Köpfe hinter den Grinden

Wer fragt sich dies an der Fasnacht jeweils nicht: Wer versteckt sich hinter den Masken? Ein paar Fasnächtler zeigen ihre Grinden und ihr Gesicht.

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In den eisig blauen «Grinden» von Janine Burch und Dario Kiser steckt tagelange Arbeit. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

In den eisig blauen «Grinden» von Janine Burch und Dario Kiser steckt tagelange Arbeit. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Eisfürsten geben sich die Ehre

Giswil Die 26-jährige Janine Burch und der 19-jährige Dario Kiser haben schon ein unglaubliches Fasnachtsprogramm hinter sich. Sie waren frühmorgens in Alpnach aufgetreten, spielten am Schmutzigen Donnerstag in Stans und während der Guggernacht in Steinhausen. Und gerade eben haben sie die Marathonstrecke des grossen Giswiler Umzugs zurückgelegt. Nun nehmen die beiden ihre wunderschönen, eisig blauen Masken von den Gesichtern. «Ich bin mächtig stolz, dass ich mit den von Edi Fischer gegründeten Städer Schränzern aus Alpnachstad den 50. Geburtstag feiern kann», sagt der gelernte Polymechaniker Dario Kiser. Für dieses Jubiläum habe man ein ganz besonderes Motto gewählt und dazu auch ganz besonders schöne «Grinde» angefertigt. «Wir sind Eisfürsten, und da musste die Maske romantisch aussehen: blau eben, aber eisig blau.»

Für Kiser ist Fasnacht mit Kolleginnen und Kollegen eine tolle Abwechslung im Alltag. Das Jahr hindurch macht er keine Musik. An der Fasnacht aber bläst er die Trompete. Und wie!

In den eisig blauen «Grinden» von Janine Burch und Dario Kiser steckt tagelange Arbeit. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

In den eisig blauen «Grinden» von Janine Burch und Dario Kiser steckt tagelange Arbeit. (Bild: Romano Cuonz / Neue OZ)

Mein «Grind» gefällt mir mega

Die Service-Angestellte Janine Burch findet ihren «Grind», den sie in tagelanger Arbeit angefertigt hat, einfach «mega». Er sei richtig eisig. Und fürstlich. Sie spielt bei den Schränzern Posaune. Die Schränzer verfügen heute über ein Repertoire von gegen 20 verschiedenen Stücke, die sie perfekt kakofon spielen. «Ich habe den Plausch, wenn wir ‹Try› von Pink spielen», sagt Janine Burch. Der Unterstützerverein «Menü 2» aber könne das Stück «Junge» nicht genug hören.

Sie freute sich auf jeden weiteren Auftritt, konnte von der Fasnacht nicht genug bekommen. Am Dienstag standen noch der Umzug in Sarnen und die «Uislumpätä» in Alpnach auf dem Programm. «Ohne uns Eisfürsten geht nichts.» Doch sie wusste auch: «Zum Guggerdasein gehören in den nächsten Tagen bestimmt wieder Frieren und schmerzende Lippen.»

Romano Cuonz

 

Hauswart Gantenbein sieht einfach alles

Paul Hemminger steckt hinter der Hauswartsmaske. (Bild: André A. Niederberger)

Paul Hemminger steckt hinter der Hauswartsmaske. (Bild: André A. Niederberger)

Stans Herr Gantenbein, der Abwart, fiel am Stanser Kinderumzug am Montag auf. Kein Wunder – mit dieser auffälligen Erscheinung: Der blaue Kopf besteht aus zwei zusammengesetzten trichterförmigen blauen Formen mit hervorstehenden Augen und einem aufgesetzten Hut. Und durch den Mund in Form einer schmalen Spalte lugt Paul Hemminger (52) aus Büren hindurch. «Man sieht viel, kann ganz nahe an jemanden herantreten und ihn anschauen, ohne dass er mich erkennt», erzählt er. Das sei doch amüsant, vor allem bei Begegnungen mit Bekannten.

