KEHRSITEN: Die Felsenschwalbe liebt das Schotterwerk

Das Schotterwerk im Steinbruch Zingel wurde für die Arbeit zu Gunsten der Natur ausgezeichnet. Die bedrohte Felsenschwalbe freuts.

Sandro Portmann
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Beat Haller von der Stiftung Natur und Wirtschaft. (Bilder Sandro Portmann)

Beat Haller von der Stiftung Natur und Wirtschaft. (Bilder Sandro Portmann)

Sie steht auf der Liste der bedrohten Tierarten: die Felsenschwalbe. Im Schotterwerk Kehrsiten fühlt sie sich aber äusserst wohl. «Die Population hier hat in den letzten Jahren stark zugenommen», weiss Beat Haller vom Verband Schweizerischer Kies- und Betonwerke. Der heimische Vogel mag die zerklüfteten Felsen, die durch den Abbau von Kies entstanden sind. Genaue Zahlen kennt Haller zwar nicht, er schätzt aber, dass zwischen 50 und 100 der Vögel hier in den Felsen leben.

Das ist beachtlich, denn schweizweit gibt es laut Haller nur noch etwa 4000 Brutpaare. Er berät die Firma Holcim, wie sie das wirtschaftlich genutzte Gelände naturnaher gestalten kann. Das wird durch verschiedene Massnahmen erreicht. Zum Beispiel in der Fauna. Unerwünschte und nicht heimische Pflanzen werden bekämpft und an ihrer Stelle heimische gepflanzt. «Je grösser die Pflanzenvielfalt ist, desto mehr Tiere werden dadurch angelockt», erklärt Haller. Die Baustelle wird so zur artenvielfältigen Naturoase.

«Aufwand ist gross»

Für dieses Engagement wurde das Schotterwerk dieser Tage ausgezeichnet. Die Stiftung Natur und Wirtschaft – die 1995 vom Bundesamt für Umwelt gegründet wurde – zertifizierte das Schotterwerk. «Anders als Naturschutzorganisationen versuchen wir, nicht die Naturschutzzonen zu erhalten, sondern die Natur ins Siedlungsgebiet zurückzuholen», erklärte Reto Locher, Geschäftsführer der Stiftung. Rund 340 Betriebe wurden bereits zertifiziert, davon 100 Abbauwerke. Auch Locher freut sich sehr über den Einzug der Felsenschwalbe. «Ich habe vorher noch nie eine in der Natur gesehen», sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Mit der Zertifizierung geht das Schotterwerk Kehrsiten mit seinen zehn Vollzeit-Mitarbeitern auch eine Verpflichtung ein. So wird sich die Stiftung alle fünf Jahre persönlich vor Ort über den Fortschritt der Massnahmen erkundigen. Jährlich muss das Werk zudem schriftlich der Stiftung Rapport abgeben. «Das Zertifikat ist eine Verpflichtung», sagt auch der Werkleiter Karl Feierabend.

Der Aufwand dafür, dass sich Baustelle und Natur im Einklag befinden, sei gross. Zum Beispiel bei der Bekämpfung des violetten Sommerflieders, eines unerwünschten Neophyten. «Ein Experte muss im hängenden Seil die Pflanze in der Felswand bekämpfen», erklärt Feierabend. Das jährliche Budget für die Neophytenbekämpfung beträgt rund 20 000 Franken. Der Aufwand sei dennoch gerechtfertigt, findet der Werkleiter: «So können wir sicher sein, dass wir das Richtige machen.»

Früchte können geerntet werden

Bereits während des Kiesabbaus werden die Flächen renaturiert. Am Seeufer befindet sich beispielsweise ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Hier hat mittlerweile der Feuersalamander seinen Platz gefunden. Mitten im Werkareal ragt ein bewachsener Hügel aus Stein empor. «Hier sehen wir, dass unsere Massnahmen bereits Früchte tragen», sagt Werkleiter Karl Feierabend. Vor kurzem sei der Hügel noch voller Neophyten gewesen. «Heute leben die verschiedensten Tiere hier.»

Es ist bereits das zweite Nidwaldner Holcim-Werk, das von der Stiftung Natur und Wirtschaft zertifiziert wurde. Im Juli 2014 wurde das Kies- und Betonwerk Ännerberg ausgezeichnet.