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KANTONE: Wer Medikamente braucht, rennt an

Anders als in Luzern sind Apotheken in Ob-und Nidwalden an Sonn- und Feiertagen zu. Das hat Folgen für die Spitäler. Ein Apotheker präsentiert nun eine Lösung.
Markus von Rotz
Walter Odermatt zieht ein Medikament aus dem Regal. Seine Löwen Apotheke in Sarnen ist 64 Stunden pro Woche offen, nicht aber an Sonn- und Feiertagen. (Bild: Markus von Rotz / Neue NZ)

Walter Odermatt zieht ein Medikament aus dem Regal. Seine Löwen Apotheke in Sarnen ist 64 Stunden pro Woche offen, nicht aber an Sonn- und Feiertagen. (Bild: Markus von Rotz / Neue NZ)

Markus von Rotz

Man braucht dringend am Wochenende ein Medikament, spezielles Verbandsmaterial oder weilt als Gast in Ob- oder Nidwalden und hat sein Medikament zu Hause vergessen. Wem dies an einem Sonntag oder wie jetzt an einem langen Wochenende mit anschliessendem Feiertag passiert, der hat Pech: Kann er nicht bis am nächsten Werktag warten, gibt es nur den Weg nach Luzern zur offenen Apotheke im Bahnhof – oder den aufwendigeren Besuch beim Notfall-Hausarzt oder im Spital. Letztere beiden Varianten sorgen aber beim Patienten für Folgekosten.

Weil es sich wirtschaftlich für Apotheken nicht lohne, an solchen Tagen zu öffnen, «suchen Patienten die Notfallpraxen auf und generieren so zusätzliche Kosten», sagt dazu Nina Meyer, Sprecherin der Krankenkasse CSS.

«Versorgung wird gefährdet»

Die je drei Apotheken in den beiden Kantonen Ob- und Nidwalden haben nur werktags offen. Die grosse Ausnahme findet sich in Engelberg – allerdings ist hier die Apotheke nur im Winter sonntags teils geöffnet.

Der Grund ist schnell gefunden. Die beiden Kantone kennen die Selbstdispensation. Will heissen: Die Hausärzte führen auch selber Apotheken und geben Medikamente direkt ab. Dies allerdings nicht zur Freude der Apothekervereinigung Pharma­suisse. Diese Praxis könne «schwerwiegende Folgen für die Grundversorgung haben», schreibt die Organisation. Weiter heisst es: «Einerseits zerstört die Selbstdispensation das Apothekennetz, anderseits können viele Arztpraxen aufgrund des Hausärztemangels ihre Nachfolge nicht regeln. Somit wird sowohl die medizinische als auch die pharmazeutische Versorgung gefährdet.»

Walter Odermatt von der Löwen-Apotheke Sarnen und Präsident der Nidwaldner, Obwaldner und Urner Apotheker formuliert es nicht so hart, bestätigt aber den Zusammenhang: «Da wir im Kanton Obwalden Selbstdispensation haben, gibt es im Sarneraatal nur zwei Apotheken und in Engelberg eine. Ein Notfalldienst würde bedeuten, dass nur zwei Apotheken abwechselnd Notfalldienst machen müssten, was zu aufwendig ist. Unsere normalen Öffnungszeiten betragen jetzt schon 64 Stunden pro Woche.» Gleichwohl wäre Odermatt offen für eine bessere Lösung. «Ich könnte mir vorstellen, in einem gewissen Turnus Notfalldienst zu leisten, wenn dies erwünscht ist und einem Bedürfnis der Kunden entspricht», sagt er. Das ginge aber nur, wenn man es auf mehrere Schultern – sprich Betriebe – verteilen könnte. «Das heisst, dass auch die Ärzte partizipieren müssten. Da diese aber bereits Notfalldienst leisten, wäre das sicherlich eine grosse zusätzliche Belastung.» Vorderhand bleibt den Obwaldnern also neben der Fahrt nach Luzern nur der Ausweg über den Notfalldienst der Hausärzte, den die Ärzte im Kanton im Turnus am Kantonsspital in Sarnen ausüben.

Unnötig im Spital

Leicht anders präsentiert sich die Situation in Nidwalden: Hier bieten die Hausärzte alternierend einen Pikettdienst mit einer speziellen Notfallnummer an. «Mit Bagatellfällen sollte man zuerst zum Hausarzt, auch weil dieser die Krankengeschichte kennt», sagt Urs Baumberger, Direktor des Kantonsspitals Nidwalden. «Wir informieren unsere Notfallkunden jeweils darüber, letztlich aber liegt der Entscheid beim Patienten, wenn er allenfalls nicht warten will oder kann.»

Das Obwaldner Kantonsspital hat keinen eigenen Apotheker vor Ort und darf auch nicht einfach so Medikamente herausgeben – im Gegensatz zum Notfallhausarzt. Ähnlich ist es in Stans. Baumberger: «Braucht jemand Medikamente, erhält man die bei uns nicht einfach so, weil wir keine öffentliche Apotheke führen dürfen. In einem solchen Fall muss die Person als Notfallpatient angenommen, registriert, befragt und vielleicht untersucht werden.» Warum der Aufwand für den Spitalarzt grösser ist als für den Hausarzt, begründet Baumberger so: «Weil unser Arzt die Vorgeschichte nicht kennt, muss er den Patienten mehr fragen, als sein Hausarzt mit entsprechender Erfahrung es müsste. Dieser Patient oder seine Versicherung bezahlt dann auch zusätzlich zur Behandlung eine Notfallpauschale.» Dieser Grundcheck sei nötig, «weil unser Arzt ja auch die Verantwortung dafür trägt», wie er entscheide und was er verschreibe.

Wartezeiten

Hausärzte oder deren Notfalldienst seien immer vorzuziehen, so Baumberger weiter, «damit wir nur bei Nicht-Bagatellfällen zum Zug kommen». Dies sei auch im Interesse der wirklich dringenden Patienten, die sonst unter Umständen Wartezeiten hinnehmen müssen und dies oft nicht verstehen. Aber auch Patienten mit typischen Hausarztanliegen wie einer Angina würden oft nicht verstehen, dass sie im Spital wegen der «echten Notfälle» warten müssen, so Baumberger. Das Notfalltelefon der Nidwaldner Hausärzte wird übrigens nachts von 22 bis 7 Uhr – auch unter der Woche – ans Spital umgeleitet. Baumberger: «Wir entscheiden dann, ob eine sofortige Behandlung nötig ist oder die Person bis am anderen Tag warten kann. Selbstverständlich kann jede Person direkt auf den Notfall kommen, wenn sie es für notwendig hält.» Manchen Patienten würde eine Selbsteinschätzung indes schwerfallen. Dennoch: Laut dem Spitaldirektor ist bei mehr als 70 Prozent dieser Patienten eine umgehende Konsultation tatsächlich zwingend.

Seitens des Kantonsspitals Obwalden heisst es, es sei natürlich unschön, wenn Patienten an einem Sonn- oder Feiertag nach Luzern reisen müssten. Aber die Hausärzte würden darauf achten, dass das Kantonsspital nicht Apotheke spiele. Hier öffnet Apotheker Walter Odermatt eine Türe: «Eine Idee wäre ein Medikamentennotfalldienst unter Aufsicht eines Arztes oder Apothekers am Kantonsspital. Das wäre dann immer derselbe Ort und für die Kunden einfach.» Dies würde auch eine Aufnahme als Patient selbst in einem Bagatellfall unnötig machen und die Kosten für Notfälle senken.

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