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Kollegitheater Stans: Wenn Kleinigkeiten über das Schicksal entscheiden

Das Kollegitheater Stans landet mit dem Stück «Lola rennt» einen Vollerfolg. Regisseurin Noemi Wyrsch gelingt es, aus dem Kinofilm der Neunziger eine moderne und plakative Inszenierung auf der Bühne zu machen.
Marion Wannemacher
Lola (Julia Häberli) verspricht ihrer Freundin Manni am Telefon Hilfe. (Bild: PD)

Lola (Julia Häberli) verspricht ihrer Freundin Manni am Telefon Hilfe. (Bild: PD)

Kann eine einzige kleine Handlung über das Leben eines Menschen entscheiden? Im Stück «Lola rennt» geht es um diesen Schmetterlingseffekt und das Leben als deterministisches Konstrukt. «Woher seid ihr? Wohin geht ihr? Woher glaubt ihr zu wissen, was ihr glaubt?», fragt am Anfang ein Wissenschaftler ins Publikum, bevor er per Knopfdruck die Figuren des Stücks in Bewegung setzt. «Mich hat der Film und der Aspekt, dass eine Sekunde alles verändern kann, immer sehr fasziniert», sagt Regisseurin Noemi Wyrsch. So hat sie den mehrfach ausgezeichneten Kinostreifen «Lola rennt» aus dem Jahr 1998 als Stoff für die aktuelle Produktion des Kollegitheaters gewählt. Sie hat die Dialoge grösstenteils auf Mundart verfasst.

In ihrer Inszenierung bleibt die gebürtige Luzernerin, die bereits im Vorjahr mit der Inszenierung von «Alice im Wunderland» ein glückliches Händchen bewiesen hatte, nahe an der Filmvorlage von Tom Tykwer. In der Geschichte geht es um Manni (überzeugend gespielt von Xjljaana Grässl), im Stück eine junge Frau, die in der U-Bahn einen Plastiksack mit 100 000 Franken verliert. Das Geld stammt aus einem Deal. Sie muss es beim Boss abliefern, sonst wird sie sterben. In Panik ruft Manni aus der Telefonzelle ihre Freundin Lola an (gut gespielt von Julia Häberli). Sie will Manni helfen und das Geld beschaffen. Die Uhr tickt. Manni will genau 20 Minuten auf sie warten und sonst durch einen Überfall das Geld besorgen.

Requisiten in Übergrosse wirken originell

Drei verschiedene Varianten der 20 Minuten zeigen, wie eine Verkettung von Umständen das Leben der per Zufall involvierten Figuren dramatisch verändert. Eingeblendete Videos demonstrieren in plakativen, zusammengeschnittenen Szenen die möglichen Auswirkungen auf das Schicksal.

Je nach Variante endet eine Auseinandersetzung von Lolas Vater mit seiner Geliebten im Desaster oder in einer Versöhnung. Variante eins und zwei von Lolas und Mannis Geschichte gehen tödlich aus. Im einen Fall kommt Lola zu spät, platzt in den Überfall von Manni und wird von einem Polizisten erschossen. In Variante zwei wird Manni vom Rettungswagen überfahren.

Temporeich und dramatisch inszeniert Noemi Wyrsch den Filmstoff und fängt damit die Grundstimmung der schnellen und pulsierenden Grossstadtwelt ein. Hier herrscht Action, man merkt die Begeisterung der zehn Darsteller, neun von ihnen sind weiblich. Sie nutzen den Saal in der kompletten Länge, einen Teil der Bühne und die Empore. Witzig und originell wirken die eingesetzten Requisiten, teils in Übergrösse, teils en miniature. Ein überdimensionales Telefon, eine Telefonzelle, eine Theke mit Video-Leinwand, mehr braucht es nicht, um die unterschiedlichen Spielorte Strasse, Bus, Bank und Casino darzustellen. Bobbycars sind Rettungswagen. Und wie in den Comicsequenzen im Film rennt Lola, allerdings durch Stans. Pascal Kappeler, Lehrer für Bildnerisches Gestalten am Kollegi, zeichnet für die in Comic-Art verfremdeten Videos verantwortlich.

Ruhigere Szenen geben dem Stück Tiefe

Im Kontrast zu den atemlosen Szenen stehen die ruhigen, leisen, berührenden Momente, das Herzgeplänkel zwischen Manni und Lola. Sie tun dem Zuschauer gut und geben dem Stück Tiefe. Die Regisseurin hält die Zügel in der Hand und bestimmt den dramatischen Spannungsbogen. Gezielt setzt Ueli Binggeli Stroboskop-Effekte und Beleuchtung ein. Die Welt um die Protagonisten steht still, wenn je nach Variante Manni oder Lola sterben. Im letzten Durchlauf spielt Lola nach einem Stossgebet im Casino – und sie gewinnt. Gibt es dieses Mal ein Happy End?

«Das Kollegi ohne Theater wäre wie der Vatikan ohne Papst, oder Manni ohne Lola», dichtete Rektor Patrik Eigenmann nach der Premiere gemeinsam mit den Zuschauern. Das Stück «Lola rennt» steht für knappe 60 Minuten spannende Unterhaltung mit Leichtigkeit und dennoch Tiefgang.

Weitere Vorstellungen: 23. und 24. November, 20 Uhr, Kollegi. Mehr Infos: www.kollegitheater.ch

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