind es nur noch 30 Prozent, und die wollen wir wie bisher überbauen können. Das neue Baugesetz hätte für uns verheerende Auswirkungen.» Lisbeth Gabriel weiss um diese Ängste, teilt sie jedoch nicht. Zum einen gelte die Besitzstandgarantie: Bestehende Bauten dürften auch mit neuem Gesetz erneuert werden. Zum anderen läge es an den Gemeinden, aktiv zu werden und etwa individuelle Zonenpläne für gewisse Grundstücke zu gestalten.

Luca Wolf 

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.