Kolumne
«Ich meinti»: «Mein lieber Schwan»

Karl Tschopp nimmt sich in seiner «Ich meinti»-Kolumne der Vielseitigkeit des Schwans an und geht dabei zurück in der Geschichte bis ins 19. Jahrhundert.

Karl Tschopp
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Rechtsanwalt Karl Tschopp, Stans.

Rechtsanwalt Karl Tschopp, Stans.

Bild: PD

Diese Worte stammen aus Richard Wagners Oper «Lohengrin». Dort lautet eine Zeile: «Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!» Als Ausruf der Überraschung, als ein allgemeingültiger Seufzer, um das Überwältigende des Erzählten oder Gesehenen hervorzuheben, sind diese Worte zur stehenden Redewendung geworden, wie zum Beispiel: «Mein lieber Schwan, da hast du ja noch mal Glück gehabt!» Der in der Oper gespielte Hochzeitsmarsch ist ein Evergreen, der heute noch an fast jeder Trauungszeremonie gespielt wird: «Ta tata taa, ta tata taa». Jetzt ist jedem klar, welches Stück ich meine.

Die romantische Oper «Lohengrin» wurde 1850 uraufgeführt und beinhaltet einen aussergewöhnlichen Fall der Justiz, sowohl in straf- als auch in zivilrechtlicher Hinsicht. Elsa von Brabant, eine junge Dame aus bestem Hause, soll ihren eigenen Bruder ermordet haben. Da die Ermittler versagt haben, soll ein Gottesgericht entscheiden: ein Duell Mann gegen Mann. Im letzten Moment erscheint ein ritterlicher Mann, der für Elsa fechten soll. Er kommt in einem kleinen Boot angefahren, gezogen von einem Schwan. Er bietet ihr gleich noch an, ihn zu heiraten, und stellt eine ehevertraglich festgehaltene Bedingung, dass sie nie fragen dürfe, wie er heisse, wer er sei und woher er komme. Die gerettete zukünftige Gattin will eben trotzdem irgendwann wissen, wen sie da eigentlich geheiratet hat. Es nützte ihr wenig, als sich herausstellte, dass ihr Gatte ein edler Ritter war, weil sie wegen ihrer Fragerei gegen den Ehevertrag verstossen hat. Und schon wartet der Schwan, um Lohengrin wieder abzuholen.

Da ist selbst die Scheidung romantisch inszeniert. Ein Schwan als Retter und Vollzugsorgan des verletzten Ehevertrages. Scheidungen erhitzen in der Regel die Gemüter der Beteiligten, sorgen entsprechend für Stress, und bedanken wird sich auch selten jemand dafür. Dass Schwäne nicht immer als Retter gelten und sogar auf Abschusslisten geführt worden sind, hat vor gut zweieinhalb Jahren die Gemüter in Nidwalden erhitzt. Heute ist es glücklicherweise ruhig geworden um die Flugplatzschwäne. Seit jeher mythologische Tiere, Symbol des Lichts und des Stolzes, der Reinheit und Vollkommenheit, der Würde, Reife und Anmut. Das Weiss des Federkleides stehe für das Absolute, für Anfang und Ende, und für die Vereinigung von beidem, dieses Weiss sei Symbol für Unschuld und Jungfräulichkeit.

Ich meinti, es gibt auch noch die andere Seite des Schwans. Kein anderer Vogel soll so tief in das Dunkel des Wassers tauchen und verkörpere vielleicht auch deshalb das Unheimliche und Dämonische, den Kampf, die Tragik und den Tod. Neben dem weissen Schwan gibt es immer auch den schwarzen, neben dem Guten das Böse. Man sagt, dem Totenschiff, das die Seelen in eine andere Welt brachte, habe ein Schwan den Weg gezeigt. Als «Schwanengesang» bezeichnet man das letzte Werk eines Musikers oder Dichters, böse Zungen behaupten, auch die letzte Rede eines Politikers. Es stehen bald Wahlen an…

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