Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KEHRSITEN: «Es sind schon Rinder in den See gestürzt»

Jetzt werden doch vier zusätzliche Ausweichstellen auf der Kehrsitenstrasse gebaut. Damit geht für die Anwohner ein Herzenswunsch in Erfüllung. Sie erinnern sich an manch mühsame und brenzlige Situation.
Matthias Piazza
Die in den Jahren 1878/79 erbaute Kehrsitenstrasse am Vierwaldstaettersee zwischen Stansstad und Kehrsiten soll in den nächsten Jahren fuer mehrere Millionen Franken saniert und gesichert werden. (Bild: Urs Flüeler, Keystone / Kehrsiten, 17.6.2017)

Die in den Jahren 1878/79 erbaute Kehrsitenstrasse am Vierwaldstaettersee zwischen Stansstad und Kehrsiten soll in den nächsten Jahren fuer mehrere Millionen Franken saniert und gesichert werden. (Bild: Urs Flüeler, Keystone / Kehrsiten, 17.6.2017)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

«Zwei oder drei Rückspiegel sind sicher schon in die Brüche gegangen», sagt Gartenbauer Ernst Richli, wenn er auf seine elfjährige Tätigkeit in Kehrsiten zurückblickt. Doch damit ist jetzt Schluss. Am Mittwoch hat der Landrat, das Nidwaldner Kantonsparlament, entschieden, vier zusätzliche Ausweichstellen ins Sanierungsprogramm der Kehrsitenstrasse aufzunehmen. Er setzte sich damit gegen den Willen der Regierung durch, die auf die Zusatzkosten von 2,5 Millionen Franken verzichten wollte.

Die rund 300 Einwohner des Ortsteils Kehrsiten dürften ob des Entscheids allesamt aufatmen. Denn wer von Stansstad mit dem Auto nach Kehrsiten fahren will, braucht gute Nerven. Die in den 1870er-Jahren in den Felsen gesprengte Strasse schlängelt sich auf einer Länge von rund 4 Kilometern dem Ufer des Vierwaldstättersees entlang. An vielen Stellen ist sie schmaler als 3,2 Meter. Der Rettungsdienst des Kantonsspitals Nidwalden musste für Einsätze in Kehrsiten gar ein schmaleres Ambulanzfahrzeug anschaffen.

Problematisch wird es, wenn sich zwei Autos entgegenkommen. Der Inhaber von Richli Gartenbau und Gartenpflege in Kehrsiten muss mit seinem Lieferwagen mit Anhänger häufig nach Stansstad, sei es wegen Kunden oder um sich mit Material einzudecken. Er erlebte schon viele mühsame und teils gefährliche Situationen. «Meistens dann, wenn man unter Zeitdruck ist, kommt ein Auto entgegen.» Aufwendige, zeitraubende Rückwärtsmanöver waren die Folge. «Ich musste auch schon den Anhänger abkuppeln.» Um dem Problem aus dem Weg zu gehen, vor allem mit Anhänger, fährt er wenn möglich morgens um 5.30 Uhr nach Stansstad, weil dann nicht mit Gegenverkehr zu rechnen ist. «Ich bin sehr erleichtert, dass die Strasse nun ausgebaut wird. Denn solche Rückwärtsmanöver sind auch gefährlich.»

Erleichtert und höchst zufrieden

Von einem wichtigen Etappensieg spricht Andy Christen von der Begleitgruppe Kehrsiten­strasse. «Wir sind erleichtert und höchst zufrieden, dass wir den Landrat von der Notwendigkeit der Ausweichstellen überzeugen konnten.» Dazu habe sicherlich auch die Begehung vor Ort mit einigen Landräten beigetragen. «Mit der Verbesserung des Steinschlagschutzes und dem Ausbau der Strasse wird einem jahrzehntelangen Bedürfnis von uns Kehrsitern entsprochen.» Seit 2009 kämpft die Begleitgruppe für eine Verbesserung der Strasse. «Doch das Thema ist uralt, schon unsere Väter haben sich damit auseinandergesetzt. Ganze Baumaschinen und Rinder sind schon wegen der nicht ausreichenden Hangsicherung in den See gestürzt.» Und immer wieder lösen sich grössere und kleinere Felsblöcke und blockieren die Strasse. Doch mit dem neuen Entscheid ist für ihn das Kapitel nicht geschlossen. Mit etwas Sorge blickt er auf die einjährige Vollsperrung. «So lange war Kehrsiten noch nie über den Landweg von Stansstad abgehängt.» Die Regierung hat als frühesten Baubeginn Oktober 2019 angegeben.

Vor allem Auswärtige wissen nicht, wo kreuzen

«Der Entscheid des Landrats ist absolut in unserem Sinne», freut sich der Stansstader Gemeindepräsident Beat Plüss. Auch er streicht die Wichtigkeit der vier zusätzlichen Ausweichstellen hervor. «Viele Autofahrer, die die Kehrsitenstrasse benutzen, sind nicht ortskundig. Sie kennen im Gegensatz zu den Einheimischen die geeigneten Stellen zum Kreuzen nicht. Bei Gegenverkehr kommt es zu langen Rückstaus.» Wegen der Eröffnung des Bürgenstock-Resorts diesen Sommer geht Beat Plüss von noch mehr Fussgängern und Velofahrern aus, was Ausweichstellen umso wichtiger mache.

Mit dem Kanton erarbeitet die Gemeinde nun ein Konzept, um die Erschliessung von Kehrsiten und die Versorgung der Bevölkerung während der fast einjährigen Strassensperrung sicherzustellen. In Betracht gezogen wird eine Schiffsverbindung zwischen Stansstad und Kehrsiten. «Für die Gäste sind die zusätzlichen Ausweichstellen sicherlich ein Vorteil, vor allem im Winter, wenn die meisten mit dem Auto anreisen», ist Anne Kamber überzeugt, die bis am vergangenen Mittwoch Wirtin im Restaurant Mathisli in Kehrsiten war.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.