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KEHRSITEN: Ein Video soll den Landrat aufrütteln

Den Anwohnern gehts nicht schnell genug: In ihrer Forderung für eine sicherere Kehrsiten­strasse greifen sie zu einem unkonventionellen Mittel.
Sandro Portmann
Oktober 2013: Auf einen Steg an der Kehrsitenstrasse donnerte ein Stein nieder (Bild: PD)

Oktober 2013: Auf einen Steg an der Kehrsitenstrasse donnerte ein Stein nieder (Bild: PD)

Auf der Kehrsitenstrasse fährt die Angst mit. Viele der rund 300 Einwohner im Ortsteil befürchten, von herabfallenden Steinen getroffen zu werden, wenn sie auf der einzigen Verbindungsstrasse fahren. Einer von ihnen ist Armin Späni. Es sei ein mulmiges Gefühl, sagt er bei einem Spaziergang entlang der Strasse. «Mit dem Velo fahre ich nicht mehr auf dieser Strasse», bemerkt er. Bei Gewitter und Wind verzichtet er auch auf das Auto. Das kommt nicht von ungefähr: «Beinahe täglich prasseln faustgrosse, nicht selten auch mehrere Kilo schwere Steine herab», wie er sagt. Einmal habe ihn einer nur knapp verfehlt. So wie ihm geht es vielen Kehr­sitern, die wegen ihrer Arbeit auf ihre Verbindungsstrasse angewiesen sind.

Das Problem Steinschlag auf der Kehrsitenstrasse ist seit Jahren bekannt. Viele Fälle – darunter auch Unfälle mit Autos – sind schriftlich und fotografisch dokumentiert, über 1000 Dellen im Belag zeugen von den kiloschweren Brocken, die bereits herabgestürzt sind.

Im letzten April wurde eine Person von einem herabstürzenden Stein am Kopf getroffen und musste ärztlich behandelt werden. Seit neun Jahren arbeitet der Kanton an einem Konzept, um die Gefahr zu entschärfen und die Strasse zu sanieren. Mehrere Sicherungen hat er bereits als «Sofortmassnahme» umgesetzt. Die letzte im Dezember 2014, als er eine lose Felspartie oberhalb des Festungsmuseums für rund 30 000 Franken gesichert hat.

«Sicherheit muss Vorrang haben»

Für den Kurverein kommt das Projekt des Kantons zu schleppend voran. «Es ist nicht so, dass wir die Arbeiten des Kantons nicht anerkennen, aber es gibt noch viele Stellen, an denen noch nichts gemacht wurde», sagt Milena Bächler, Präsidentin des Kurvereins. «Die Sicherheit muss Vorrang haben.» Das sieht auch Vorstandsmitglied Roland Blättler so. «Muss erst ein tödlicher Unfall passieren, bevor etwas gemacht wird?», ärgert er sich und zieht den Vergleich zur Autostrasse A 8 von Alpnach bis Sarnen.

Nun will der Kurverein erneut auf das Problem aufmerksam machen. Blättler hat vergangenen Herbst ein achtminütiges Video gedreht. Es zeigt eine Autofahrt entlang der Kehrsitenstrasse. Bilder von Unfällen werden an der jeweiligen Stelle eingeblendet und zeigen eindrücklich auf: So richtig sicher ist man auf den zwei Kilometern nirgends.

Forderung mit Kurzfilm bekräftigt

Das Video hat der Verein für den Landrat zusammengestellt. Dieser wird letztlich über das weitere Vorgehen entscheiden müssen. «Wir wollen die Landräte aufrütteln. Das Video soll ihnen aufzeigen, dass rasch etwas gemacht werden muss», erklärt Bächler. Es sei nicht geplant, das Video öffentlich zu machen. Der Kurzfilm endet mit dem Satz: «Sicherheitsmassnahmen sind zügig umzusetzen, bevor grösseres Unheil passiert.» Das Video wurde im vergangenen November an die Nidwaldner Landräte per Mail verschickt. Wie die Präsidentin sagt, sei der Rest des Strassensanierungskonzeptes zweitrangig. «Je ein Schutznetz entlang dem General-Guisan-Quai und durchgehend vom Fischerrank bis zur Galerie würde die Situation bereits entschärfen.» Nur warten möchte man in Kehrsiten nicht mehr.

Projekt verzögert sich

Beim Kanton ist der Nidwaldner Baudirektor Hans Wicki zuständig. Er ist sich der Steinschlag-Problematik bewusst, wie er auf Anfrage sagt. «Wir müssen etwas machen – und wir wollen etwas machen.» Doch das Projekt ist noch nicht so weit fortgeschritten, wie noch vor einem Jahr gehofft. So war im April 2014 die Rede, dass Anfang 2015 das Projekt bereit sein dürfte. Das ist nicht der Fall. Grund für die Verzögerung sind laut Wicki die unterschiedlichen Bedürfnisse, die beim Projekt aufeinander abgestimmt werden müssten. So ist das Gesamtprojekt in die vier Bereiche Sicherheit, Verkehr, Strassenzustand und Amphibien unterteilt. Erschwerend komme der Landschaftsschutz hinzu. Diese Koordination brauche Zeit. Trotzdem: «Es ist besser, gut zu planen, wenn dafür ein solides Projekt erarbeitet wird, das auch politische Akzeptanz findet», ist Wicki überzeugt.

Zurzeit würden mehrere Varianten geprüft. Die Optionen gehen von einer partiellen Verbreiterung der Strasse, um besser zu kreuzen, Steinschlagnetzen entlang der Strasse bis zu einer Erweiterung der bestehenden Galerie. Die Kosten sind ein wesentlicher Faktor. «Es ist wichtig, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt», so Hans Wicki.

So würden wohl einige Hoffnungen aufgrund der Kosten zurückgestuft werden müssen. Welche Massnahmen schliesslich umgesetzt werden, kann Wicki noch nicht sagen. Nur so viel: Die Minimalvariante würde rund 8 Millionen kosten, die Maximalvariante derzeit etwa 17 Millionen Franken.

2016 folgt Antrag an Landrat

Dem Kurverein ist zweitrangig, welche Variante umgesetzt wird. Hauptsache, die Sicherheit werde schnell gewährleistet. «Das Projekt ist auf gutem Weg», so Wicki. Er schätzt, dass ein generelles Projekt im März 2016 fertig sein sollte.

Nach einer zirka dreimonatigen Vernehmlassung bei verschiedenen Organisationen und Behörden ist geplant, dass der Regierungsrat im zweiten Halbjahr 2016 beim Landrat einen Antrag für einen Planungskredit stellen kann.

Im Februar 2011 landete ein rechter Brocken auf der Strasse (Bild: Kapo NW)

Im Februar 2011 landete ein rechter Brocken auf der Strasse (Bild: Kapo NW)

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