Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Klewenalp-Murmeli wurden abgeschossen – Tierschützer sind empört

Ein neues Gehege brauchte zu viel Platz und Geld, einen anderen Ort fand man für die sieben Tiere nicht. Die Tierschützer sind empört.
Markus von Rotz
Mit diesem Plakat durften sich die Murmeli diesen Sommer verabschieden. (Bilder: PD)

Mit diesem Plakat durften sich die Murmeli diesen Sommer verabschieden. (Bilder: PD)

Murmeltiere gibt es auf der Klewenalp nur mehr in der freien Natur und auf der App Sqwiss, wo man 200 virtuelle Löcher finden kann. Die sieben Tiere im Gehege, eine langjährige Kinderattraktion, leben nicht mehr. Dabei hatte es ihnen gefallen. «Die Zeit hier oben war pfiffig schön», stand auf einer Infotafel, auf welcher die Murmeli diesen Sommer «Auf Wiedersehen» sagen konnten.

Sie hätten als Fotomodell viel Spass gehabt. Aber das Gehege sei zu klein und habe laut Tierschützern nicht mehr den Vorschriften entsprochen. «Unten in den Löchern haben wir uns manchmal mächtig gezofft», heisst es auf der Tafel. Doch ein Wiedersehen gibt es nicht mehr: Der Wildhüter hat die vier im Juli geborenen Murmeli mit ihren Eltern und einem ihrer Grossväter auf Verlangen der Klewenalp-Bahnen vergangene Woche abgeschossen.

«Es hätte ganz andere Lösungen geben können»

Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz, ist nicht überrascht: «Ein Wildhüter ist ein vom Kanton angestellter Jäger, da gibt es meist nur die Option schiessen.» Sie kritisiert: «Man kann nicht bei Kindern mit dem Murmeligehege werben und sie einfach entsorgen, wenn es nicht mehr passt.» Das Gehege wird weiterhin auf der Webseite als Besucher-Attraktion erwähnt. Tierschützerin Theus sagt:

«Man kann sich die Natur nicht einfach mit dem Gewehr zurecht schiessen.»

Und fährt fort: «Nidwalden will das ja auch mit den Schwänen machen.» Das sei ebenso falsch, wie Eier zu stechen. Wenn schon müsste man Eier mit Gipseiern vertauschen und die Schwäne im Glauben lassen, sie würden ausbrüten. Zurück zu den Murmeltieren: «Es hätte ganz andere Lösungen geben können. Allenfalls hätte man sie direkt in die Natur entlassen können, damit man keine Umsiedlungsmöglichkeit hätte suchen müssen.» Allenfalls hätte eine Wildtierstation helfen können. Die Tiere könnten gut in freier Natur leben und trotzdem den Menschen erfreuen, zeigt Theus am Beispiel Bündnerland. Hier würden Tiere teilweise gefüttert, was sie zutraulich mache und an die Menschen gewöhne. Darum hätte sie eine Auswilderung auch als Lösung gesehen.

Ein Murmeli im Gehege diesen Sommer.

Ein Murmeli im Gehege diesen Sommer.

Jacqueline Dehmel, Präsidentin des Tierschutzvereins Nidwalden, berichtet, sie habe vergangene Woche den anonymen Hinweis erhalten, dass die Tiere abgeschossen werden sollten. Als sie am Freitag einen Augenschein bei der Bergstation der Klewenbahn nahm, war das Gehege bereits leer. Sie zeigt sich darob ebenfalls entrüstet: «Wir hätten mit unserem grossen Netzwerk die Tiere sicher anderswo unterbringen oder Spendengelder für die nötige Sanierung organisieren können», sagt sie. Auf Anfragen der Bahn habe sie bisher keine Antwort erhalten. Offenbar soll ein Brief unterwegs sein, den sie aber bis gestern nicht erhalten hatte.

Es fehlten der Platz und das Geld

Dass eine Spendenaktion funktionieren kann, bewies man vor sieben Jahren auf dem Stanserhorn: Als das Bahnunternehmen wegen höherer Kosten für die neue Cabriobahn aus finanziellen Gründen das Gehege aufgeben wollte, sagte ein Ranger, der Entscheid sei «ein Schlag in die Magengegend». Dann sammelten die Ranger in vier Monaten 130000 Franken für ein neues.

Paul Odermatt, Leiter Betrieb und Technik bei der Klewenalp-Bahn, will erst nichts sagen, nimmt dann aber doch Stellung. Er erklärt, er habe Anfang September mit dem Tierpark Goldau, dem Murmeltierpark auf dem Grimsel und der Stanserhornbahn Kontakt aufgenommen. Überall hätten sie ihm gesagt, sie könnten die Tiere diesen Herbst nicht aufnehmen. Auch der Kanton habe keinen Platz vermitteln können.

Erst vor wenigen Wochen aufgenommen: zwei Murmeli auf der Klewenalp. (Leserbild: Natalie Häussler)Erst vor wenigen Wochen aufgenommen: zwei Murmeli auf der Klewenalp. (Leserbild: Natalie Häussler)
(Leserbild Irina Limacher)(Leserbild Irina Limacher)
(Leserbild: Beat J. Klarer)(Leserbild: Beat J. Klarer)
Ein Murmeli im Gehege in diesem Sommer. (Bild: PD)Ein Murmeli im Gehege in diesem Sommer. (Bild: PD)
Ein Bild aus dem Jahr 2011: Stolz präsentieren sich die Murmeli im Gehege. (Bild: PD)Ein Bild aus dem Jahr 2011: Stolz präsentieren sich die Murmeli im Gehege. (Bild: PD)
Ein Bild aus glücklichen Tagen (2015). (Bild: PD)Ein Bild aus glücklichen Tagen (2015). (Bild: PD)
2009 gab es Nachwuchs. (Archiv LZ)2009 gab es Nachwuchs. (Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
(Archiv LZ)(Archiv LZ)
14 Bilder

So schön hatten es die Murmeli auf der Klewenalp

Ins Rollen gebracht hatte das Thema eine Bahnkundin: Sie hatte sich im Herbst ans Labor der Urkantone gewandt, weil die Tierschutzvorschriften nicht erfüllt würden. Diese stammen von 2008. Nach einer Begehung in diesem Frühjahr machte das Veterinäramt Auflagen. Die Tiere bräuchten mehr Platz, das Gehege dürfe nur von zwei Seiten für Publikum zugänglich sein, auch hätte man es laut Odermatt und Dehmel mit mehr Steinen stabiler machen müssen. Odermatt sagt klar:

«Der Platz für ein grösseres Gehege und die anderen Auflagen fehlte bei der Bergstation.»

Und fährt fort: «Und anderswo kann man ein solches nicht erstellen.» Ein neues Gehege hätte gegen 250000 Franken gekostet, das Fünffache des Jahresgewinns 2018/19 der Bahn. «Das lag nicht drin.» Und weil im Frühjahr wieder Tiere zur Welt gekommen wären, habe man handeln müssen.

Eine Auswilderung habe man nach Rücksprache mit dem Amt für Jagd und Fischerei verworfen. «Die Tiere waren sich gewohnt, gefüttert zu werden.» Sie wären in freier Wildbahn verhungert, widerspricht er Marion Theus. Vorschläge für andere Möglichkeiten hätten ihnen Tierschützer nie gemacht. In freier Wildbahn gebe es aber immerhin noch mehrere Murmeltierkolonien auf Klewenalp. Die toten Tiere wurden nach dem Abschuss entsorgt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.