KEHRSITEN: Euphorie ist Ernüchterung gewichen

Die Pfahlbauersiedlung bleibt interessierten Besuchern weiterhin verborgen. Die Hürden sind grösser als anfänglich angenommen.

Matthias Piazza
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Taucher graben die Fundstätte bei Kehrsiten teilweise aus. Das Bild stammt von 2008. (Archivbild Thomas Oertle/PD)

Taucher graben die Fundstätte bei Kehrsiten teilweise aus. Das Bild stammt von 2008. (Archivbild Thomas Oertle/PD)

Die 2003 zufällig entdeckte Pfahlbausiedlung im Seegrund vor Kehrsiten aus dem 4. Jahrtausend vor Christus gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Bloss: Kaum einer nimmt Notiz davon. Denn vom Ufer des Vierwaldstättersees deutet nichts auf diesen kulturhistorischen Schatz in einigen Metern Tiefe hin. Und genau das ist das Problem, wie Peter Christen auf Anfrage sagt. Der ehemalige Stansstader Gemeindepräsident gehört einer Arbeitsgruppe an – bestehend aus Vertretern von Gemeinde, Museum, Kantonsarchäologie und Kurverein –, welche die Siedlung in irgendeiner Form für die Öffentlichkeit zugänglich machen wollte. Und nun, über zwölf Jahre nach der Entdeckung und vier Jahre nach der Ernennung zum Unseco-Weltkulturerbe, ist man nicht viel weiter.

Fahrverbot schränkt zusätzlich ein

«Die anfängliche Euphorie ist einer Ernüchterung gewichen», bringt es Peter Christen auf den Punkt. So habe man sich schnell von der Vorstellung verabschiedet, dass dereinst Hunderte von Touristen wegen der Pfahlbauersiedlung nach Kehrsiten strömen würden. «Die Voraussetzungen sind nicht gegeben. Nicht nur, weil sich die Attraktion unter der Wasseroberfläche befindet, sondern auch wegen der schlechten Erreichbarkeit mit dem Fahrverbot nach Kehrsiten.» Zudem fehlten das Geld und die Infrastruktur. «Es bräuchte Leute vom Fach, die die Besucher betreuen könnten», so Christen. Ganz aufgeben will die Arbeitsgruppe noch nicht. «Aber es fehlt die zündende Idee.» Als nächsten Schritt will man nun den Infopoint bei der Schifflände etwas ausbauen.

Grosser historischer Wert

Im Winter 2008 gruben Taucharchäologen die Fundstätte teilweise aus. Wegen des grossen historischen Werts wurden die Arbeiten durch den Schweizerischen Nationalfonds mitfinanziert. In der Schweiz waren solche Siedlungen zuvor einzig im Mittelland bekannt, nicht aber an Seen der voralpinen oder alpinen Region. In 6 bis 10 Metern Tiefe liegen mindestens zwei klar voneinander getrennte Kulturschichten aus der Jungsteinzeit übereinander.

Wer Informationen über die Pfahlbauersiedlung sucht, findet sie trotzdem – im Internet. Das Nidwaldner Museum hat auf seiner Website eine bebilderte Dokumentation zusammengestellt. «Eine solche Siedlung für interessierte Laien vor Ort museal spannend aufzubereiten, dürfte hingegen schwierig werden», sagt Stefan Zollinger, Vorsteher des Amtes für Kultur Nidwalden. «Zudem würden sich allzu viele Tauchgänge auch negativ auf die Siedlung auswirken», gibt er zu bedenken.

Matthias Piazza