Kanton Nidwalden greift den Kleinseilbahn-Betreibern unter die Arme

Die Nidwaldner Kleinseilbahnen werden nächstes Jahr von den Kontrollgebühren befreit. Der Präsident des Seilbahnverbandes Nidwalden spricht von einer spürbaren Hilfe.

Matthias Piazza
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Ueli Schmitter, Präsident des Seilbanverbandes Nidwalden, schickt mit seiner Brändlenbahn eine Mülltonne ins Tal.

Ueli Schmitter, Präsident des Seilbanverbandes Nidwalden, schickt mit seiner Brändlenbahn eine Mülltonne ins Tal.

Bild: Ruedi Wechsler (Wolfenschiessen, 13. Juli 2018)

Die Besitzer von Kleinseilbahnen in Nidwalden müssen die Kontrollgebühren ab 2021 nicht mehr bezahlen. Der Kanton übernimmt die jährlichen Gebühren für die Kontrolle durch das Interkantonale Konkordat über Seilbahnen und Skilifte (IKSS). Das hat die Nidwaldner Regierung im Rahmen der Seilbahnförderungsstrategie im vergangenen Jahr beschlossen. Damit stellt sie die Kleinseilbahnen mit den grossen, national konzessionierten Bahnen gleich. Ueli Schmitter, Präsident des Seilbahnverbandes Nidwalden, spricht von einem wertvollen finanziellen Beitrag. «Die Gebühren für die jährlichen Kontrollen schlugen je nach Grösse der Bahn mit gut 1000 Franken bis 2500 Franken zu Buche. Das konnte einen Kleinseilbahnbetreiber, der jährlich vielleicht nur 1000 Franken Umsatz mit seiner Bahn macht, ziemlich belasten», weiss Ueli Schmitter, der selber die Luftseilbahn Brändlen oberhalb Wolfenschiessens betreibt.

Verband schult seine Mitglieder regelmässig

Auf Anregung des Kantons hat der Seilbahnverband Nidwalden eine jährliche Schulung für seine Mitglieder ins Leben gerufen. Diesen Sommer ging es um die visuelle Seilkontrolle. Die Seilbahnbesitzer lernten, wie sie äusserliche Veränderungen feststellen können, verursacht etwa durch Blitz oder Sturm. Auch erhielt jedes Mitglied für den Seilbahnalltag eine persönliche Schutzausrüstung. Sie beinhaltet unter anderem doppelte Sicherungsleinen mit Karabinern, Helm und Stirnlampe. «Mit der jährlichen Weiterbildung stärken wir das Verantwortungsbewusstsein und die Fachkompetenz der Betreiber», sagt Ueli Schmitter. Auch erkenne man dank der Schulung rechtzeitig, wenn sich an der Seilbahn Investitionen aufdrängten.

Vom Angebot des Kantons, Gelder aus den Mitteln der Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP) dafür zu verwenden, habe man bisher zwar keinen Gebrauch gemacht. «Wir müssen das jährliche Ausbildungskonzept noch richtig aufziehen. Dann kennen wir auch den finanziellen Bedarf.» Die rund 20'000 Franken für die Schutzausrüstung steuerte der Verein «Freunde der Kleinseilbahnen» bei, der 2017 gegründet wurde, um den Nidwaldner Kleinseilbahnen finanziell und ideell unter die Arme zu greifen. Er zählt mittlerweile rund 1700 Mitglieder.

Zurückhaltender äussert sich Ueli Schmitter zur Idee der Regierung, durch die kantonalen Denkmalpflege Seilbahnen unter Schutz zu stellen. «Hier stellt sich die Frage, was genau unter Schutz gestellt werden soll: die Kabine, die Seilbahnstation?» In diesem Bereich sei noch nichts spruchreif.

Sie gaben Nidwalden den Namen Seilbahnkanton

Mit der kantonalen Seilbahnförderungsstrategie, die der Regierungsrat am 18. Februar des vergangenen Jahres definierte, will der Kanton die Kleinseilbahnen am Leben erhalten. Das ist nicht weiter verwunderlich. Denn die Bahnen prägen das Landschaftsbild in Nidwalden, gehören zum Kulturgut und haben dem Kanton gar den Namen Seilbahnkanton verliehen. Kleinseilbahnen stammen häufig aus einer Zeit, als höher gelegene Liegenschaften noch nicht mit Strassen erschlossen waren. Kinder benutzen diese Bahnen auf ihrem Schulweg. Aber auch Wanderer steigen ein, um ihren Weg abzukürzen.

Doch den Kleinseilbahnbetreibern, die häufig Landwirte sind, blies in der Vergangenheit ein eisiger Wind entgegen. Sie kämpften ums wirtschaftliche Überleben. Immer strengere Vorschriften, immense Investitionen und viel Administration brachten sie an ihre Grenzen. Die Existenz schien gefährdet. Mitte des 20. Jahrhunderts waren mehr als 40 Berg- und Alpbetriebe in Nidwalden mit einer Kleinseilbahn erschlossen. Heute gibt es noch gut zwei Dutzend solcher Seilbahnen, die höchstens acht Personen pro Kabine transportieren dürfen und deren Betrieb nicht an einen Fahrplan gebunden ist.

Gemäss Ueli Schmitter habe sich das Blatt nun zum Guten gewendet, auch dank der Kleinseilbahn-Lobbyisten, die auch dazu beigetragen hätten, dass das Thema auf die politische Agenda gekommen sei. «Politik und Öffentlichkeit nehmen uns wahr und sind sich nun unserer Rolle als Betreiber eines Nidwaldner Kulturgutes bewusst.»

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Die Luftseilbahn Brändlen wurde vor knapp 40 Jahren von Familie Schmitter gebaut. Sie dient noch heute den Bauernfamilien, Gleitschirmfliegern, Wanderern und Schulkindern. Der Besitzer Ueli Schmitter schaut täglich, dass die Bahn reibungslos läuft.
Ruedi Wechsler