«Tellsprung» sorgt für Erleichterung bei den Einwohnern von Kehrsiten

Tagsüber ist auf der Kehrsitenstrasse für einige Monate kein Durchkommen mehr. Nun springt die Autofähre in die Bresche.

Urs Hanhart
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Die Autofähre beim Andockmanöver in Stansstad.

Die Autofähre beim Andockmanöver in Stansstad.

Bild: Urs Hanhart
(Stansstad, 26. Oktober 2020)

Die Strasse zwischen Kehrsiten und Stansstad wird derzeit saniert. Deshalb muss sie tagsüber von 8 bis 17 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Um die Verbindung trotzdem zu gewährleisten, wird nun die Autofähre Tellsprung eingesetzt, die sonst im Sommer zwischen Beckenried und Gersau pendelt.

Gestern fand bei sehr trübem und regnerischem Wetter die Jungfernfahrt statt, an der auch Baudirektor Josef Niederberger und der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss teilnahmen. Bei der Anlegestelle in Stansstad hielt sich der Andrang erwartungsgemäss noch in Grenzen. Lediglich ein Geländewagen und ein dreirädriges Kleinfahrzeug mit Ladepritsche wurden bei der allerersten Fahrt nach Kehrsiten transportiert. Bei der Rückfahrt hingegen änderte sich das Bild: Neun Lenker von Autos und mehrere Fussgänger nutzten die Möglichkeit, über den ungewohnten Seeweg nach Stansstad zu gelangen. Für einen Weg benötigt die 54,7 Meter lange und 10,8 Meter breite «Tellsprung», die über 600 PS und eine Maximalgeschwindigkeit von 19 Stundenkilometern verfügt, rund 15 Minuten.

Das sind die ersten Nutzer des Gratisangebots.

Das sind die ersten Nutzer des Gratisangebots.

Bild: Urs Hanhart
(Stansstad, 26. Oktober 2020)

Sie nimmt auch Velofahrer und Fussgänger mit an Bord

«Ich bin sehr froh und glücklich, dass wir heute mit dieser Fähre die Jungfernfahrt absolvieren dürfen», freute sich Regierungsrat Niederberger, und er fügte noch an: «Es brauchte lange Prozesse, um dieses Vorhaben zu verwirklichen.» Die «Tellsprung» ist nicht nur für die Einwohner von Kehrsiten im Einsatz, wie der Magistrat betonte: «Für Nichtanwohner macht es sicherlich nicht viel Sinn, die Fähre mit dem Auto zu benutzen. Hingegen kann ich mir gut vorstellen, dass viele Velofahrer und Fussgänger diese Transportmöglichkeit in Anspruch nehmen werden.» Die «Tellsprung» fährt im Halbstundentakt, das heisst alle 30 Minuten legt sie entweder in Stansstad oder Kehrsiten ab. Gestartet mit dem Fährbetrieb wird jeweils um 8 Uhr morgens und anschliessend wird er bis 17 Uhr aufrechterhalten. In der übrigen Zeit, das heisst von 17 bis 8 Uhr, ist die Strasse jeweils offen. «Es gibt nach wie vor eine Baustelle, und es könnte etwas unangenehm sein. Aber man kann die Strasse befahren», so Niederberger.

Strassenersatz: Benützung der Fähre ist gratis

Durch die Tatsache, dass jetzt in einer Schicht pro Tag und nicht im Mehrschichtbetrieb an der Kehrsitenstrasse – die bereits 140 Jahre auf dem Buckel und dementsprechend gelitten hat – gearbeitet wird, konnten die Kosten optimiert werden. Das Gesamtprojekt beläuft sich auf 16,4 Millionen Franken. Die Kosten für den Fährbetrieb, der als Strassenersatz gilt und deshalb gratis ist, bezifferte der Baudirektor auf rund 2 Millionen Franken, inklusive Erstellung der beiden Andockstationen. Das Sanierungsprojekt erstreckt sich bis im Mai 2022, wobei von November 2020 bis April 2021 und von Oktober 2021 bis Mai 2022 gebaut wird. In der zweiten Etappe soll es Bauphasen mit Totalsperrungen geben, weil die Fahrbahn teilweise komplett weggeräumt und neu aufgebaut werden muss.

Autofähre Stansstad-Kehrsiten: Auf der Jungfernhinfahrt war sie nur spärlich besetzt.

Autofähre Stansstad-Kehrsiten: Auf der Jungfernhinfahrt war sie nur spärlich besetzt.

Bild: Urs Hanhart
(Kehrsiten, 26. Oktober 2020)

Sollte die Axenstrasse wieder einmal gesperrt sein und die Autofähre für ihren gewohnten Kurs Beckenried–Gersau benötigt werden, könnte die Baustelle auf der Kehrsitenstrasse kurzfristig vorübergehend geschlossen werden – oder es würde ein Bootsersatz aufgezogen.

Gemeindepräsident Plüss erachtet den Fährbetrieb als sehr gute Lösung. Er betonte:

«Die Nachfrage vor allem von Seiten der Pendler ist zweifellos vorhanden.»

«Für die Einwohner von Kehrsiten ist es ein gutes Transportkonzept.» Dank der Fähre würden sie mit ihren Einkäufen nun auch in der kalten Jahreszeit bis vor ihr Haus fahren können. Falls jemand einen Monteur für eine defekte Heizung oder einen Geschirrspüler benötige, sei nun Gewähr geboten, dass dieser auch kommt, zumal er dank der Fähre mit seinem Fahrzeug bis zum Kunden gelange.

Erleichterung herrschte bei einem der ersten Benutzer der «Tellsprung», ein Einwohner von Kehrsiten, der allerdings nicht namentlich genannt werden wollte. Meinte er doch: «In den letzten drei Wochen war es eine Katastrophe. Wenn man vor 8 Uhr von Kehrsiten her nach vorne gefahren ist und kurz etwas erledigen musste, hatte man eine lange Wartezeit und sich bis 12 Uhr zu gedulden, um wieder zurückzufahren. Die Fähre ist eine gute Lösung. Damit können alle leben.»