Kolumne
«Ich meinti»: Der Amtsschimmel, ein wirklich liebes Tier

Kolumnist Dolf Stockhausen über Vorschriften, die oftmals unlogisch und obendrein kundenfeindlich sind.

Dolf Stockhausen
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Dolf Stockhausen, Unternehmer aus Hergiswil.

Dolf Stockhausen, Unternehmer aus Hergiswil.

Florian Arnold / Nidwaldner Zeitung

Der Staat ist der Diener des Bürgers. Beamte sind quasi dessen Angestellte und haben sein Wohl zu mehren. Eine erhaben-hehre Vorstellung, die aber vieler Orten zunehmend ad absurdum geführt wird.

In Deutschland sind nach einer Erhebung der Beamtengewerkschaft (!) 51% der Befragten der Meinung, dass Staat und Verwaltung ihren Aufgaben nicht mehr ausreichend nachkommen. Vor Corona waren es sogar 61%. Die Meinung über die Politiker ist noch schlechter. Nun ist die Schweiz nicht Deutschland. Dennoch gibt es auch hier Beispiele, deren Betrachtung sich lohnt.

Ich betrete ein Nidwaldner Postamt mit einem Päckchen. Es enthält zehn Muster meiner Whiskys in 50- und 100-ml-Kunststofffläschchen. Adressiert an einen Geschäftspartner im Ausland. Der freundliche Herr hinter der Glasscheibe fragt nach dem Inhalt, ich gebe Auskunft, Alkoholgehalt 46 bis 58 Vol.-%. Er schüttelt den Kopf, das Päckchen könne er nicht annehmen. Aus Gefahrengründen, sagt er. Ich: «Aber ich habe doch in der vorigen Woche ein solches Päckchen an eine Inlandadresse bei Ihnen abgegeben, und es war kein Problem.» Er: «Inland ist Inland und Ausland ist Ausland.» Ich bin verwirrt. Höre mich sagen: «Wieso soll es gefährlicher sein, Whisky von Nidwalden nach Stuttgart zu versenden als von hier nach Chur?» Er lakonisch: «Vorschrift ist Vorschrift.»

Ich beginne nachzuforschen, ob der Grund im Ausland liegt. Ergebnis: negativ. Sendungen von Deutschland und Österreich nach zum Beispiel Kroatien machten noch kürzlich keine Probleme. Die Vorschrift muss also wohl hausgemacht sein. Seitdem bringen wir Muster legal (!) über die deutsche Grenze und versenden von dort. Das ist aufwendig und lästig. Mal ehrlich: Ist dieser Wettbewerbsnachteil, dieses nicht-tarifäre Handelshemmnis, nötig, wo doch jede logische Begründung fehlt? Ich meine, nein. Und überlege mir ernsthaft, (auch aus Marktgründen) demnächst lieber im Ausland zu produzieren, wo ich mit solchen Schikanen nichts zu tun habe.

Nächster Fall: Ich habe zwölf Freunde in Deutschland zu einer einwöchigen Flusskreuzfahrt eingeladen. Das Veranstaltungsunternehmen hatte es in seiner Weisheit für richtig befunden, mir die Reiseunterlagen für die Einschiffung, ziemlich spät, gesammelt an meine Schweizer Adresse zu senden. Also haben meine Frau und ich die Unterlagen, zu denen auch ein dünner Reiseführer gehörte, individuell zum Versand an die deutschen Adressen unserer Freunde in Polsterumschläge verpackt. Mit diesen ging dann meine Frau aufs Postamt. Der schon erwähnte freundliche Herr schüttete erneut das Haupt. Das seien Päckchen, für die müssten jeweils Zollerklärungen ausgefüllt werden. Was meine Frau dann notgedrungen tat und zudem je Päckchen 17 Franken entrichtete. In Deutschland wunderte sich der Zoll und öffnete einige der Päckchen, wie der Zoll das so an sich hat (sehr eifrig auch in der Schweiz, selbst bei Geschenksendungen). Wahrscheinlich waren die Herrschaften enttäuscht, dass gar nichts Zollpflichtiges drin war. Natürlich verzögerte sich die Zustellung erheblich, sodass die Unterlagen beinahe nicht mehr rechtzeitig angekommen wären.

Okay, die Verwaltung und staatsnahen Unternehmen in der Schweiz, vor allem in der Innerschweiz und hier besonders in Nidwalden, sind bürgerfreundlicher und kundennäher als etwa in Deutschland, aber wie sich zeigt, ist auch hier manches unlogisch, Wirtschaft und Bürger unnötig belastend und deshalb verbesserungsbedürftig. Aber alle Erfahrung lehrt, dass die Hoffnung darauf wohl illusionär ist. Oder?

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