Kolumne

«Ich meinti»: Impfen ist Bürgerpflicht

In der Schweiz läuft die Impfwelle an. Unser Kolumnist hat sich die Impfstoffe, die Hersteller und die Liste der möglichen Nebenwirkungen genau angeschaut.

Dolf Stockhausen
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Dolf Stockhausen, Unternehmer aus Hergiswil, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Dolf Stockhausen, Unternehmer aus Hergiswil, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Bild: PD

Wenn die Not am grössten ist, ist Gottes Hilfe am nächsten. Mindestens drei geradezu traumhaft wirksame Impfstoffe hat die Wissenschaft in Rekordzeit rund um die Uhr entwickelt, und die Zulassungsbehörden haben diese sehr zügig ihrer Zulassung nähergebracht. Nach der Freigabe des Biontech/Pfizer-Impfstoffs BNT162b2 durch Swissmedic haben in der Schweiz die Impfungen begonnen. Mehr Impfstoff wird es hoffentlich Anfang Januar nach der erwarteten Zulassung von Moderna/Lonza geben.

Wir in Nidwalden können stolz sein. Unser Kanton war einer der allerersten, und die Impfaktion verläuft – zunächst in den Seniorenheimen – pannenfrei, unaufgeregt und unbürokratisch ab. Helfer des Kantonsarztes Dr. Gürber sind die Hausärzte im Einzugsbereich. Sie kennen ihre Patienten und flössen Vertrauen ein.

Vertrauen tut nämlich dringend not. Denn laut Umfragen würden sich in der Schweiz nur 44 Prozent wahrscheinlich oder eher impfen lassen (UK 65 Prozent!), 34 Prozent nicht oder eher nicht, der Rest ist unentschieden. Das tut weh, denn für die «Herdenimmunität» und damit ein Ende der Pandemie und eine Rückkehr zur Normalität wären 60 bis 70 Prozent nötig.

Dafür sind wohl drei Faktoren verantwortlich:

1. Das auf Unwissenheit beruhende Misstrauen gegenüber der Geschwindigkeit der Entwicklung und Prüfung,

2. Die Angst vor Nebenwirkungen, und

3. Die allgemeine Technik- und Wissenschaftsskepsis, vor allem gegenüber der Gentechnik.

Zu 1.: Ja, die Entwicklung ist schnell gegangen, Gott sei Dank! Aber das heisst keineswegs, dass dabei geschlampt wurde. Die Arbeit mit Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) ist 30 Jahre alt. Dass sie bisher nicht in grossem Umfang (wohl aber in der individuellen Krebstherapie) genutzt wurde, liegt vor allem an der Zerfallsempfindlichkeit der besagten Botenstoffmoleküle, die aber jetzt nicht nur durch Produktformulierung und Kühltechnik überwunden werden konnte, sondern sich gleichzeitig als Segen erweist. Denn sie bleibt im menschlichen Körper gerade so lange intakt, dass sie diesem befehlen kann, einen nicht pathogenen Teil des Virus nachzubilden und die Antikörper gegen das ganze Virus zu entwickeln. Zum Vordringen zur Erbinformation im Zellkern bleibt ihr keine Zeit, dann ist sie schon wieder zerfallen. Bei Biontech konnte man also aus langer Erfahrung schöpfen und wird so auch in Zukunft neuen Bedrohungen begegnen können. Und die kurze Prüfungszeit bei den Zulassungsbehörden wurde nicht etwa durch Weglassen von Prüfungsschritten, sondern dadurch erreicht, dass man dort nicht auf den kompletten Prüfdatensatz gewartet, sondern im Sieben-Tage-Betrieb die Informationen aus 43'500 Anwendungsprüfungen ausgewertet hat, wie sie kamen. Bravo!

Zu 2.: Die Nebenwirkungen sind heftig aufgebauscht worden. Die meisten sind leichte Schmerzen an der Einstichstelle, wie sie bei jeder Grippeimpfung vorkommen und schnell wieder vergehen. Daneben sind Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen sowie erhöhte Temperaturen beobachtet worden, selten gravierend, immer nur von kurzer Dauer. Bei Allergikern ist Vorsicht geboten, aber dafür sind ja die Hausärzte mit von der Partie. Also, kleine Risiken bei der grossen Chance schweren bis tödlichen Krankheitsverläufen zu entgehen. Bei früheren Pestepidemien gab es eine solche Chance nicht! Und, übrigens: In Nidwalden hat bis jetzt noch niemand von schwereren Nebenwirkungen zu berichten gewusst.

Zu 3.: Hierzu wird es in einigen Wochen eine eigene Kolumne geben.

Fazit: Impfen ist nicht nur klug, sondern geradezu Bürgerpflicht!