KLEWENALP: «Müssen alles viermal anfassen»

Das Country-Festival erfordert einen logistischen Kraftakt. Fast alles kommt mit der Seilbahn. Das bedeutet doppelt so viele Handgriffe wie üblich.

Matthias Piazza
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Peter Arnold reinigt Bodenplatten. (Bilder Matthias Piazza)

Peter Arnold reinigt Bodenplatten. (Bilder Matthias Piazza)

Die Seilbahn transportiert einen Kühlanhänger auf die Klewenalp. (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)

Die Seilbahn transportiert einen Kühlanhänger auf die Klewenalp. (Bild: Matthias Piazza / Neue NZ)

Mit Hochdruck verpassen die Bauleute dem Country-Dorf neben der Bergstation auf Klewenalp den letzten Schliff. Peter Arnold spritzt die verdreckten Bodenplatten ab, die beim Open Air in Frauenfeld im Einsatz standen. Ein Zweierteam verlegt im schon aufgebauten Festzelt den Holzboden für den Line-Dance. Auch das halbmondförmige Zelt steht bereits. Hier treten bei schönem Wetter die Künstler des Hauptprogrammes auf. Bauchef Ivo Näpflin baut seit zwei Wochen mit seinem Team auf. Das schlechte Wetter der vergangenen Tage spielte ihnen übel mit. «Es war nicht schön zum Arbeiten. Das Material war nass und dreckig. Mit den Fahrzeugen durfte man nicht aufs Land hinausfahren, sonst hätte es riesige Schlammspuren gegeben. So mussten wir alles abladen und ein Stück weit tragen», blickt er zurück. Das rund zehnköpfige Team war gefordert. Denn bis zum volkstümlichen Unterhaltungsnachmittag heute muss alles bereit sein.

Tagesziele müssen erreicht werden

«Unsere gesteckten Tagesziele mussten wir auf jeden Fall einhalten, um mit dem Programm nicht in Verzug zu geraten.» Und das hiess wegen der ungünstigen Wetterbedingungen am Abend länger arbeiten.

Auch logistisch bedeuten die Aufbauarbeiten einen Kraftakt. Bühnenelemente, Zelte, Kühlwagen, Stühle, Technik: Rund 100 Tonnen Material müssen vom Tal auf den Berg hinauf. Das Allermeiste transportiert die Seilbahn. Fast auf jeder Fahrt nimmt die Kabine Material mit. So schwebt auch ein Bierkühlanhänger unter der Kabine den Berg hinauf. «Wir müssen von der Anlieferung an der Talstation bis zum richtigen Standort alles viermal anfassen. Wir laden das Material vom Lastwagen ab, verladen es in die Kabine oder hängen die Last unten an, nehmen es an der Bergstation in Empfang und laden es für das letzte Teilstück auf einen Transporter», erläutert Ivo Näpflin die Besonderheiten dieser Aufbauarbeiten auf 1600 Meter Höhe.

Am günstigsten mit der Seilbahn

«Der Transport mit der Seilbahn ist am günstigsten», erklärte Nicole Odermatt, Marketingleiterin der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG. Sämtliches Material mit dem Lastwagen anzuliefern käme viel zu teuer. Nur der Saloon, die Duschen und WC-Häuschen gelangen via Strasse auf die Klewenalp.

Nach 19 Jahren seien die Abläufe eingespielt, jeder Handgriff sitze. Viele Helfer sind schon mehrere Jahre dabei. Materialtransport und Tagestourist – das geht gemäss Nicole Odermatt problemlos aneinander vorbei. «Die Fahrgäste merken abgesehen von kleinen Fahrplanabweichungen nichts davon.» Dass auf der Klewenalp Ausnahmezustand herrscht, registrieren die Gäste allerdings sehr wohl. «Bereits an der Talstation bekommen sie etwas vom Trubel mit. Auf Nachfrage klären wir sie dann auf.»

Fast den Auftritt verpasst

Nicht nur das meiste Material geht per Seilbahn auf die Alp. Auch die Country-Stars reisen mit der Seilbahn an und sind – oben angekommen – erstmal vom Panorama überwältigt. «Im vergangenen Jahr verpasste ein Sänger fast seinen Auftritt, weil er von der Aussicht so begeistert war und mit Fotografieren fast nicht mehr aufhören wollte», erinnert sich Nicole Odermatt.

Die meisten Künstler hätten auch keine Berührungsängste mit anderen Seilbahngästen. «Einige bestehen aber darauf, alleine in der Kabine zu reisen und über einen Nebeneingang eingeschleust zu werden. Solche Wünsche erfüllen wir natürlich gerne.»

Im Gegensatz zu früheren Jahren profitiert das Country-Open-Air dieses Jahr auch vom schönen Wetter – bis zu 30 Grad werden am Samstag erwartet. Die Hauptkonzerte können dann draussen genossen werden. Die guten Prognosen scheinen sich bereits auf die Besucherzahlen auszuwirken. «Wir konnten schon sehr viele Tickets verkaufen», freut sich Nicole Odermatt.