KEHRSITEN: Bittgebete für alles Mögliche

Wenn die Kehrsiter Anfang Mai den «Chäfersunntig» feiern, ist das nicht einfach ein Käferfest, sondern hat einen ernsten Hintergrund. Eine Maikäferplage suchte den Ort vor ein paar Jahrzehnten heim.

Edi Ettlin
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Von der Kapellentreppe aus segnet Pfarrer Walter Burch die Fahrzeuge. (Bild: Edi Ettlin (Kehrsiten, 7. Mai 2017))

Von der Kapellentreppe aus segnet Pfarrer Walter Burch die Fahrzeuge. (Bild: Edi Ettlin (Kehrsiten, 7. Mai 2017))

Wie Petra Barmettler, Präsidentin des Kapellrats, erzählt, ist es einige Jahrzehnte her, dass eine Maikäferplage den Ort heimgesucht hat. Nachdem die gefürchteten Folgen für die Landwirtschaft abgewendet werden konnten, führten die Kehrsiter zum Dank eine Flurprozession ein. Der Brauch hat sich mit Anpassungen bis heute erhalten.

Verschiedene Transportmittel gesegnet

Weil der Bau der Wallfahrts­kapelle auf die Rettung zweier ­Fischer aus Seenot zurückgeht, wurden bei dieser Gelegenheit jeweils auch Boote gesegnet. Später erweiterte man diesen Segen auf alle möglichen Transportmittel. Der Kehrsiter Roland Blättler erinnert sich an seine Kindheit: «Mein Bruder und ich haben jeweils zu dem Anlass sogar das Dreiradvelo geputzt und mit Blumen verziert.»

So konnte Pfarrer Walter Bucher gestern vier Boote, mehrere Autos, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Motorräder segnen. Dabei deutete der pensionierte Seelsorger an, dass er bei einem Töff durchaus auf die Pferdestärken achte. Dem Gottesdienst und der Segnung vorangegangen war die eigentliche Prozession mit Kreuz und Fahnen zum Feuerwehrlokal und in die Spichermatt. Trotz des schlechten Wetters ­hatten sich rund 40 Personen eingefunden, um Gottes Segen für Feld und Flur und alle möglichen Lebensbereiche zu erbitten.

«Ich bin mit dem Aufmarsch sehr zufrieden», meinte Petra Barmettler beim anschliessenden Apéro. Dass möglichst viele Leute teilnehmen können, sei dem Kapellrat ein grosses Anliegen. Dies ist auch der Grund, weshalb der Brauch vor Jahren vom ehemals schulfreien Käfermontag zum Käfersonntag umgestaltet wurde.

Edi Ettlin

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch