Klewenbahn: Die Neuausrichtung trägt erste Früchte

Die Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG ist nach der Finanzspritze in Form von Darlehen wieder auf Kurs. Nun gilt es, ein Dienstleistungszentrum für die ganze Tourismusregion aufzubauen.

Oliver Mattmann
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Die Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG wird das Restaurant auf Stockhütte (im Hintergrund) ab April 2019 selber betreiben. (Bild: PD)

Die Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG wird das Restaurant auf Stockhütte (im Hintergrund) ab April 2019 selber betreiben. (Bild: PD)

Noch wirken die Büroräumlichkeiten gleich unterhalb der Talstation der Luftseilbahn Beckenried-Klewenalp etwas leer. Doch schon bald wird dort Leben einkehren. Die Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG rüstet sich für den operativen Start der Marketing- und Verkaufsaktivitäten für die ganze Region von Isenthal bis Ennetbürgen. Das Bahnunternehmen hat dazu kürzlich eine Leistungsvereinbarung mit dem Verein Tourismusregion Klewenalp unterzeichnet. Diese gilt ab 1. Januar 2019 für vorerst fünf Jahre. «Unser gemeinsamer Gast soll in Zukunft mit einem einheitlichen, guten Auftritt angesprochen werden. Er soll Erlebnisse zu See, Berg und Tal buchen können», erklärt Roger Joss, Geschäftsführer der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG.

Die Idee an sich ist nicht neu, bereits vor vier Jahren haben sich die örtlichen Tourismusorganisationen für eine verstärke Zusammenarbeit ausgesprochen. «Das Projekt benötigte zu Beginn viel Basisarbeit, Überzeugung und einige Anpassungen von langjährigen Strukturen, um jetzt umgesetzt werden zu können», erwähnt Roger Joss. Das Vertrauen ins Konstrukt habe anfänglich etwas gefehlt, jeder habe seine Angebote dann auch aus Ressourcengründen doch mehrheitlich auf eigene Faust vermarktet.

Der Internetauftritt wird verbessert

Joss selbst ist seit Mitte April an der Spitze des Bergbahnunternehmens – und überzeugt, mit dem nun eingeschlagenen Weg Erfolg zu haben. «Der Gast nimmt die Region als Ganzes wahr. Wenn es uns gelingt, ihn mit einem Angebot anzulocken, werden auch die anderen im Verbund profitieren.» Das neue Dienstleistungszentrum in Beckenried ermögliche es, in den Bereichen Produktentwicklung, Marketing und Verkauf gemeinsame Entscheide zu fällen und diene zudem als Anlaufstelle für Gäste. Ihm sei bewusst, dass die Arbeit des neuen Dienstleistungszentrums von den Leistungserbringern genau beäugt werde. «Das ist auch richtig so», sagt er. «Wir wollen und müssen verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden. Das ist eine Herausforderung.» Er beteuert aber, dass sich die Bahn bei der Vermarktung bewusst zurücknehmen und alle Angebote gleichermassen anpreisen werde. «Je besser es der Region geht, desto besser wird es auch der Bahn gehen. Davon bin ich überzeugt.»

Aus seiner Zeit als Verkaufs- und Marketingchef bei den Rigi-Bahnen weiss Roger Joss auch um die Bedeutung eines attraktiven Internetauftritts mit buchbaren Angeboten. Dies sei für die Region bisher kaum der Fall gewesen. «Mit dem neuen Portal, das noch in Arbeit ist, ändert sich das. Künftig kann der Gast online buchen, vom Hotelzimmer über Tagestickets und Erlebnisangebote bis hin zu Gutscheinen.»

Zu grosse Abhängigkeit vom Wintergeschäft

Bei den Erlebnisangeboten hat die Klewenbahn selber aufgerüstet. Ausgerichtet auf die neue Strategie der Bahn, die das Alperlebnis in den Vordergrund stellen und lokale Produzenten berücksichtigen will, ist in diesem Sommer unter anderem das «AlpZnacht» entstanden, bei dem der Apéro bei der Bergfahrt in der Gondel eingenommen wird. «Wir sind positiv überrascht, wie gut das Angebot bisher angekommen ist», sagt Roger Joss. Für eine Bilanz auch über weitere neue Produkte wie kulinarische Jodlererlebnisse sei es aber noch zu früh. «Wir sind am Austesten und Erfahrungen sammeln.»

Dass im Sommer mehr gehen muss als bisher, ist allerdings unbestritten. «Pro Jahr haben wir rund 250000 Gäste auf dem Berg, davon 65 Prozent im Winter.» Zwar sei die letzte Wintersaison gut gewesen, doch wolle man sich von der Abhängigkeit von Skifahrer und Snowboarder etwas lösen. Das Thema Schneesicherheit sei auch in Beckenried allgegenwärtig. Soll man in Beschneiungsanlagen investieren oder nicht? «Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung sind an einem Masterplan, in dem auch solche Fragen beantwortet werden sollen», hält Joss dazu fest.

Ein anderer strategischer Entscheid indes ist bereits gefallen. So wird der im April 2019 auslaufende Pachtvertrag für das Restaurant auf Stockhütte nicht erneuert. «Wir wollen die Fäden in der Gastronomie selber in den Händen halten», so Joss. Zu viel verraten kann er noch nicht, doch wolle man die Gestaltung des kulinarischen Auftritts überdenken. «Wir erhoffen uns hier mit besonderen Angeboten noch Potenzial nach oben.»

Neuer Geschäftsführer bringt Gästeoptik mit

Fast von alleine viel Potenzial bescherte der bisherige Sommer. Wie andere Bergbahnen profitierte auch die Klewenalp vom mehrheitlich schönen Wetter. Dies erleichterte auch Roger Joss den Start am neuen Ort. «Ich bin schon länger in Beckenried wohnhaft und habe die Region aus der Gästeoptik gekannt. Aus dieser Warte konnte ich einiges mitnehmen und einbringen.» Imponiert habe ihn die grosse Identifikation der Bevölkerung mit der Bahn und den Leuten, die dort arbeiten.

Er glaube an die Zukunft des Bergs, auch wenn es eine herausfordernde erste Phase gewesen sei für ihn. Joss spricht damit auch die Darlehen von total 2 Millionen Franken an, die man 2017 für eine dringende Mastensanierung benötigt hatte und nun am Abzahlen sei. «Wir haben inzwischen einen langjährigen Finanz- und Investitionsplan inklusive Controlling erstellt, damit wir die Ausgabenseite im Griff haben. In diesem Bereich bestand Nachholbedarf.»