Kolumne «Ich meinti»
Eine magische Reise wert …

Unser Kolumnist ist begeistert von den uralten klerikalen Bauwerken Frankreichs. Er fragt sich allerdings, ob Besuchende die vielen Kirchen und Klöster des Glaubens oder der angenehmen Kühle wegen besuchen.

Karl Tschopp
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Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Karl Tschopp, Rechtsanwalt aus Stans, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Bild: PD

Ein paar Tage Erholung tun jeder Person gut. Bald ist sie wieder da: die Ferienzeit. Man kann Ferien auf verschiedene Art und Weise gestalten, einerseits eine Destination aussuchen und dort bleiben mit Nichtstun oder eine Reise planen und viel Neues sehen und erleben. Letzteres habe ich eben erst getan, eine kurze Reise nach Frankreich in Richtung Normandie und Bretagne.

Bereits der erste Halt in Chartres, einige Kilometer westlich von Paris, hatte es in sich und bringt jeden zum Staunen, der die Kathedrale Notre-Dame de Chartres besucht. Ausgerechnet Karl der Kahle vermachte der dortigen Vorgängerkirche im Jahr 876 die «Sancta Camisia», das Hemd, das Maria bei der Geburt Jesu getragen haben soll. Noch heute kann ein Stoffteil davon von 30 auf 30 Zentimeter Grösse besichtigt werden. Zwischen 1194 und 1260 wurde diese gewaltige Kathedrale erstellt, als «Urbild» der hochgotischen Kirchenbauten von 130 Metern Länge und 64 Metern Breite. Da diese Kathedrale nie zerstört wurde, vermittelt sie einen absolut unverfälschten Eindruck und macht sie gerade deshalb magisch, wenn man sich darin bewegt.

Von dieser Magie getragen, ging es weiter an den Ärmelkanal zum Mont-Saint-Michel mit seiner Abtei, errichtet auf einem Hügel, der bei Flut vom Festland abgetrennt als Insel erscheint. Eine Meisterleistung der Baukunst, um eine Kirche aus dem 10. Jahrhundert herum ein Kloster auf drei gewaltigen Ebenen auf dieser Felseninsel zu errichten. Der Ausbau zu dieser zentralen Klosteranlage des Benediktinerordens hat im Jahr 1017 begonnen und soll erst 1520 beendet worden sein. Der Rundgang durch das Kloster gleicht einer magischen Wanderung durch das tiefste Mittelalter, und das regelrechte Erleben des einstigen Glanzes dieser Abtei lässt auch die schmerzenden Beine vom mühsamen Aufstieg vergessen. Seit 1874 sind die Renovierungsarbeiten auf der ganzen Anlage nie mehr unterbrochen worden; aber Liftanlagen gibt es immer noch keine.

Über Saint-Malo zu den magischen roten Steinen an der «Côte de Granit Rose», an denen Obelix wohl am meisten Freude gehabt hätte, ging die Reise weiter an den Atlantik zur Industriestadt Brest bis hin zur ältesten Fischkonservenfabrik der Welt in Douarnenez. Es folgte ein erneuter magischer Kirchenaufenthalt in Nantes: Vor zehn Jahren musste mitten in der Stadt eine kleine Kirche aus dem 19. Jahrhundert erst entweiht werden, bis sie von aussen absolut nicht erkennbar in ein modernes Boutique-Hotel mit mystischer Atmosphäre umgebaut werden konnte. Die Heimreise führte dann entlang der Loire über die Sancerre-Hügel zu den Weinbergen des Burgunds und nach dem Besuch der berühmten Basilika von Vézelay zurück in die Schweiz.

Ich meinti, es fällt immer wieder auf, dass die kirchlichen Bauten sehr häufig von vielen Menschen besucht werden. Des Glaubens willen? Teilweise vielleicht, aber es sind die historischen und unglaublich gewaltigen kirchlichen Baudenkmäler, die uns magisch anziehen. Fast ehrfürchtig staunen wir über die damaligen Baukünste, die weit ins Mittelalter zurückreichen. Oder liegt es einfach daran, dass es so schön kühl ist in Kathedralen, Klöstern und Basiliken?