Die Idee zu diesem ebenso einfachen wie kreativen Sujet kam ihm bei einem Besuch in einem Möbelgeschäft – mitten im Hochsommer. «Wilde Fasnächtler denken eben immer an die Fasnacht – auch am heissesten Sommertag», lacht er. Und so wurde aus einem Gartenschlauchhalter eben eine Maske, die als Abwart Gantenbein eine kleine Attraktion darstellt. Herr Gantenbein sorgte bereits am Schmutzigen Donnerstag an der Stanser Fasnacht für Aufsehen. Als Nidwaldner gehöre für ihn die Stanser Fasnacht einfach dazu, ist für Paul Hemminger klar.

Matthias Piazza
 

«Ich erhalte viele Reaktionen»

Hat eine halbe Schmiede dabei: Kurt Kunz aus Kaiserstuhl. (Bild: Adrian Venetz)

Hat eine halbe Schmiede dabei: Kurt Kunz aus Kaiserstuhl. (Bild: Adrian Venetz)

Sarnen Seine Verkleidung ist sein Motto: Als «dr Schmied 2016 haben Kurt Kunz aus Kaiserstuhl etliche Umzugsbesucher gesehen. Mit Furcht einflössendem Grind schritt er den Fasnachtsumzügen in Giswil und Sarnen voran, lange bevor deren Eröffnungsnummern sich hören und blicken. Die Arme in langschäftigen, schweren Lederhandschuhen, auf dem Rücken einen Amboss. Das Kostüm ist schwer und warm, der Amboss aber sei aus Polystyrol.

«Riesenvorfreude habe ich jeweils vor der Fasnacht», gibt er preis. Was er jeweils darstellt, verrät er niemandem. «Das ist eine Überraschung.» Das meiste von seinem Kostüm hat er übrigens selbst gefertigt: «Mit Leder zu arbeiten, ist mein Hobby» erzählt Kunz, der in Kerns aufgewachsen ist und als Monteur bei Sika Sarnafil arbeitet.

Auf den Schmied als Fasnachtsmotto kam er irgendwann mal, als er eine Gruppe sah, die als Schmiede verkleidet, Musik machte. Seit dem «Schmudo» galt es für Kurt Kunz dann richtig ernst: zum Frühschoppen in Kerns, am Nachmittag an der Kinderfasnacht Sarnen, Sonntag in Giswil.
Allein unterwegs zu sein stört ihn, der früher mit den vier Brüdern ganze Wagen baute, nicht: «Es ist schon speziell und gibt viele Reaktionen von den Leuten. Sie nicken, klatschen oder fotografieren mich.»
 

Marion Wannemacher

 

Hier reiten die Tiere

Eva und Michael Kaufmann liessen sich vom Sarner Fasnachtsmotto «Im Rausch der Alpen» inspirieren. (Bild: Adrian Venetz / Neue OZ)

Eva und Michael Kaufmann liessen sich vom Sarner Fasnachtsmotto «Im Rausch der Alpen» inspirieren. (Bild: Adrian Venetz / Neue OZ)

Sarnen Als tiertragende Bauern waren Eva und Michael Kaufmann aus Sarnen unterwegs. «Wir haben uns getreu dem Motto Alprausch verkleidet», sagt Eva Kaufmann. «Wenn die Tiere beim Alpaufzug nicht mehr mögen, dann muss der Bauer sie tragen.» Der Bauer hängt schlapp auf Hüfthöhe, so schwer hat er zu schleppen: Bei Eva Kaufmann «trägt» er ein schneeweisses Huhn mit Hahnenkamm, bei Michael Kaufmann ein pinkfarbenes Säuli.

«Für mich ist das Gelegenheit, mich unter die Menge zu begeben», verrät Eva Kaufmann, die sich selbst sonst nicht als so gesellig bezeichnen würde. Und ihrem Mann gefällts sowieso. «Ich bin froh, dass sie die Arbeit macht», verrät Michael Kaufmann unverblümt. Bereits seit vier Wochen wurde genäht, zusammengestellt und dekoriert.

Donnerstag und Montag zog es das «tiertragende Bauernpaar» aus Sarnen nach Luzern. Jeweils am Dienstag sind sie dann in Sarnen anzutreffen: «Das ist unsere Hommage an unseren Wohnort.» Für den gestrigen Dienstag wollten sie den Rest der Fasnacht noch einmal geniessen: «Etwas essen, etwas trinken und wenn wir genügend müde sind, dann geht es nach Hause.»
 

Marion Wannemacher