KAPUZINERINNENKLOSTER STANS: Eine Karrierefrau ist als Chefin ungeeignet

Schwester Susanna tritt im Kloster Stans die Nachfolge der Oberin Mirjam an. Sie hat Respekt vor der neuen Aufgabe und hofft, im Amt zu wachsen.

Drucken
Teilen
Schwester Mirjam Liem (links) gibt nach 21 Jahren die Leitung des Franziskanerklosters St. Klara ab. Neu gewählt wurde Schwester Susanna-Maria Barmet. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

Schwester Mirjam Liem (links) gibt nach 21 Jahren die Leitung des Franziskanerklosters St. Klara ab. Neu gewählt wurde Schwester Susanna-Maria Barmet. (Bild Urs Rüttimann/Neue NZ)

«Eine junge Frau mit neuen Ideen soll jetzt das Kloster leiten», ist Schwester Mirjam Liem überzeugt. 21 Jahre leitete sie das Geschick des Klosters St. Klara in Stans. Gerne hätte die 64-Jährige die Führung bereits früher an eine ihrer Mitschwestern abgetreten, damit das Klosterleben nicht, wie sie sagt, «plötzlich ungewollt festfährt». Mit der Übergabe der Leitung an die 40-jährige Schwester Susanna-Maria Barmet ist nun, ganz nach ihrem Wunsch, ein Generationenwechsel vollzogen worden.

Grenzen aufgezeigt und einen Kurs besucht
Viele der Klostergemeinschaft hofften, dass Schwester Susanna, die ja bereits die stellvertretende Leitung innehatte, das Chefamt annehmen würde. Ihrem vorsichtigen und abwägenden Naturell entsprechend, thematisierte sie die Wahlen zuerst an einer Supervision der Klostergemeinschaft. «Ich habe damals offen darüber geredet, wo meine Grenzen sind und für welche Aufgaben ich Verantwortung übernehmen kann.»

Zusätzlich besuchte Schwester Susanna vorgängig am Institut der Orden in Limburg und Stuttgart einen Kurs, der auf die Führungsaufgaben vorbereitet, um sich auf die Rolle als Leiterin einzustimmen. «Im Gegensatz zur Welt draussen betonen wir nicht die Leistung. Vielmehr steht hier der Dienst am Mitmenschen, das Dasein in der Klostergemeinschaft im Mittelpunkt», verdeutlicht Schwester Mirjam. Entsprechend werde sicherlich keine Person gesucht, die nach Karriere strebe.

Die 21 Schwestern haben unterschiedliche Dienste
In ihrer neuen Funktion muss Schwester Susanna einen Blick fürs Ganze beweisen. Von dem Küchendienst und der Krankenpflege über den Gebäudeunterhalt und die Bewirtschaftung des grossen Gartens bis hin zum Pfortendienst und der internen Weiterbildung wird die als Frau Mutter bezeichnete Oberin zukünftig zusammen mit den Schwestern das Klosterleben koordinieren.

Dabei umfasst ihr Betrieb 21 Schwestern im Alter von 36 bis 93 Jahren, die je nach Können, Neigung und körperlicher Verfassung unterschiedliche Dienste ausüben. «Für drei Jahre kann ich meine Eignung ausprobieren und am Amt wachsen», kommentiert sie mit einem noch etwas mulmigen Gefühl ihre neue Aufgabe.

«Die Sehnsucht nach einem Mann ist natürlich»
Zeitweise können am Klosterleben in Stans auch «Gäste» teilnehmen. Frauen beispielsweise, die für ein bis zwei Wochen zu ihrem Alltag Distanz nehmen wollen, um eine neue Sicht auf ihr Leben zu gewinnen. «Erwartet wird, dass die Gastfrauen an den gemeinsamen Gebets- und Mahlzeiten teilnehmen», sagt Schwester Mirjam. Zuvor sollen sie telefonisch oder brieflich mit dem Kloster Kontakt aufnehmen.

Kandidatinnen sollen den Entscheid, ins Kloster einzutreten, reifen lassen, raten Schwester Susanna und Schwester Mirjam. Erste persönliche Krisen wohl überstanden und bereits im Berufsleben gestanden zu haben, bewerten sie als gute persönliche Erfahrungen. Trotzdem: Kann eine besonnene Entscheidung dann im Kloster vor jedem Zweifel befreien? Sie überlege sich schon hie und da, ob eine selbstständige Berufstätigkeit sie glücklich gemacht hätte, antwortet Schwester Susanna. «Und selbst auch die Sehnsucht nach einem Mann ist natürlich.»

Urs Rüttimann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Nidwaldner Zeitung.