Klassik und Romantik in Hergiswil

«Seeklang»-Konzert in Hergiswil begeisterte mit Beethoven und Brahms.

Primus Camenzind
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«Jesper Gasseling & Friends» spielen das erste Konzert der diesjährigen Seeklang-Reihe.

«Jesper Gasseling & Friends» spielen das erste Konzert der diesjährigen Seeklang-Reihe.

Bild: Primus Camenzind (Hergiswil, 29. Februar 2020)

Die Klassik-Reihe «Seeklang» startete am vergangenen Samstag in der Reformierten Kirche von Hergiswil ins vierte Veranstaltungsjahr und wird von der Kulturkommission der Gemeinde betreut. «Seit Beginn der Konzerte sind wir praktisch immer ausverkauft», berichtete der Gastgeber Christoph Heeb unserer Zeitung.

Der Erfolg der Reihe hat hauptsächlich mit Jesper Gasseling, einem jungen Geiger mit internationalem Flair zu tun. Obwohl er zurzeit seine finale Ausbildung als Solist in London absolviert, befindet sich sein musikalischer Wirkungskreis zu einem beträchtlichen Teil in der Zentralschweiz. Sein Beziehungsnetz aus jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt hat Gasseling vor allem im Umfeld der «Lucerne Festival Academy» aufgebaut. Inzwischen ist er nicht nur Veranstalter und Produzent der Kammermusikreihe Seeklang, sondern auch künstlerischer Leiter der klassischen Konzerte auf dem Bürgenstock Ressort.

Musiker mit Wurzeln in aller Herren Länder

Die Ensembles, welche jeweils die Reihe Seeklang bespielen, tragen den Namen «Jesper Gasseling & Friends» und bestehen – dem Wirkungskreis des Leaders entsprechend – aus Instrumentalisten internationaler Provenienz. Wenn auch die fünf Streicher des Eröffnungskonzertes allesamt in unseren Nachbarländern studieren und wirken, so finden sich ihre eigentlichen Wurzeln doch in Taiwan, San Francisco, Spanien, Russland und Holland.

Zur Aufführung vor dem mit rund 130 Personen ausverkauften Konzertraum gelangten Werke der klassischen und romantischen Epochen.

Den ersten Teil des rund 75 Minuten dauernden «Aufbruchs» prägte das «Quartett N. 5 A-Dur, op 18/5» von Ludwig van Beethoven (1770-1827). «Aufbruch deshalb, weil Beethoven mit fast allen musikalischen Traditionen seiner Zeit brach», meinte Jesper Gasseling in seiner Moderation. Allerdings sei dieses Quartett doch nicht so revolutionär wie andere aus der Feder des Meisters.

Facettenreiche Variationen und heitere Themen

Das im August 1799 komponierte Werk lebt von kraftvollen Passagen, faszinierenden Dialogen, facettenreichen Variationen und heiteren Themen. All diese besonderen Momente wurden vom Ensemble mit Hingabe, Dynamik und individueller handwerklicher Fertigkeit herausgearbeitet und äusserst wohlklingen gestaltet.

Es folgte Johannes Brahms (1833-1897) und dessen viersätziges Streichquintett Nr. 2 G-Dur, op. 111. «Es ist Zeit aufzuhören», notierte Brahms im Dezember 1890 auf einen Zettel an seinen Verleger. «Sie können damit Abschied nehmen von meinen Noten.» Umso mehr mag es das Publikum berührt haben, dass die fragliche Musik lebensbejahend, jugendlich, klangmalerisch und fröhlich daherkam. Das Werk ist phasenweise orchestral angelegt, mit weitgespannten Akkorden und einer beispiellosen Dynamik in allen Lagen. In der Interpretation von «Jasper Gasseling & Friends» vorgetragen, darf Brahms’ Quintett als echtes Meisterstück für ein Streichquintett gewürdigt werden.

Der Applaus der Musikfreunde war denn auch überschwänglich und verdient.

Weitere Konzerte der Reihe Seeklang Hergiswil: www.jespergasseling.com